Schuhmarkt

Giftiges Leder durch Gerbung

Beitrag in WDR-Wirtschaftsmagazin berichtet über Kinderschuhe mit krebserregenden Chemikalien. 26.04.07 Wolf Dismer

In einer Sonderausgabe des Wirtschaftsmagazins „markt XL“ des Westdeutschen Rundfunks (WDR) berichteten die Autoren Rebecca Gudisch und Jörg Heimbrecht am 23. April zum Thema Kinderschuhe über das Gift Chrom VI, auch Chromat genannt, im Leder.

Schon am 29. Mai vergangenen Jahres hatten Gudisch und Heimbrecht in diesem Magazin zum gleichen Thema den Beitrag „Sommerschuhe: Krankmacher am Fuß“ produziert. Für die aktuelle Recherche wurden zwanzig Paar Kinderschuhe mit einer Innenausstattung aus Leder von 16 Marken in Niederlassungen von acht verschiedenen Filialisten eingesammelt. Das Labor Porst & Partner in Fürth wurde beauftragt, das verarbeitete Material auf die Belastung mit dem Schadstoff Chrom (VI) oder Chromat zu untersuchen.

Auf den gesetzlichen Grenzwert von drei Milligramm Chrom VI pro Kilogramm Leder hin wurden bei den Testpaaren Decksohlen, Fersenteile und Innenfutter überprüft – die Teile, die direkt mit den Füßen Träger in Kontakt kommen. Fünf Paare überschritten mit Werten zwischen 8,2 bis 13 mg/kg die zulässigen Höchstwerte erheblich. Betroffen waren die Marken C&A, s.Oliver und Siemes.

Modelle von Reno waren zweimal vertreten und stellten den niedrigsten und den höchsten Schadstoffwert, letzteren zusammen mit Siemes. In allen Filialunternehmen, „…die wir erwischt haben“ (O-Ton markt), wurden nach Angaben des Magazins bundesweit die belasteten Modelle sofort aus dem Verkauf genommen und künftig sorgfältigere Kontrollen zugesagt. Der Film dokumentierte, wie Reno und Siemes die monierte Ware in Schreddern zerhacken ließ. Mit der anschließenden Verbrennung als Sondermüll sollte verhindert werden, daß diese Schuhe über illegale Kanäle als anonyme Ware doch noch in den Verkauf gelangen konnten.

Sehr betroffen von den Untersuchungsergebnissen zeigte sich Matthias Händle, Geschäftsführer von Reno. Sein Unternehmen habe in der Vergangenheit und verstärkt nach dem ersten Beitrag zu diesem Thema in „markt“ in Zusammenarbeit mit den Lieferanten eine Lösung für das Problem mit Chrom VI zu finden versucht. Reno habe über eine Million Euro in Schadstofftests investiert. Außerdem seien 200 000 Paar Schuhe an Lieferanten retourniert worden. Händle dazu wörtlich: „Wir sind sicherlich das Unternehmen, daß in diesem Bereich im letzten Jahr am meisten gemacht hat.“

Nach Schätzungen des Unternehmens seien an die 20 Prozent der in der Bundesrepublik verkauften Schuhe mit Chromat belastet. Nicht immer sei Zertifikaten von Lieferanten über eine Nichtbelastung zu trauen. Selbst wenn einige Paare einer Lieferung frei von Chrom VI seien, müsse dies nicht auch für andere des Modells zutreffen. Dem Unternehmen sei es gelungen, in seinen Filialen den Anteil mit Chrom VI-belasteter Ware auf vier Prozent zu senken. Das widerlegte allerdings der Fernsehbeitrag von Gudisch und Heimbrecht in „markt XL“. Jetzt müsse in Kooperation mit anderen Herstellern angestrebt werden, daß nur Schuhe mit zulässigem Grenzwert in den Verkauf gelangten.

Hierzu soll auch eine Zusammenarbeit mit Bundesministerien angestrebt werden. Als Schwachpunkt für die Einhaltung der Grenzwerte vermutet das Magazin die Gerbereien. Als positives Beispiel für einen ohne Chrom arbeitenden Betrieb sollte die Firma Birkenstock in der Sendung gezeigt werden, die noch nie mit Einsatz von Chrom gegerbt haben. Die im Beitrag vorgestellte Gerberei aus Mülheim/Ruhr produziere seit Jahrzehnten chromfrei und könne die anfallenden Schuhproduktionsreste umweltfreundlich entsorgen. 09.07 Wolf Dismer

Chrom VI/Chromat – Symptome und Schutz

Der Allergologe Dr. Johannes Kunze, Chefarzt der Hautklinik in Duisburg, sagt, die Allergie werde anfangs oft für Fußpilz gehalten. Im weiteren Verlauf führe sie zu Blasenbildung und Verhornungsstörungen. Eine dauerhafte Belastung mit Chromat könne sogar eine lebensbedrohende Krebserkrankung auslösen. Bis jetzt ist eine Chromatallergie unheilbar. Um Kinderfüße vor Chromat zu schützen, sollten trockene Socken in Schuhen getragen werden. Für Eltern gilt, oft zu kontrollieren, ob Füße oder Socken durch Schweiß oder beim Spielen durch Pfützenwasser feucht geworden sind. Das kann Chrom VI aus dem Leder herauslösen. 09/07 Wolf Dismer

Weißler will keine Detaildiskussion

Konrad Weißler von Das Schuhinstitut in Offenbach verweist im Zusammenhang mit dem WDR-Beitrag auf den Pressetext seines Hauses. Insbesondere will er sich mit der Stellungnahme in keine strittige Detaildiskussion über chemische Prozesse einlassen und damit den negativen Eindruck der Sendung verstärken. Der Pressetext erwähnt den Aspekt der Schadstoffbelastung zurückhaltend: „(...) Dazu gehört natürlich auch, dass passende Kinderschuhe keine schadstoffbelasteten Materialien enthalten. Nach einer kritischen Sendung des WDR ist dieser Hinweis wichtig, dass von WMS-zertifizierten Kinderschuhen mehr als nur eine Schadstoff-Prüfung verlangt wird. Kinderfüße sind viel in Bewegung und Fußfeuchtigkeit (ist, d. Red.) immer ein wichtiger Aspekt der Schuhfunktion. Darum verlangen die WMS-Richtlinien eine positive Beachtung aller Faktoren, die das gute Fußklima im geschlossenen Schuh beeinflussen.“ Ab hier geht der Text auf die Passform ein und erwähnt im letzten Satz noch einmal die Schadstoffproblematik: „Doch ist eine dauerhaft gute Passform nicht ohne hohen Standard der Materialien und Verarbeitung zu haben. Dazu gehört selbstverständlich, dass keine giftige Chrom-VIBelastung im Leder von WMS-Kinderschuhen ist.“ 09/07 Stephan Kraatz

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