Schuhmarkt

Cool auch ohne Board

Skateboarden als Subkultur – die Zeiten sind vorbei! Stattdessen hat sich der Look der „coolen Jungs“ längst zu einer eigenen Moderichtung innerhalb der Young Fashion gemausert, an der auch Nicht-Skater Gefallen finden. 16/07 Swantje Francke

Skateboarden als Subkultur – die Zeiten sind vorbei! Stattdessen hat sich der Look der „coolen Jungs“ längst zu einer eigenen Moderichtung innerhalb der Young Fashion gemausert, an der auch Nicht-Skater Gefallen finden.

Comfortfit-Jeans, lässige T-Shirts und coole Sneaker machen ihre Träger noch lange nicht zu akrobatischen Helden der urbanen Straßenkultur. Doch allein der Look hat etwas Frisches, Provokantes und herrlich Unerwachsenes. Skateboard- beziehungsweise Boardsport-inspirierte Mode hat die Rampe zum Mainstream gemeistert und erfreut sich unter den jungen Kosumenten enormer Popularität. Wie angesagt Boardsport im Allgemeinen bei der Jugend ist, belegt die 11. Erhebungswelle von Timescout, einer halbjährlich durch das Hamburger Marktforschungsinstitut tfactory deutschlandweit durchgeführten Trendstudie mit 1200 Befragten.

Im Dezember gaben demnach 26,8 Prozent der zwischen 11- und 39-Jährigen an, Inlineskaten aktiv zu betreiben, Snowboarden immerhin 24,8 Prozent. Geht es allerdings um den reinen Coolness-Faktor und somit um den allgemeinen Geschmack der Konsumenten, steht beim Ranking der angesagten Sportarten Snowboarden mit 71,6 Prozent an vorderster Stelle, Skateboarden mit 52 Prozent an dritter Position, und für ein Drittel, nämlich 33,2 Prozent der Befragten, liegt Inline-Skating an Platz neun absolut im Trend.

Dass sich auch die jungen Damen der Schöpfung modisch im Boardsport wiederfinden, belegt eine von Sima (Surf Industry Manufacturers Association) in den USA in Auftrag gegebene „Retail Distribution“-Studie von 2006. Obwohl Surfen, genau wie Skateboarden, ein von Männern dominierter Sport ist, haben Frauen über den Lifestyle-Aspekt angebissen. Dies bescherte der amerikanischen Industrie einen Verkaufsanstieg von 32 Prozent auf 327 Mio. $ innerhalb von zwei Jahren. Noch wirkt sich dieser Boardsport-Boom nicht in gleicher Dimension auf den deutschen Fachhandel aus, aber die Tendenz geht deutlich in Richtung Outfit anstatt zur Hartware, sprich technisches Zubehör.

So kletterte der Umsatz mit Sandalen im Surfbereich seit 2004 um 50 Mio. auf 300 Mio. $. Ulrich Sottke, Geschäftsführer von Topsport in Frankfurt/M, bestätigt den Trend zur Board-Mode: „Ich bestreite rund 99% des Umsatzes mit Klamotten und nur 1% mit Hardware. Die einzige wirtschaftliche Surf-Komponente sind die Klamotten. Die Labels haben ihre Kollektionen alltagstauglicher gemacht und wecken mit dem Beach-Image Begehrlichkeiten, auf die auch Nicht-Surfer anspringen. Nur 10 % unseres Kundenstamms sind echte Boarder, die restlichen 90 % kaufen die Surf- und Skatelabels nur wegen der Optik.“ Dass in diesem Markt viel zu holen ist, hat auch Timberland für sich erkannt und launcht mit „b-life“ eine Streetwearlinie, die stark von großstädtischen Funsport-Bereichen wie Skateboarding, Breakdance und BMX geprägt ist. Gleich mit 26 Modellen ohne Farben gehen die eigentlichen Outdoorer zur Saison Frühjahr/ Sommer erstmals an den Start.

Im Sneaker steckt Potenzial

Doch auch allein die Markennamen aus dem Skate-Bereich üben einige Anziehungskraft auf die Konsumenten aus. Nach angesagten Schuhmarken befragt zählten die Teilnehmer der Timescout-Studie in den Top Ten die Szene-typischen Sneaker-Marken Converse (39,4 %), Vans (31,5 %) und Etnies (10,3 %) auf. Im städtischen Straßenbild bestätigt sich diese Angabe: am häufigsten in freier Wildbahn anzutreffen sind momentan Converse Chucks und Slip-Ons von Vans. Das spürt auch der klassische Schuhfachhandel: Bei Görtz 17 heißt es, diese zwei Topseller würden nicht mehr als Skate- sondern als reine Fashionmarke mit ins Sortiment aufgenommen.

Und wie steht es um die Marken in der Konsumpraxis? „Jungs beweisen mehr Markentreue. Mädels wollen nur den Look und stellen Qualität und Markenimage beim Shoppen hinten an“,weiß Markus Krajewski,Verkaufsleiter von Draven in Europa, zu berichten. Daher bieten inzwischen die meisten Skate-,Young-Fashion- und Billiglabels vulkanisierte Ballerinas und Baskettypen in den unterschiedlichsten Mustern und Farbkonstellationen an und buhlen mit ihrer optischen Vielfalt gezielt um die Gunst der jungen Käuferinnen. Anders sieht es im Handel aus. Leider erwecken reine Skate-Shops oft den Eindruck, nur die Kernzielgruppe der aktiven Skater bedienen zu wollen.

Szene-Neulinge und solche, die eher am Rande Fans der Skatekultur sind, werden eher mit Desinteresse im Laden wahrgenommen. Dabei vergessen die Ladeninhaber, dass die jüngeren Semester, also die Hauptzielgruppe, noch mit ihren Eltern auf Shoppingtour gehen. Ein aufmerksamer Service und ansprechende Warenpräsentation werden Mami oder Papi über einen ungeliebten Kleiderwunsch ihrer Sprösslinge hinwegsehen lassen. Der Blick auf deutsche Schulhöfe beweist: Aus dem Segment Skate-Sneaker ist noch lange nicht die Luft raus.Tatsächlich birgt es noch viel Potenzial, dessen sich der junge Schuhfachhandel zwar nicht hauptsächlich, aber doch noch eine ganze Weile bedienen kann.

16/07 Swantje Francke

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