Schuhmarkt

Schuh-Meyer, Lindenfels: 2,5 Mio Euro Schaden

Wegen gewerbsmäßigen Betrugs mit über 280 Taten, die er von Juni 1997 bis Oktober 2003 begangen haben soll, ist der 64 Jahre alte Schuhgroß- und -Einzelhändler Heini Meyer aus Lindenfels (Kreis Bergstraße/Hessen) angeklagt. 25.01.06 Marion Menrath

Wegen gewerbsmäßigen Betrugs mit über 280 Taten, die er von Juni 1997 bis Oktober 2003 begangen haben soll, ist der 64 Jahre alte Schuhgroß- und -Einzelhändler Heini Meyer aus Lindenfels (Kreis Bergstraße/Hessen) angeklagt. Unter 22 verschiedenen Firmenbezeichnungen soll er im gesamten Bundesgebiet einen Schaden von 2,5 Millionen Euro angerichtet haben. Von „abenteuerlichen Konstruktionen“ sprach beim Prozessauftakt am 10. Januar vor dem Darmstädter Landgericht Richter Rainer Buss. Mit den Umfirmierungen sei der Lindenfelser immer einen Schritt schneller gewesen als die Gläubiger. Die Firmengruppe habe gewirtschaftet, wie sie wollte. Schuhe seien von einer Firma bestellt und nach Belieben auf andere Firmen verteilt worden. Lieferanten wurden teils ebenso wenig bezahlt wie Speditionen und Vermieter der bis zu 88 Einzelhandelsläden im Bundesgebiet. Zeitungsverlage, die Prospekte druckten, blieben auf Rechnungen sitzen; Angestellte erhielten keinen Lohn. Die aufwändigen Ermittlungen dauerten noch immer an, betonte Staatsanwalt Andreas Kondziela. Handelsregister an verschiedenen Orten hätten ausgewertet und Gerichtsvollzieher aus ganz Deutschland befragt werden müssen. Einige Firmen existierten weiter und es gebe neue Anzeigen. Derzeit ist jedoch fraglich, ob sich Meyer vor Gericht wird verantworten müssen. Wegen eines Herzleidens wurde er zum Prozessauftakt von einer Amtsärztin für nicht verhandlungsfähig erklärt. Zudem ist er zeitweise in einer psychiatrischen Klinik in stationärer Behandlung. Das Hauptverfahren wurde nun vorerst auf den 21. März vertagt. Bis dahin soll geklärt werden, ob der Mann zumindest stundenweise vor Gericht gehört werden kann. Verhandelt wurde aber gegen zwei Strohmänner, den 33 Jahre alten Sohn des Angeklagten und einen 54 Jahre alten Ungarn, die als Geschäftsführer zweier Firmen auftraten. Nach ihrem Geständnis wurden beide wegen zweifacher Insolvenzverschleppung zu Bewährungsstrafen von acht, beziehungsweise zehn Monaten verurteilt. Der Sohn wurde zudem des Betrugs für schuldig befunden, weil er eine Spedition mit einer Schuhlieferung beauftragt hat, obwohl kein Geld mehr da war. Beide hätten sich aus Verbundenheit und familiärer Verpflichtung als Geschäftsführer hergeben, sagte Buss. Sie hätten die Hand zum Betrug gereicht, seien aber nicht die Haupttäter. Die alles bestimmende Person sei der 64-Jährige gewesen. 25.01.06 Marion Menrath

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