Schuhmarkt

Trendy Walkers

Der Nordic-Walking-Schuh läuft innerhalb des Sportschuhsegments auf der Überholspur. Optimisten glauben sogar, dass er dem Runningschuh bald den Rang ablaufen wird. Dazu hat SchuhMarkt einige Sportschuster mit provokanten Thesen konfontiert. 15/06 Katrin Siebel/Rainer Bommas

Der Nordic-Walking-Schuh läuft innerhalb des Sportschuhsegments auf der Überholspur. Optimisten glauben sogar, dass er dem Runningschuh bald den Rang ablaufen wird. Dazu hat SchuhMarkt einige Sportschuster mit provokanten Thesen konfontiert.

Sportschuhe prägen weiterhin das Straßenbild, gehören auf einigen Gebieten mit Sicherheit zu den Trendsettern, weshalb sich immer ein Blick in den Sportmarkt lohnt. Den größten Anteil am Sportschuhmarkt hatten zuletzt die Sneakers und Lifestyle-Schuhe. Auf sehr hohem Niveau halten sich nun schon seit einigen Saisons die Runningschuhe. Am schnellsten wachsen derzeit die Absätze der Walkingschuhe, die am Sportfachhandel schon über sechs Prozet Marktanteil haben – gar nicht weit weg von den Fußballschuhen. Nordic Walking ist weiterhin ein ganz wichtiges Thema im Sport.

Zwar beklagt sich der Sportfachhandel inzwischen über rückläufige Abverkäufe bei Nordic-Walking-Stöcken, doch das ist angesichts von Ware in allen Kanälen auch kein Wunder, zumal es in letzter Zeit auch an wirklichen Innovationen mangelte. Doch in Sachen Nordic-Walking-Schuhe sind die Steigerungsraten noch immer deutlich im zweistelligen Bereich. Wie es aussieht, können dabei die klassischen Sportschuh- Hersteller, die aus der Running-Ecke kommen, kräftiger punkten als die Anbieter aus der Outdoor-Ecke, wobei es auch dort weiterhin Zuwächse gibt.

Was deutlich wird, ist die Tatsache, dass der Kunde ein umfassendes Angebot an Nordic-Walking- und Walking-Schuhen sucht. Das bedeutet, wer hier Geld verdienen will, muss ein differenziertes und möglichst eigenständiges Sortiment führen. Es hilft nichts, einige Walking-Schuhe verloren in einer Ecke zu präsentieren oder zwischen anderen Sortimenten zu verstecken. Die verschiedenen Zielgruppen vom Gelegenheits-Walker über den naturverbundenen Genuss-Walker bis zum leistungsorientierten Performance-Walker suchen nach jeweils adäquaten Schuhen. Sinnvoll ist es, auch entsprechende Angebote zum Ausüben der Sportart zu machen. Das muss nicht der eigene Kurs sein, aber Hinweise auf Nordic-Walking-Kurse, Schulen oder Walking-Treffs sollten es schon sein.

Und eines ist ganz wichtig: Machen Sie selbst einmal einen Nordic-Walking-Kurs. Damit überzeugen und beraten Sie Ihre Kunden am besten. Aber lesen Sie jetzt, was die Sportschuster zu unseren Thesen sagen:

Der Nordic-Walking-Schuhmarkt wird größer als der Running-Schuhmarkt!

„Niemals“, lautet die übereinstimmende Antwort der befragten Sportschuhhersteller. „Auch wenn sich Nordic Walking in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat – 6,5 Mio. aktive Walker, 2 Mio. aktive Nordic Walker – wird es schwierig sein, die 17 Mio. Läufer zahlenmäßig einzuholen“, sagt Marcel Schmidt, Marketing-Verantwortlicher bei Ecco. Auch die Vertreter von Adidas, New Balance, Salomon, Reebok und Merrell sehen keine ernsthafte Gefahr für den stabilen Running-Markt, der immer noch der größte Sportschuhmarkt der Welt ist.

 

„Die demographische Entwicklung in Deutschland wird eine Verschiebung vom Performance Running zum Nordic Walking eher noch begünstigen, so dass sich der Walkingmarkt auf Dauer bei ungefähr der Hälfte des Performance- Running-Marktes einpendeln wird“, bringt es Reebok-Produktmanager Michael Horsch auf den Punkt.

