Schuhmarkt

Teufel und Dämonen

In Young Fashion lebt die mythische Unterwelt fort. Mag der mehr urbane junge Erwachsene die neue Einfachheit für sich entdecken, das Herz schlägt immer noch für Tattoos, Teufel und Dämonen. Hauptsache Glitzer. Karin Grabner/Dagmar Rees 06/04

In Young Fashion lebt die mythische Unterwelt fort. Mag der mehr urbane junge Erwachsene die neue Einfachheit für sich entdecken, das Herz schlägt immer noch für Tattoos, Teufel und Dämonen. Hauptsache Glitzer. Die ModeDer Young Fashion ist hin und her gerissen zwischen der Lust an verrückter, farbiger Extravaganz und der neuen urbanen Strenge. In Berlin und Barcelona war beides zu sehen.Neue Sachlichkeit hin oder her, im jungen Bereich bleibt es farbig und dekorativ. Grün, von Birke über Oliv bis Türkis, spielt in der Mode ein große Rolle. Pink ist aus den bei der Bread&butter Berlin gezeigten Kollektionen weitgehend verschwunden, abgelöst durch dunkle Violett- Töne oder in der pastelligen Ausführung durch Haut- und Beige-Töne. Als Grundfarbe zieht sich Braun durch alle Kollektionen, ergänzt durch Schwarz und die neuen Schlamm- Töne. Die Farbpalette erinnert an naive Malerei, Hinterglasbilder und Bauernkunst. Starkes Motivthema ist der Totenkopf. Ob aus der Bikerszene abgeleitet oder als Piratenthema, der bleiche Schädel mit den gekreuzten Knochen grinst von T-Shirts, Jacken, Schals und Taschen. Eingestrickt, geprägt oder Strass glitzernd gibt es auch Abwandlungen des Themas wie Tatoo-Designs oder religiöse Insignien wie das griechisch-orthodoxe Kreuz.Asiatische Motive sowie Elemente aus der russischen Folklore geben der jungen Mode Farbe und Dekoration. Opulent wird auch der Military- Stil umgesetzt, mit Litzen, Goldknöpfen, doppelreihigen kurzen Jacken. Vorbild ist der Offizier des Zaren. Die Silhouette zeigt betonte Schultern und schmale Taillen. Eine wichtiges Thema bei Jacken ist Fell. Große Fellkragen sowie Doubleface mit Langhaar- Fellen und mit Motiven bedruckten Lederflächen setzen den Trend. Oft zu sehen sind auch Strick- und Häkeljacken im Spencer-Stil, quasi eine etwas längere Version des Boleros.Als neues Thema baut sich Belle Epoque auf, die Jahrhundertwende, der Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert. Opulenter Samt, florale Drucke und Brokatstoffe mit Glanzfäden kennzeichnen diesen Stil. Kleider und Röcke sind knielang, leicht ausgestellt bis schwingend. Bermudas und Piratenhosen enden im jungen Bereich überm Knie, auch Winter-Shorts werden angeboten. Jeans bleiben Hauptkleidungsstück im jungen Bereich, gerade bis leicht ausgestellt, extreme Röhren sind selten. Die ersten richtungweisenden Trends kristallisierten sich innerhalb kürzester Zeit auf der BBBarcelona heraus. Die junge Mode zeichnet sich durch Liebe zum Detail aus, was auf den ersten Blick in den Designs zu erkennen war. Egal ob bei Jeanswear, Streetwear, Casual oder Sportswear – die präsentierten Outfits waren leger, lässig, unkompliziert und gepflegter. Die kaputten Oberflächen und Zurichtungen der Textilien reduzieren sich. Material- und Farbkombinationen, vor allem Musterungen und neuartige Drucke, gewinnen an Bedeutung in den Herbst-Winter-06/07-Kollektionen der Textilindustrie. Sportives nimmt feinere Elemente, wie Rüschen und Spitzenbesätze als Designelemente auf. Bewährtes erhält durch die Material- und teils monochrome Farbvielfalt neuen Charakter. Gedämpfte Farben, meist mit grauem Unterton, und kuschelig weiche Materialien finden sich von Jeanswear über Sportswear bis hin zu hochwertigen Streetwearkollektionen. Selbst wenn die aktuellen Trendlooks immer wieder mit der ewigen Inspirationsquelle Retro assoziiert werden, ist Vorsicht geboten. Ein vermeintlicher 1:1 Look ist und bleibt ewig gestrig. Gerade im Young Style Bereich ist der Mix aus verschiedenen Stilen gefragt. Die zahlreichen Schuhanbieter auf der BBBarcelona sowie in Berlin stellen die Trendumkehr am besten dar. Abgenutzte Effekte – ja, uralt Look – nein. Der optische Wert der Produkte rückt immer mehr in den Vordergrund.Karin Grabner (Barcelona)/Dagmar Rees (Berlin) Die SneakerLässige Outdoorsneaker sind die Highlights der Kollektionen. Metallicleder geben Sneakern eine sportive Eleganz – ganz nach dem Motto „die Natur liebt jetzt ganz viel Glamour“. Multifunktion war in allen Bereichen gefragt. Tex-Materialien halten mittlerweile vermehrt im Fashionbereich Einzug. Ganzjahresschuhe, die allen Wetterbedingungen standhalten, sind ebenso gefragt, wie Schuhwerk für strenge Winter. Puma zeigt eine ganz neue Optik für einen Schlupfschuh. Neue Strukturalität zeigt dieser Schuh von Merell Die Stiefel Die Geschlechter sind bei Stiefeln gleichberechtigt. Beide tragen sie. Waren die bei der Bread&butter in Berlin und Barcelona angebotenen Stiefel für Damen tendenziell langschäftig, so endeten die Schäfte bei Herrenstiefeln zwischen Knöchel und Wade. Alle Modelle zeigen weitere Schäfte, da die Hosen in die Schäfte eingesteckt werden sollten. Ein Look, der allerorts bereits an den modischen Beinen der B&b-Besucher zu sehen war. Bei Stiefeln kristallisieren sich verschiedene Richtungen heraus. Aggressive Western- und Bikeroptiken bleiben im kommenden Winter ein starkes Thema. Sie werden speziell im jungen Bereich in leuchtenden Farbvariationen angeboten und natürlich auch in Braun und Schlamm, dann möglichst in Used Optiken. Fell, ob echt oder imitiert, ist weit verbreitet. Die Silhouetten vertragen voluminösere Stiefel und kürzere Schäfte. Doch auch schlankere Overknees zu schenkelkurzen Hosen kommen an den Markt. Widersprüchlich und spannungsreich präsentieren sich Materialkombinationen aus Leder und gefetteten Canvas, die teils bedruckt oder bestickt sind. Wappen, Abzeichen und applizierte Taschen auf Stiefelschäften erinnen sofort an Military. Nieten in neuer Darstellungsweise sind genauso wichtig wie bunte Schnürungen, mal mit und dann wieder ohne ersichtliche Funktion. Innenfütterungen waren so gearbeitet, dass sie auch reversibel eingesetzt werden konnten. Die neuen Stiefelformen, die sich für Herbst/Winter andeuten, fallen durch ihre flache Absatzsprenung auf. Der Innenabsatz kommt wieder. Das Leder ist bis zur Sohle nach unten gezogen. 04/06

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