Schuhmarkt

Frischer Wind in den Segeln

Vulka, soweit das Auge reicht – so stellte sich die Young Fashion sichtbar dar. Zu den Big Playern in dieser Sparte zählt die Hamburger Thomsen Vertriebs GmbH, besser bekannt für ihr Label Venice. Clevere Partnerschaften und neue Modelle halten die Marke auf Erfolgskurs. 13/08 Swantje Francke

Vulka, soweit das Auge reicht – so stellte sich die Young Fashion sichtbar dar. Zu den Big Playern in dieser Sparte zählt die Hamburger Thomsen Vertriebs GmbH, besser bekannt für ihr Label Venice. Clevere Partnerschaften und neue Modelle halten die Marke auf Erfolgskurs.

Hamburg, Spitaler Straße: Im Schaufenster des Mutterhauses von Görtz muss nicht lange gesucht werden, bevor der erste Venice-Schuh ins Auge fällt. Ein großes Banner der Marke führt zu den neuesten Modellen aus dem Hause Thomsen, das ebenso wie Görtz in Hamburg beheimatet ist. Seit 20 Jahren nimmt es Uwe Thomsen, Geschäftsführer und Inhaber der Thomsen Vertriebs GmbH, mit seiner Marke Venice mit den großen Namen der Young Fashion auf. Über diese Zeit haben es seine Schuhe auch in die Regale der Großfilialisten wie Deichmann, Siemes, Reno oder des Otto-Versands geschafft.

Hanseaten unter sich

Die Verbindung der beiden Hamburger Venice und Görtz jedoch geht über das übliche Hersteller-Händler-Verhältnis hinaus: Fünf Wochen im Jahr stellt das junge Konzept von Görtz, Görtz 17, die Marke Venice im Schaufenster gesondert dar und produziert für sie die Schaufensterbanner. Für Venice ein tolles Tool, um den Bekanntheitsgrad von 16 Prozent (Spiegel-Outfit Studie 2006) bei der Zielgruppe zwischen 16 und 35 zu steigern: zwei Drittel aller Görtz-17- und Görtz-Läden deutschlandweit, insgesamt also rund 170 Filialen in 1a-Lagen, beteiligen sich an dem Fensterkonzept. Zusätzlich gibt Görtz regelmäßiges Feedback über die Entwicklung der Abverkäufe an die Thomsens weiter, auf Anfrage sogar täglich.

Lässt der Name Thomsen Vertriebs GmbH vorrangig auf einen Importeur schließen, versteht sich das Unternehmen dagegen zu 90 Prozent als Produzent. Und dies ist wiederum für Görtz als Lizenznehmer des Fußballclubs HSV für Schuhe interessant. Die Fan-Modelle lässt der Filialist von Thomsen produzieren. Und das ist noch nicht alles: Neben der Eigenmarke Venice machen Private-Labels bei Thomsen immerhin 40 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Für Görtz und Deichmann entwickelt und produziert das Schuhunternehmen Teile der Görtz- Shoes- und Graceland-Kollektionen. Insgesamt kommt Thomsen in dieser Sparte auf eine jährliche Produktion von 1,2 Millionen Schuhen. Produziert wird in China und Vietnam. Ein Hauptpartner in Asien betreibt eine Dependance in Vietnam, wo die Muster bis hin zu den produktionsfähigen Größengängen hergestellt werden. Von dort aus findet die Verteilung der verschiedenen Modelle auf die jeweilig spezialisierte Fabrik statt: Vulka geht in Vietnam in die Fertigung, sportliche Ballerinas, Skater- und Basketballmodelle in China.