„Die große Chance ist die hohe Anzahl der an dieser Sportart Interessierten, die deutlich gestiegene Bekanntheit und die sehr positive Einstellung zu dieser neuen Form des Walkings. Auch das steigende Interesse an Outdoor-Aktivitäten generell und die Sensibilisierung für funktionales Schuhwerk sind eine perfekte Basis für einen noch deutlicheren Zuwachs“, sagt Ralf Schön, Category Manager bei Asics Schuhe. Darüber hinaus erhöhen die gesundheitlichen Aspekte des Walkings und das Interesse am Outdoor- Sport die Zahl der Aktiven.

Auf die Seite Running schlägt sich Thomas Singer, Merrells Key Account Manager Süd. Seiner Meinung nach bildet der Nordic- Walking-Markt eine Sparte. „Die Grenzen zwischen bestimmten Running-Segmenten sind dazu ohnehin nicht klar genug definiert, wo hört der Nordic-Walking-Schuh auf, wo beginnt der Trailrunner?“, gibt Singer zu bedenken.

Der Schuhmarkt im Bereich Nordic Walking polarisiert sich in einen Running- und einen Outdoor-Bereich!

Da sich die verschiedensten Marken auf dem NW-Schuhmarkt tummeln, sei es nicht verwunderlich, dass die Historie der jeweiligen Marke am jeweiligen NW-Modell zu erkennen sei – sagen die Hersteller unisono.

„Im Wesentlichen kann man zwei Entwicklungen feststellen: Zum einen gibt es Nordic- Walking-Schuhe, die sich aus dem Outdoor-Bereich entwikkelt haben, zum anderen gibt es Modelle, die sich sehr stark an bestehenden Running-Schuhen orientieren“, sagt Thomas Kamm von Salomon Deutschland. „Gemessen an den Verkaufszahlen haben sich die Anbieter aus dem Sportschuhbereich klar durchgesetzt“, die Outdoor-Schuster holten sich verstärkt Anregungen aus dem Runningbereich, macht Reebok die Laufschuster als klare Sieger aus. Max Eggen von New Balance beobachtet, dass der sportliche Werdegang jeden Kunden – ob Läufer oder Outdoorer – beim Kauf eines Nordic-Walking-Schuhs beeinflusse.

Ralf Schön von Asics bestätigt diese Beobachtung: „Ein dynamischer, ausdauerorientierter Nordic Walker wird zum Beispiel eher von Komponenten aus der Running-Schuh- Technologie begeistert sein“. Der „Wanderfreund“ sucht bei diesem Sport eher die Begegnung mit Natur und Gleichgesinnten als seine Leistungsgrenze und greift eher zum Outdoor-Segment, meint Singer. Durch diese Vielfalt habe der Händler die Möglichkeit, seine Kunden ihren Bedürfnissen entsprechend zu beraten. Er sollte sie in jedem Falll davon abhalten, mit Running-Schuhen zu walken. „Der entscheidende Faktor ist, dass die speziellen NW-Features berücksichtigt werden, die sich sowohl von ,reinen’ Running- als auch von ,reinen’ Outdoorschuhen unterscheiden“, so Kamm.

Der Nordic-Walking- Schuh wird nie ein „junger“ Schuh werden!

„Die Nordic-Walking-Aktiven und -Interessierten sind zu 20 Prozent bis 29 Jahre alt und zu 70 Prozent junge Frauen. Alleine diese Tatsache widerlegt diese These“, sagt Schön von Asics und betont, dass die NWModelle hinsichtlich Silhouetten und Farbvarianten innovativ und modern werden. Zur wirklich modischen Streetwear seien die Styles aber insgesamt zu funktional orientiert, so der Asics-Manager in Übereinstimmung mit der Reebok-Einschätzung. Singer von Merrell findet gedecktere NW-Modelle gar nicht negativ: „Da die Mehrheit der NW-Enthusiasten einer Zielgruppe angehört, die sich durch Alter, gesundheitliche Aspekte und Naturverbundenheit definiert, soll das NW-Schuhwerk nicht durch schillernde Farbspiele und aufwändigste Designs bestechen.“ 15/06 Katrin Siebel/Rainer Bommas

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