Schuhmarkt

Kleine und Mittelstand bleiben Mipel treu

Sie ist weiterhin die weltweit wichtigste Lederwarenmesse. Auch wenn immer mehr der Markenfirmen abwandern. 27.09.06 Thesy Kness-Bastaroli

Sie ist weiterhin die weltweit wichtigste Lederwarenmesse. Auch wenn immer mehr der Markenfirmen abwandern.

Sie ziehen es vor, ihre Kunden nicht mehr auf der Mipel sondern in ihren eigenen Showrooms zu treffen. Renommierte Namen wie Furla oder Coccinelle, letztlich auch Roberta di Camerino sind nicht mehr auf der Messe präsent. Manche Markenfirmen zweifeln derzeit, ob sie auch in Zukunft hier ihre Kollektionen zeigen sollen. Trotzdem behält die Mailänder Lederwarenschau infolge der Vielzahl der kleineren, modischen Unternehmen und mancher Markennamen (Braccialini, Angi Biass, Bric`s) ihren Ruf bei, der modische Trendsetter, der Konjunkturbarometer für die gesamte Branche zu sein.

Der Geschäftsverlauf auf der 90. Mipel vom 21. bis 24. September 2006 in Mailand , bestätigte was Mipel-Generaldirektor Mauro Muzzolon bereits bei der Pressekonferenz ankündigte: Italiens Lederwarenfirmen haben die Talsohle endgültig durchschritten. Die italienische Lederwarenbranche erwartet 2006 eine weitere Produktionszunahme zwischen real zwei bis vier Prozent. Im ersten Halbjahr nahm der Umsatz um 16 Prozent auf rund 1,3 Mrd. Euro zu. Die Exporte kletterten ebenfalls um 16 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Immer mehr französische Taschen- und Luxusfirmen lassen inzwischen in Italien produzieren. Dadurch wächst die Anzahl der Lohnveredelungsfirmen.

Wichtigster ausländischer Abnehmer ist vorerst die Schweiz; gefolgt von Japan und Frankreich. Deutschland rangiert nach den USA auf Platz Nummer 5. Im ersten Halbjahr 2006 konnten die Exporte nach Japan und USA um je über fünf Prozent zunehmen. Aussteller auf der Mipel bestätigten denn auch ein massives Interesse der Einkäufer aus Übersee. Einen wahren Exportboom verzeichnen Italiens Lederwarenhersteller derzeit auf dem russischen Markt, mit Exportzunahmen von über 50 Prozent und in Spanien mit 23 Prozent. Exportfavoriten bleiben nach wie vor Ledertaschen und Lederwaren im Segment „tragbarer Luxus“, d.h. im qualitativ höheren Preissegment.

Der neuralgische Punkt der italienischen Lederwarenbranche sind die Raubkopien. Der Markt von Lederwaren-Imitationen, Kopien von Markenwaren, wird auf 800 Mill. Euro geschätzt. Den realen Wert des Lederwarenmarktes gibt Mipel-Generalsekretär Mauro Muzzolon mit 3 Mrd. Euro an. Vor diesem Hintergrund plädiert der Fachverband für strengere Kontrollen. Nicht nur die Zollbehörden, auch die Handelskammern haben jüngst rigorose Initiativen ergriffen, um das Phänomen der Raubkopien zu bremsen. Allerdings ist den Tausenden von Straßenverkäufern, die an Italiens Küsten und in den Großstädten bestens imitierte Gucci- und Pradataschen anbieten nur schwer beizukommen. Die hohen Strafzahlungen, die sowohl für die Verkäufer wie auch für die Käufer gelten, werden in den seltensten Fällen angewandt.

Die Importe von Lederwaren kletterten im ersten Halbjahr um 27 Prozent auf knapp über 600 Mio. Euro, etwa die Hälfte des Exportwertes. Wichtigster ausländischer Lieferant ist China mit einem Anteil von 52 Prozent aller Exporte, gefolgt von Frankreich, der Schweiz und Belgien. Im laufenden Jahr wurde ein Importboom von Gürteln und Taschen für Musikinstrumente verzeichnet .Die Einfuhren konzentrieren sich großenteils auf Taschen und Accessoires aus imitierten Ledermaterialien, aus Kunststoff und Textilien. Im Gegensatz zur Micam sind auf der Mipel chinesische Aussteller zugelassen. 27.09.06 Thesy Kness-Bastaroli

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