Schuhmarkt

ANWR: Plus mit Dienstleistung

Zahlreiche ANWR-Mitglieder trafen sich am 11. Juni zur Generalversammlung in Düsseldorf, um den Geschäftsbericht des Verbunds zu hören und um den Vorstandsvorsitzenden Joachim Siebert in den Ruhestand zu verabschieden. 20.06.07

Zahlreiche ANWR-Mitglieder trafen sich am 11. Juni zur Generalversammlung in Düsseldorf, um den Geschäftsbericht des Verbunds zu hören und um den Vorstandsvorsitzenden Joachim Siebert in den Ruhestand zu verabschieden.

Die ANWR schreitet bei ihrer Fortentwicklung zum Mehrbranchen-Dienstleistungsverbund voran. Sie hat im vergangenen Jahr vom guten Geschäft der DZB profitiert, während im Stammbereich Schuhe Verluste zu verzeichnen waren. Insgesamt schreibt ANWR schwarze Zahlen und konnte eine zehnprozentige Dividende an die Mitglieder verteilen. Vorstand und Aufsichtsrat wurden ohne Gegenstimmen entlastet.

Während der scheidende Vorstandsvorsitzende Joachim Siebert einen allgemeinpolitischen Überblick gab und sein Nachfolger Roland Schwerdtfeger Schwerpunkte seiner künftigen Tätigkeit benannte, legte Vorstand Matthias Grevener das Zahlenwerk der ANWR vor. Dieses konnte sich sehen lassen und wurde schließlich von den anwesenden Mitgliedern auch abgesegnet.

Der Zentralregulierungsumsatz stieg im Geschäftsjahr 2006 im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 2,588 Mrd. Euro. Auch die Tochter anwr Schuh GmbH schaffte eine ZR-Steigerung um 1,1 Prozent auf 798,8 Mio. Euro. Allerdings sanken die Umsatzerlöse von 81,7 Mio. Euro im Jahr 2005 auf 75,5 Mio. Euro in 2006. Im positiven Ergebnis vor Sondereffekten der ANWR eG von 4,6 Mio. Euro ist ein Verlust der anwr Schuh GmbH in Höhe von 1,6 Mio. Euro enthalten. Größte positive Position in dieser Ergebnisrechnung ist die Gewinnabführung der DZB GmbH, der Bank der ANWR,in Höhe von 6,4 Mio. Euro. Diese erreichte einen ZR-Umsatz von 2,1 Mrd. Euro, rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Durch die Übernahme der Pforzheimer Aktiv-Bank AG, deren Kapitalmehrheit von 94,5 Prozent ANWR im Frühjahr 2006 übernommen hatte, kommen beide Banken auf einen ZR-Umsatz von mehr als 5 Mrd. Euro.

Rund 10 000 Handelsunternehmen werden von beiden zusammen betreut, zu mehr als 7000 Lieferanten aus 30 Branchen bestehen Geschäftsbeziehungen. Unter Einbeziehung der Sondereffekte erzielte die ANWR eG ein Ergebnis von 36,7 Mio. Euro. Steuerliche Effekte hinzugerechnet, ergab sich ein Jahresüberschuss von 36,9 Mio. Euro, der dem Eigenkapital zugute kam. Dazu beigetragen haben der Verkauf von Grundstücken und Gebäuden an die anwr Fundus GmbH, was einen Ertrag von 28,1 Mio. brachte, die Auflösung einer nach § 6b EStG gebildeten Rücklage von 5,9 Mio. Euro und die so genannte Beseitigung „stiller Lasten“ in Höhe von 1,9 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote der ANWR wurde von 53 auf 72 Prozent erhöht. Die erheblichen Erhöhungen der Bilanzsummen in Konzern und ANWR eG sind im Wesentlichen auf die Einbeziehung der Aktiv-Bank zurückzuführen.

