Schuhmarkt

Editorial 23/06: Ansichtssache

Ein Einkaufsbummel förderte Erstaunliches zutage: Die braune Gesinnung muss in der Modebranche weitaus verbreiteter sein als gedacht. Überall fanden sich „Hakenkreuze“ – vorzugsweise an Tweedjacken angebracht.

 

 

Peter Skop, Chefredakteur

Ein Einkaufsbummel förderte Erstaunliches zutage: Die braune Gesinnung muss in der Modebranche weitaus verbreiteter sein als gedacht. Überall fanden sich „Hakenkreuze“ – vorzugsweise an Tweedjacken angebracht.

Seit eine aufmerksame Rechtsanwältin derartige Nazisymbole in einem Esprit-Katalog entdeckt hat, ist man ja viel sensibler geworden. Nicht nur Eigenmarken wie Strauss Innovation, waren damit ausgestattet. Auch renommierte Marken wie Bogner oder Burburry ertappt man sozusagen auf frischer Tat.

Mexx erwies sich ebenso infiziert wie Redskin. Zu Hause habe ich zudem entdeckt, dass ich seit Jahren einen Sweater trage, der auch solche Lederknöpfe hat. Ein Glück, dass ich den immer nur zuhause getragen habe. Jetzt aber ernsthaft: Es wundert mich nicht, wenn Staatsanwaltschaften und Gerichte mit der Bearbeitung von Klagen und Rechtsstreitigkeiten oft jahrelang in Verzug geraten, wenn sie sich mit solch einem Unsinn beschäftigen müssen. Entweder ist hier jemand bescheuert oder er will mit aller Gewalt auf sich aufmerksam machen. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin absolut ein Gegner dieser braunen Kleingeister. Aber man muss die Kirche auch im Dorf lassen und nicht in jede vielleicht nicht ganz so glückliche Abbildung etwas hineindeuten, was sich bei genauer Betrachtung als völlig abwegig erweist.

Esprit hat seinen Katalog zurückgezogen. Ich halte es für falsch. Suggeriert es doch, dass man diese seit Jahrzehnten benutzte Knopfart tatsächlich so sehen kann. Es würde mich nicht wundern, wenn die Alt- und Neonazis jetzt erst diese Knöpfe für ihre verquere Symbolik nutzen. Beispiele dafür gibt es: So hat sich in diesen Kreisen Lonsdale etabliert, weil die beiden Buchstaben N und S darin enthalten sind. Oder die unschuldige 88 muss für HH wie Heil Hitler herhalten. Gewisse Symbole wie das Hakenkreuz oder die SS-Runen haben ihre Unschuld verloren. Sie sind in der Modebranche nicht verwendbar. Doch wenn jemand in einem harmlosen Kreuzstich einen Hakenkreuzstich sehen will, kann man solchen Leuten eben auch nicht mehr helfen.

Ihr Peter Skop

 

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