Schuhmarkt

Stark vor allem im Export

Die Rheinland-pfälzische Schuhindustrie verzeichnete 2006 einen Rückgang der Inlandsumsätze. Die Zahl der Betriebe und der Beschäftigten ist gesunken. 20.06.07 Fred G. Schütz

Die Rheinland-pfälzische Schuhindustrie verzeichnete 2006 einen Rückgang der Inlandsumsätze. Die Zahl der Betriebe und der Beschäftigten ist gesunken.

„Ich halte die Schuhindustrie nicht für ein Auslaufmodell, auch wenn das Zahlenwerk und die derzeitigen weltweiten Umsätze eine andere Sprache sprechen”, sagte der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, Siegfried Englert, bei der Jahresmitgliederversammlung des Verbandes der Schuhindustrie in Rheinland-Pfalz in Pirmasens. Die Branche habe sich vielmehr dem einschneidenden Strukturwandel, vergleichbar einem Marathonläufer, mit „Zähigkeit, Ausdauer und ungebrochener Zuversicht” gestellt.

Die Ermunterung des Staatssekretärs hatte ihren Hintergrund in den aktuell veröffentlichten einschlägigen Zahlenwerken, wonach Pirmasens Schlusslicht in der Wertschöpfung und auch - trotz anziehender Konjunktur - bei den Arbeitslosenzahlen im Land ist. Auch die vom Verbandsvorsitzende Hans Jürg Keller präsentierten Zahlen, die auf die Erhebungen des statistischen Landesamtes zurückgehen – zeichnen vordergründig ein verhaltenes Bild. Danach hat die rheinland-pfälzische Schuhindustrie einen Umsatzrückgang von 1,2 Prozent im Jahr 2006 hinnehmen müssen.

Dies, so Keller, aber unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Zahl der Betriebe von 29 auf 28 zurückgegangen sei. „Deshalb sieht die Situation in einzelnen Betrieben durchaus auch positiv aus.” Vor allem das Inland sei mit einem Rückgang um 1,7 Prozent betroffen gewesen, maßgeblich dafür war die Erhöhung der Mehrwertsteuer, so Keller, die die rheinland-pfälzischen Hersteller vor zusätzliche Probleme gestellt habe, „da sich der Druck des Handels auf den Abgabepreis noch erhöhte”. Das ungewöhnlich schlechte Wetter im Frühjahr 2006 habe ein Übriges getan. Sonniger sieht es im Export aus, dessen Anteil auf 40,6 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig ist aber die Zahl der Beschäftigten in der Schuhindustrie in Rheinland-Pfalz auf 2597 zurückgegangen, mit einem von nun 19,6 Prozent der in der Deutschen Schuhindustrie Beschäftigten. Gleichzeitig erkläre sich der Umsatzanteil von Rheinland-Pfalz von 14 Prozent am Umsatz in Deutschland durch die hohe Fertigungstiefe in Rheinland-Pfalz, die höher sei, „als in jedem anderen Bundesland”, so Keller.

Der Verbandsvorsitzende forderte deshalb, dass die Gewerkschaft IG BCE diesen „besonderen Umständen” bei den Tarifforderungen Rechnung trage. In diesem Zusammenhang hob der Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Schuhverbandes, Dr. Peter Neumann, hervor, dass die Branche zwar mit dem Tarifabschluss mit Lohnerhöhungen von drei Prozent „insgesamt nicht zufrieden” sei, da er für die Betriebe nur schwer zu verkraften sei. Andererseits beinhalte der Abschluss „aber gewisse flexible Öffnungen, die mit dem Betriebsrat verhandelbar” seien. „Bemerkenswert, dass der Tarifpartner relativ offen für solche Lösungen war”, sagte Neumann. Nach wie vor zentrales Thema für die Branche (SchuhMarkt berichtete mehrfach) ist das „International Shoecompetence Center - ISC-Pirmasens gGmbH”, kurz ISC, das unter dem Dach des Prüf- und Forschungsinstitutes Pirmasens (PFI) und der Interimsgeschäftsführung durch den PFI-Leiter Dr. Gerhard Nickolaus nun auch seine gesellschaftsrechtliche Gründung erlebt hat. Die auf 5,9 Millionen Euro bezifferte Gesamtinvestition wird mit 3,6 Millionen Euro aus Mitteln des Wirtschafts- und des Innenministeriums des Landes Rheinland-Pfalz großzügig bezuschusst.

Das ISC, für das erst vor kurzem Baubeginn war, soll in direkter Nachbarschaft von PFI und Fachhochschule Pirmasens zentrales Ausbildungs- und Kompetenzzentrum für die Schuhindustrie bei internationaler Ausrichtung werden. Mit integriert werden soll auch die Deutsche Schuhfachschule (DSF), in welcher gesellschaftsrechtlichen Form ist allerdings noch in der Diskussion. Wesentlich ist, dass das ISC von Anfang an wirtschaftlich betrieben werden soll. Verbandsvorsitzender Keller erwartet sich vom ISC „eine Stärkung unserer Konkurrenzfähigkeit im internationalen Wettbewerb am Standort Rheinland-Pfalz”. Auch Staatsekretär Englert unterstrich die Bedeutung des ISC: „Gebraucht wird der umfassend gebildete Schuhmanager. Wo sollte er herangebildet werden, wenn nicht hier.” 20.06.07 Fred G. Schütz

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