Schuhmarkt

Ran an die Jugend

Das Schuhhaus Dietle in Marbach am Neckar ist ein klassischer Vollsortimenter, dessen Inhaberin die junge Kundschaft in den Blick genommen hat. Dafür wird auch investiert, um die Attraktivität für dieses Klientel zu steigern. 16/06 Peter Skop

Das Schuhhaus Dietle in Marbach am Neckar ist ein klassischer Vollsortimenter, dessen Inhaberin die junge Kundschaft in den Blick genommen hat. Dafür wird auch investiert, um die Attraktivität für dieses Klientel zu steigern.

Kostenlos telefonieren? Was die Telekommunikationsanbieter vollmundig versprechen und letztlich kaum halten, ist im Schuhhaus Dietle in Marbach am Neckar Wirklichkeit – zumindest zu bestimmten Zeiten. Eine 6000-KB-DSL-Internetverbindung ermöglicht die so genannte VoIP-Telefonie (Voice over IP). Stilvoll geschieht dies in einer alten gelben Telefonzelle, an deren Rückseite eine Umkleidekabine angeschlossen ist. Die Kosten für diesen kundenfreundlichen Service halten sich also in engen Grenzen, doch von den jungen Kunden wird dieser gerne angenommen. Der kleine Gag mit der Telefon-Happy-Hour ist natürlich nicht das einzige Mittel, mit dem Inhaberin Kerstin Dietle erfolgreich den Nachwuchs in ihr Geschäft lockt.

In erster Linie zählt für die jugendliche Zielgruppe das Sortiment. Hier setzt Dietle auf In-Marken wie Blend. Deren Ankündigung in der Lokalpresse zur Neueröffnung nach dem Umbau im März hatte ihr gleich einen regelrechten Run beschert. Blend arbeitete zu der Zeit mit der Tochter des Altrockers Rod Steward, Kimberley Steward, zusammen, die für Blend eine eigene Kollektion entwickelt hat, ansonsten aber eher als Kumpanin von Partylöwin Paris Hilton aufgefallen war. Auch sonst führt Dietle junge Schuhmarken in dem neu geschaffenen Fashion-Bereich wie Skechers, Dockers, Brütting, Esprit, Mustang, Boras oder Puma. Ein begrenztes Sortiment an trendiger Oberbekleidung der Marke Protest ergänzt das Schuhangebot – deshalb auch die Telefonzellen-Umkleidekabinen- Kombi.

Sie spricht sich, gerade im Jugendbereich, für den schnellen Wechsel aus. Jede Woche soll es Highlights geben, die danach einfach weg sind. Dietle weiß, dass die Jugend mit dem Flair des guten alten Vollsortimenters, der sie ganz bewusst ist, nicht zu locken ist. Sie hat den Jugendbereich daher auch optisch vom Rest des Geschäfts abgehoben.

Der Boden ist mit Kunststoffplatten in Tränenblechoptik ausgelegt, die Wände sind mit Wellblechpaneelen verkleidet.Warenträger aus rohen Spanplatten und eine „Rampe“, auf der Schuhmodelle besonders herausgestellt werden können, verstärken den Fabrik-Eindruck. Eigens zusammengeschweißte Kleiderständer, eine Verkehrsampel oder auch Kartonpräsentation verstärken den Eindruck einer ganz besonderen Nische, in der die jungen Leute zum Stöbern eingeladen sind.

Um die technischen Details kümmert sich IT-Spezialist und Lebensgefährte Ralf Rößler, der auch eine weitere Attraktion im Laden realisierte: ein riesiges, 4000 Liter fassendes Aquarium.

Die mittelamerikanischen Buntbarsche, die hier vor einer nachgebauten Unterwasserfelsenkulisse umherschwimmen, erfreuen nicht nur die jungen Kunden, sondern tragen auch zur Beruhigung der (Ehe-)Männer bei, deren Frauen sich dem Schuhkauf widmen. Service für den Kunden, die sich im Hause Dietle wohl fühlen sollen. Dazu gehört ganz selbstverständlich der Espresso im Kassenbereich, 13 eigene Parkplätze, aber auch die eigene Werkstatt, in der Reparaturen oder Änderungen durchgeführt werden.

Ein überaus erfolgreicher Service mit rund 1600 Nutzern ist die eigene Kundenkarte des Schuhhauses Dietle, die als Zahlungsmittel genutzt werden kann und mit der die Kunden fünf Prozent Rabatt auf den regulären Preis erhalten. Der Rabatt wird in Form von Gutscheinen an die Kunden ausgehändigt. Darüber hinaus lassen sich so auch Stammkunden zu den zahlreichen Sonderaktionen persönlich einladen. Diese kommen auch aus der weiteren Umgebung von Marbach. Um immer am Puls der Zeit zu sein, investiert sie in das Geschäft. Die Einrichtung der Young-Fashion-Abteilung in diesem Frühjahr erfolgte nur vier Jahre nach dem großen Umbau des ganzen Geschäfts vor vier Jahren.

Kerstin Dietle führt das Schuhgeschäft nun in der vierten Generation. Sie hat es vor acht Jahren von ihren Eltern übernommen. 1890 hatte Urgroßvater August Dietle das Schuhwarenhaus für Maßschuhe, Schuhreparatur und Fabrikschuhe in Löwenstein gegründet. Dessen Enkel Alfred wechselte 1962 in die Schillerstadt Marbach, zunächst in die Marktstraße, die aber 20 Jahre später aufgegeben wurde. 1972 war das Hauptgeschäft am jetzigen Standort Güntterstraße hinzugekommen. Kerstin Dietle ist aus voller Überzeugung Vollsortimenterin. Damen-, Herren-, Kinder- und Sportschuhe finden sich auf rund 400 Quadratmetern Verkaufsfläche, die auf zwei Etagen verteilt sind. Im Angebot hat sie darüber hinaus auch Accessoires wie Taschen, Kleinlederwaren, Mützen, Stirnbänder oder auch einmal Handschuhe. Selbst Herrentaschen bringt sie an den Mann. 16/06 Peter Skop

Verwandte Themen
Puma Shopfläche Showroom Frauen Breuninger Stuttgart
Puma eröffnet Shopfläche und Showroom für Frauen weiter
Taschen, Kinder, Sneaker-Label weiter
Klassisch und vegan: der Chelsea Boot aus dem neuen Herrenprogramm von Matt & Nat. Bild: Matt & Nat
Matt & Nat auch für Herren weiter
Sport 2000 International Falaknaz Sports Group Golfstaaten Wachstum
Sport 2000 International jetzt auch außerhalb Europas vertreten weiter
Görtz neue Filiale Düsseldorf Shop-Konzept
Görtz eröffnet Filiale in Düsseldorf weiter
Foto: Innatex
Innatex mit guter Resonanz weiter