Schuhmarkt

Langsamer Schritt halten

Der Hype um Nordic Walking ist vorbei, der Markt hat sich konsolidiert. Allgemein gehen die Trainerausbildungen zurück. Dennoch liegen die Schätzungen zu den aktiven Nordic Walkern so hoch wie nie. 13/07 Anja Weiffen

Der Hype um Nordic Walking ist vorbei, der Markt hat sich konsolidiert. Allgemein gehen die Trainerausbildungen zurück. Dennoch liegen die Schätzungen zu den aktiven Nordic Walkern so hoch wie nie.

 

Es gibt kaum eine Sportart, die sich so rasend schnell weiterentwickelt hat wie Nordic Walking. Und es gibt kaum einen Sport, der Jung und Alt gleichermaßen erfasst. Nun ist der große Hype auf alles, was mit NW zu tun hat, zwar etwas vorbei, doch viele Schuhhändler merken, dass hier dennoch weiteres Potenzial steckt. Doch von alleine läuft das Geschäft nicht. „Der Markt mit Nordic-Walking-Trainer-Ausbildungen ist gesättigt“, sagt Wencke Hölig, zuständig für den Bereich Ausbildung beim Deutschen Skiverband (DSV). Der Trend sei rückläufig, wie auch schon im vergangenen Jahr. Ebenfalls einen Rückgang der Ausbildungszahlen von 17 % meldet die Nordic Walking Union (NWU) für 2006. Dafür sei jedoch die Fortbildungsquote um über 100% gestiegen. Während Kurse zurückgehen, sind Walking-Treffs sehr stabil – selbst im Winter.

Trotz Ausbildungsrückgang kursieren jedoch gestiegene Aktiven-Zahlen von vier bis fünf Millionen Nordic Walkern in Deutschland. Gesichert sind bisher nur die Endverbraucher-Zahlen der GfK von November 2005 mit 3,5 Mio. Aktiven sowie einem Anteil von 15,2% aller Bundesbürger, die an dem Sport interessiert sind. Steigende Zahlen für 2006 gibt es vom Stützpunkt-Konzept der Nordic Walking Union zu berichten: 121 Stützpunkte wurden im vergangenen Jahr geschaffen.

Die NWU setzt für das laufende Jahr vor allem auf neue Konzepte und Events, um das Thema Nordic Walking am Kochen zu halten. Nordic- Walking als Wettkampf-Variante oder Nordic Trekking sollen für neuen Schwung sorgen. Darüber hinaus hat die NWU die bundesweite Eventreihe „Bewegter Tag“ gestartet, um die neuesten Konzepte live erlebbar zu machen.

Mehr Engagement gefragt

Diese Anstregungen sollen der allgemeinen Befürchtung Rechnung tragen, dass Nordic Walking im Sande verläuft, wenn nicht durch neue Ideen, Konzepte und Veranstaltungen Kontinuität geschaffen wird. Die aktuellste GfK-Befragung richtete sich im März 2006 an den Handel. Der sieht zwar Potenzial, ist aber für die Zukunft skeptisch. So wollten 58 % der Befragten den Bereich Nordic Walking in ihrem Sortiment künftig nicht weiter ausbauen, 37 % sprachen sich dafür aus, 5% war sich unschlüssig.

Markante Händleraussagen waren: „Wir sehen Nordic Walking immer noch als Wachstumsmarkt, der aber intensiver betreut werden muss. Momentan wird die Zielgruppe der ,Antisportler und Wiedereinsteiger bevorzugt. Das muss sich in Zukunft etwas ändern“, oder „Viele werden Nordic Walking nicht weitermachen, weil die Motivation fehlt. Es sei denn, man lockt mit bestimmten Veranstaltungen.“ An diesen Zitaten wird deutlich, dass der Glaube an die Sportart da ist, wenn frische Konzepte gefahren oder neue Zielgruppen angesprochen werden. Insbesondere beschwerten sich die Händler bei der GfKUmfrage über den schlampigen Umgang der Sportler mit der NW-Technik. 78 % stimmten der Aussage zu, dass Nordic Walking viel zu oft definitiv falsch ausgeübt wird. Über die Hälfte (58 %) stimmte dem Satz zu, dass das Betreiben mehrerer Stocksportarten eine gute Idee ist. 15 %, meinten, dass es zu wenig Argumente für spezielle NW-Produkte gäbe.

Bärendienst erwiesen

Laut DAK-Studie bringen sich 35% Nordic Walking selbst bei. Experten weisen jedoch darauf hin, dass es gerade bei NW auf die richtige Technik ankommt. Fehlt diese, und damit die effiziente Wirkung auf den Körper, bleibt auch die Motivation für ein dauerhaftes Betreiben der Sportart aus. Somit hat die starke „Aldi-Vermarktung“, die geradezu zum „Learning by doing“ anreizt, nicht nur dem Fachhandel geschadet, sondern der gesamten Sportart einen Bärendienst erwiesen. Deshalb sollten Fachhändler mit Kursen,Veranstaltungen und Service am Ball bleiben, damit NW wieder mehr Wert bekommt und das Potenzial nicht vorbeiläuft. 13/07 Anja Weiffen

Nordic-Walking-Schuhe machen Spaß

Der Walkingschuh-Markt ist im ersten Quartal 2007 laut Sports Tracking Europe (STE) um rund 21% gewachsen. Wie es aussieht, kommt dabei das gesamte Wachstum aus dem Mehrverkauf von Schuhen der Kategorie Trail-/Nordic-Walking, wie Asics-Kategorie- Manager Ralf Schön erklärt. Der Anteil dieser Kategorie am gesamten Walkingschuh-Markt habe sich von 50:50 im vergangenen Jahr auf nunmehr 60:40 zu Gunsten von Nordic Walking/Trail-Walking im Verhältnis zum normalen Walking verschoben. In den beiden erfolgreichen Teilsegmenten dürfte das Plus daher um die 50% liegen. Die deutlichen Zuwächse im gesamten Walking- Markt relativieren sich allerdings, wenn man berücksichtigt, dass im Vorjahr bis in den Mai hinein Schnee gelegen hatte. Wertmäßig ist das Plus dann auch deutlich niedriger. Denn ähnlich wie bei den Stöcken wurden große Mengen über deutliche Preisreduzierungen abgesetzt.

Der Durchschnittspreis lag 2006 bei nur noch 64 Euro. Für den Sport- und Schuhfachhandel ist es laut Schön sehr wichtig, wieder höherpreisig zu verkaufen. Dabei will man die Partner mit Aktionen, PoSMaterial und klar differenzierten Produkten unterstützen. Für Frühjahr/Sommer 2008 kündigt Schön bereits den Ausbau der Trailwalking-Kollektion mit speziellen Sommerprodukten an. Darüber hinaus will Asics auch den Comfort-Walking-Bereich nicht vernachlässigen. Es gehe darum, die unterschiedlichen Walking-Zielgruppen, vom Wanderer und Spaziergänger über den Nordic-Walker bis zum Hiker und Trekker, abzuholen und zielgruppengerecht anzusprechen. 13/07 Rainer Bommas

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