Schuhmarkt

Italiens Schuhindustrie hofft auf Trendwende

Das Jahr 2006 bedeutet für Italiens Schuhindustrie einen Übergang. 27.09.06

Das Jahr 2006 bedeutet für Italiens Schuhindustrie einen Übergang.

Eine echte Trendwende, mit einer kräftigeren Produktions- und Exportbelebung wird laut den Schuhexperten des Schuhindustrieverbandes Anci aber erst 2007 erwartet. Dann soll die vierjährige Talfahrt überwunden werden. Der Schrumpfungsprozess in der Schuhbranche werde sich zwar fortsetzen, die Dynamik soll sich aber verlangsamen, hieß es auf der traditionellen Pressekonferenz zur Schuhmesse Micam.

Der Trend geht in Italien klar zur Herstellung von im mittleren und höheren Preissegment angesiedelten, hochwertigen Schuhen. Im niedrigeren Preissegment sind die Schuhe made in Italy nicht mehr konkurrenzfähig. So haben sich die Einfuhren im ersten Halbjahr 2006 um weitere 14 Prozent erhöht. Gleichzeitig nahmen die Ausfuhren wertmäßig nur um drei Prozent zu. Das mengenmäßige Ausfuhrminus nach Deutschland machte sogar elf Prozent aus.

Trotzdem behauptete Deutschland seine Position als wichtigster Exportmarkt für Italiens Schuhindustrie. Die durchschnittlichen Exportpreise nach Deutschland sind im ersten Halbjahr um elf Prozent gestiegen. Der Inlandskonsum stagnierte auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres. In den ersten sechs Monaten schlossen weitere 179 italienische Schuhunternehmen (–1,4%) ihre Pforten. Zur Jahresmitte beschäftigten die 12507 Branchenunternehmen 118584 Arbeitnehmer, zwei Prozent weniger als zu Jahresende 2005. Die 1651 Aussteller der Micam (davon 519 Ausländer) zeigten sich mit dem Geschäftsklima allgemein zufrieden. „So gut wie lange nicht“ hieß es bei Artioli und im überfüllten Stand von Trendsetter Baldinini wurde eine Hochkonjunktur der neuen Designschuhe bestätigt.

Der Präsident des Schuhherstellerverbandes ANCI, Rossano Soldini zeigte sich weniger zuversichtlich. Er wolle erst die Entscheidungen in Brüssel abwarten, bevor er von einer tatsächlichen Trendwende sprechen könne. Bis 6. Oktober muss sich die zuständige EU-Kommission entscheiden, ob sie die im Frühjahr beschlossenen Antidumping-Maßnahmen gegen die Einfuhren von Lederschuhen aus China und aus Vietnam fortsetzt. „Falls es zu keiner Verlängerung kommt, haben wir bereits den Einspruch beim Europäischen Gerichtshof vorbereitet“ zeigte sich Soldini gegenüber SchuhMarkt kämpferisch. Italien drängt ebenso wie andere Mittelmeerländer, Griechenland, Portugal, Spanien und Frankreich auf die Fortsetzung der Antidumpingmaßnahmen.

Angeblich sollte auch England die italienischen Forderungen unterstützen, habe sich inzwischen aber anders entschieden, hieß es auf der Micam. Grund für die abrupte Trendwende in London sei, dass die Regierung Prodi nicht den von der Vorgängerregierung Berlusconi geschlossenen „Kuhhandel“ einhalten wolle: Italien sollte England in Brüssel bei der von London geforderten Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit unterstützen, dafür hätten die Engländer ihre Stimme für eine Fortsetzung der Antidumpingmaßnahmen gegeben.

Auch was die Einführung der Ursprungsbezeichnung betrifft, will Soldini nicht locker lassen. Trotz des Widersandes der Lobbies von Händlern und Importeuren in zahlreichen EU-Ländern, besteht Italien auf die Etikettierungspflicht. „Wir wollen damit vor allem die Verbraucher schützen“ meinte Soldini. Diese haben schließlich das Recht zu wissen, woher die von ihnen gekaufte Ware stammt. Der Schuhfachverband Anci hat kürzlich eine neue Werbekampagne mit einem äußerst aggressiven Inhalt gestartet. Die Verbraucher seien keine dummen Hühner, heißt es in der neuen ANCI Werbung. Mit ihrer Kampagne „I love Italian Shoes“ hatte ANCI bereits in den letzten zwei Jahren großes Aufsehen erregt.

Marktentwicklung in der italienischen Schuhbranche im ersten Halbjahr 2006 (Veränderungen gegenüber dem Vorjahr in Prozent)

Produktion -2,3%

Inlandsverbrauch +0,1%

Exporte (Menge) -3,5%

Exporte (Wert) +2,8%

Importe (Menge) +17,4%

Importe (Wert) +13,6%

Anzahl der Unternehmen: -1,4%

Anzahl der Beschäftigten: -2,0%

Quelle: Anci auf Basis Daten ISTAT

27.09.06

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