Seine Leder bezieht Thomsen von einem koreanischen Lederlieferanten mit einem Gerberei-Ableger in Vietnam. Dabei heraus kommen jährlich zwei Hauptkollektionen sowie zwei Zwischenkollektionen. Dem Image von Venice als Billig-China-Marke widerspricht Thomsen ganz entschieden. „Mit 29,99 Euro können wir nicht existieren. Zu Hause sind wir bei 49, gerne auch bei 59 Euro.“ Uneitel auch die eigene Markenpositionierung. „Wir sind eine sehr gute B-Marke“, erklärt Uwe Thomsen. „Und die Vorteile einer B-Marke liegen in der besseren Gewinnspanne und den größeren Stückzahlen.“ Vor allem der Schuhfachhandel in den Benelux-Ländern schätzt das Angebot . Dahinter folgen die Märkte Schweiz, Österreich, Spanien und die Türkei.

Retro-Tennis kommt ins Spiel

Womit Venice in den vergangen Jahren im Markt punktete, waren die Vulka-Modelle. Diesen Trend wolle man auf jeden Fall noch mindestens bis zum nächsten Sommer mitnehmen. Zwar hält Venice an seiner bewährten, sportiv jungen Ausrichtung fest, zeigt nun aber mehr typische Herren- und Damenmodelle. Die Gewichtung innerhalb der Kollektion liegt bei 70 Prozent Damen zu 30 Prozent Herren. Neben den bewährten Vulka-Sneakern schicken die Poppenbütteler für Frühjahr/Sommer 2009 Retro- Modelle aus Tennis, Basketball, Running und Aerobic ins Rennen. Mid-Cuts, die, wie Thomsen witzelt, früher als „Schlager fürs Lager“ galten, sind wieder klar im Kommen.

Für eine modischere und elegantere Aussage der Sneaker verschlanken sich die Leisten und stehen auf dünneren Böden als bisher. Dies gilt auch für Vulka-Sohlen. Farblich setzt das dreiköpfige Designteam des Hauses auf cleanes Weiß für das Thema Retro-Tennis oder Papageienbunt für Basketball, Running und Aerobic. „Papageienbunt ist jetzt etwas für Sommer und Winter. Händler, die das verinnerlichen, haben Erfolg“, versichert Jan Thomsen, der zusammen mit seinem Vater die Geschäfte führt. „Leider“, so fügt er hinzu, „trauen sich die deutschen Händler nicht an den Neonschuh ran. Aber unser holländischer Vertreter lotet solche Trends für uns aus. Er entdeckt in Holland Mangel an bestimmten Looks und regt Modelle und Optiken an.“

Textilien am Rand

Ein weiteres Trend-Thema sind Retro-Modelle aus dem Running, wobei hier wieder Colour-Blocking groß geschrieben ist. Als Wohlfühlschuh lassen die Thomsens den Jazz-Schuh in ganz weicher Optik auferstehen. Sportliche Ballerinas in Satin mit dünnen Gummiböden runden die Kollektion sehr feminin ab. Optische Highlights setzen perforierte Leder, Prints auf Innensohlen und Materialkombis aus Mesh oder Nylon mit Leder. Zu den Farben des Venice-Sommers zählen Gelb, Mint, Rosa, tomatiges Rot, Grün, Orange, und auch Violett bleibt uns noch ein wenig erhalten. Händlern, die sich bei bestimmten Styles noch etwas unsicher sind oder das Thema Young Fashion mit Vorsicht angehen wollen, bietet Venice auch Testsortimente mit 12 Paar pro Karton an.

Textilien bilden eher das Randgeschäft. Die Sport- und Fitnessmode mit Sweatern, Polos und Sporthosen wird über Intersport, den Otto-Versand und vereinzelt im Schuhfachhandel vertrieben. Produziert wird in der Türkei oder in Lizenz mit Otto. In der Zukunft sieht Thomsen keinen Bedarf am Ausbau dieser Linie: „Wir sehen lieber zu, dass wir uns bei Schuhen ordentlich aufstellen, bevor wir mit Neuem anfangen.“ Welche neue große Bündelung von Kompetenzen dabei herauskommt, darf mit Spannung abgewartet werden. 13/08 Swantje Francke

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