Schuhmarkt

Schuhindustrie verhalten optimistisch

Um 2,6% ist der Umsatz der deutschen Schuhindustrie 2007 im Vergleich zu 2006 gestiegen. Er erreichte rund 2,8 Mrd. Euro. 20.03.08 Peter Skop

Um 2,6% ist der Umsatz der deutschen Schuhindustrie 2007 im Vergleich zu 2006 gestiegen. Er erreichte rund 2,8 Mrd. Euro. Im Inland wurden 2,02 Mrd. Euro erlöst (+2,3%), mit ausländischen Kunden dagegen 780 Mio. Euro (+3,4%). Der Auslandsanteil an den Umsätzen beträgt nun 27,9%. Angesichts gesunkenen Umsatzes im Dezember und eines wert- und paarzahlmäßig verringerten Auftragseingangs zeigte sich Manfred Junkert, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Schuhindustrie (HDS), nur verhalten optimistisch für das neue Jahr.

Auch sei die Konsumfreude in Deutschland eher verhalten, was im Inlandsgeschäft für die deutsche Schuhindustrie nur ein leichtes Plus ergeben dürfte. Junkert warnte vor den negativen Folgen eines Punktes der Unternehmenssteuerreform, und zwar der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Miet-, Pacht- und Leasingaufwendungen. Es könne zu einer Substanzbesteuerung kommen, was Handelsunternehmen besonders hart treffe. Mit dem Schuhhandel würde aber in Folge die gesamte Schuhwirtschaft belastet. Schelte für den Gesetzgeber hatte auch HDS-Präsident Ralf Rieker parat. Im Hinblick auf das vom Berliner Verwaltungsgericht kassierte Gesetz zum Post-Mindestlohn meinte er: „Es wird schwierig für uns Unternehmer, wenn man sich auf Gesetze nicht verlassen kann.“ Statt Mindestlöhnen forderte er Wachstum, das bei den Bürgern ankommt, und eine Verringerung des Keils, der zwischen Brutto-Arbeitskosten und Netto-Löhnen der Arbeitnehmer liegt. Rieker beschrieb die Stimmung in der Branche zum Jahresbeginn als positiv.

Junkert konnte aber weitere positive Zahlen des vergangenen Jahres auf der traditionellen GDS-Pressekonferenz berichten. So stieg die Zahl der Beschäftigten um 4,5% und lag zum Jahresende 2007 bei 12762. Einschließlich der Kleinbetriebe mit unter 50 Mitarbeitern lag die Zahl bei rund 13500. „Die Entwicklung ist erfreulich und soll auch so weitergehen“, sagte Junkert. Mit Blick auf die Mitte des Jahres anstehenden Tarifverhandlungen mahnte Junkert eine maßvolle Tarifpolitik seitens der Gewerkschaft an.

Ende 2007 gab es noch 55 Betriebe in der deutschen Schuhindustrie, einer weniger als im Jahr zuvor. Die Produktion erreichte ein paarzahlmäßiges Plus von 9,4% und legte somit auf 26,8 Mio. Paar zu. Leider sind die Zahlen des Statistischen Bundesamtes noch nicht für das ganze Jahr verfügbar, so dass es sich bei dieser Zahl um eine Hochrechnung auf Basis der ersten drei Quartale handelt.

Importe haben zugelegt

2007 haben die Importe deutlich, nämlich um 13,5%, auf 497,5 Mio. Paar zugelegt. Dabei sind die Durchschnittspreise pro importiertem Paar von in 2006 9,50 Euro um 10,5% auf 8,78 Euro gesunken. Hauptexporteur nach Deutschland ist wiederum China, dessen Anteil an den deutschen Schuheinfuhren über 50% ausmacht. Paarzahlmäßig sind die Importe von dort um 27,6% auf nunmehr 252 Mio. Paar gestiegen, wobei der Durchschnittspreis um 18,6% gefallen ist. Dies liegt am geringeren Anteil der höherpreisigen Lederschuhe, der von 20% auf 12% gefallen ist. Dies ist ein Resultat der von der EU erhobenen Antidumping-Schutzzölle, erklärte Junkert. Auf den Plätzen in der Einfuhrstatistik folgen Vietnam (+7,2%), Italien (–8,1%) und Spanien (–5,9%).

Die deutschen Schuhausfuhren stiegen um 15,1% auf 141 Mio. Paar. Der Durchschnittspreis fiel um 4,1% von 16,25 Euro auf 15,57 Euro. Bei den deutschen Exporten erwies sich Österreich einmal mehr als größter Abnehmer, wenngleich die Paarzahl um 1,9% zurückging. Eine starke Zunahme von über 22% gab es nach Polen. Frankreich, Niederlande und Großbritannien folgen in der Exportrangliste der deutschen Schuhwirtschaft.

Preise weitgehend stabil

Die Herstellungspreise für Schuhe stiegen im vergangenen Jahr kaum, nämlich um nur 0,1%. „Eine beachtliche Leistung der deutschen Schuhindustrie“ angesichts steigender Energie-, Material- und Arbeitskosten, so Junkert. Die Verbraucherpreise für Schuhe stiegen um 0,2%, waren aber in den letzten Jahren stets rückläufig. In den nächsten Jahren werde mit einer leichten Korrektur nach oben zu rechnen sein, kündigte Junkert an.

Der Bundesverband der Deutschen Schuhindustrie (BDSE) kritisierte die zu gering gestiegene Bruttospanne für den deutschen Schuhhandel. BDSE-Präsidentin Brigitte Wischnewski sagte, sie sei von durchschnittlich 54,2% nur um 0,9% auf 55,1% gestiegen. Zum Ausgleich der Mehrwertsteuerbelastung sei jedoch eine Steigerung um 2,2% nötig gewesen. Die Schuhindustrie trage hier eine hohe Verantwortung, da Schuhe mit unverbindlicher Verkaufspreisempfehlung einen Sortimentsanteil von durchschnittlich 75% hätten.20.03.08 Peter Skop

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