Gute Rahmenbedingungen

Joachim Siebert sah in seinem Beitrag für die Generalversammlung die deutsche Wirtschaft in einem Aufschwung, der auch den Schuhfachhandel erreicht hat. Die Mitgliedsunternehmen verzeichneten in den ersten Monaten des Jahres ein Umsatzplus von über 5 Prozent. Der Trend zum eisernen Sparen sei bei den Verbrauchern gebrochen. Qualität werde wieder als wichtiges Entscheidungskriterium beim Kauf eingebracht. „Dies ist einmal mehr die Stunde des Fachhandels“, so Siebert. Gleichzeitig verwies er aber auch auf die schwierigen und herausfordernden Zeiten für den einzelnen Unternehmer, der nur „mit dem Rückhalt, der Kontinuität, der Kompetenz und der Marktmacht einer starken Gruppe wie der ANWR“ eine langfristige Perspektive entwickeln könne. Im politischen Teil mahnte er weitere Sparpolitik der Regierung an. Die Entlastung durch die Unternehmenssteuerreform nannte er „teuer erkauft“ durch komplizierte Regelungen und zahlreiche Restriktionen. „Wir brauchen eine Vereinfachung“, sagte Siebert.

Roland Schwerdtfeger erklärte den eingeschlagenen Weg zum Mehrbranchen-Dienstleistungsverband für „richtig und zukunftsweisend“. Besonderes Gewicht will der neue Vorstandsvorsitzende auf die Betriebstypen- und Marketingkonzepte der anwr Schuh GmbH, den „Bereich Eigen-, besser gesagt Exklusivmarken“, auf Mitgliederorientierung und Kundenfokus sowie auf die Business-Plattform der ANWR legen. Die Steigerung der Sortiments- und Prozessqualität liegt Schwerdtfeger genauso am Herzen („Ware ist das Herz des Marketing“) wie der weitere Weg in die Internationalisierung. Satzungsänderungen, die durch die Genossenschaftsrechtsnovelle ausgelöst wurden, wurden mehrheitlich durch die Versammlung gebilligt. Einige Punkte, wie beispielsweise die Befugnis zur Entlassung des Vorstandes, wurden auf die nächste HV verschoben. Mitglieder hatten sich an dem Eindruck gestört, diese Befugnis stehe künftig nur dem Aufsichtsrat zu. Nächste Hauptversammlung vom 22.bis 24. Juni 2008 in Ulm.

Auf Wiedersehen, Joachim Siebert!

Mit einer feierlichen Matinee in der Stiftung Museum Kunstpalast wurde Joachim Siebert in den Ruhestand verabschiedet. Der 63-Jährige war seit mehr als 30 Jahren in verschiedenen Verbundgruppen des mittelständischen Einzelhandels tätig, zu Anfang seiner Karriere auch bei der Garant. 1992 wurde er in den Vorstand der Ariston-Schuh-Einkaufsvereinigung berufen, deren Vorstandssprecher er 1997 wurde.

Nach der Fusion von Ariston und Nord-West-Ring Schuh-Einkaufsgenossenschaft hat Siebert im Jahr 2002 den Vorstandsvorsitz der ANWR eG übernommen.Von 2004 bis Mai 2007 war er Präsident des Zentralverbandes Gewerblicher Verbundgruppen e.V. (ZGV). Der ANWR wird er noch als Geschäftsführer der anwr Fundus GmbH & Co. KG erhalten bleiben. Ansonsten will sich Siebert zurückziehen. „Ich freue mich, eigene Interessen wahrnehmen zu können“, erklärte er in seiner Antwort auf die Laudatoren Hans-Jürgen Robers (AR-Vorsitzender ANWR eG), Philipp F. Urban (ehem. HDS-Geschäftsführer und -vorsitzender), Walter Weinkauf (Präsident des Genossenschaftsverbandes) und Roland Nölscher (nebenamtliches Vorstandsmitglied ANWR eG). Es gebe viel zu tun.

Unter anderem wird sich der passionierte Jäger für seine selbst gegründete Stiftung „Intaba“ engagieren, die sich die Rettung südafrikanischer Bergzebras zum Ziel gesetzt hat. Für sie konnte er bereits zahlreiche Euros einsammeln, die ihm Freunde und Weggefährten statt Geschenken überreicht hatten. Auf die Stiftung hatte Robers angespielt, als er doppeldeutig scherzte: „Da will einer stiften gehen.“ Die Redner stellten jedoch schnell klar, dass Siebert alles andere ist als einer, der die Flucht ergreift. „Ein Glücksfall für die ANWR“, so Robers, dessen Rat auch von der Politik gesucht wurde. Den Rahmen der Matinee bildete die SAP Kammerphilharmonie. Mit ihr zusammen trug der prominente ehemalige VW- und Ford-Vorstand Daniel Goeudevert das Märchen Karneval der Tiere vor, das launig eine Vorstandssitzung nachzeichnete, an deren Ende der vorsitzende Löwe an seinen Abschied denkt. 20.06.07

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