Schuhmarkt

Kerngesundes Kellerkind wird 50 Jahre alt

Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens hat sich von der Schuhbranche als alleinigem Auftraggeber emanzipiert – Wirtschaftlich unabhängig auf Expansionskurs. 19.05.06 Fred G. Schütz

Es finanziert sich selbst, es hat eine internationale Ausrichtung und es ist vor allem eines: erfolgreich. Das Pirmasenser Prüf- und Forschungsinstitut - ehemals mit dem Untertitel „für die Schuhherstellung” und heute besser unter dem Kürzel PFI bekannt, hat sein 50-jähriges Bestehen mit Stolz und einem großen Fest gefeiert.

Institutsleiter Dr. Gerhard Nickolaus bekräftigte in seinem Grußwort: „Wir wollen das Schuhkompetenzzentrum betreiben.”

Das Projekt unter dem ambitiösen Arbeitstitel „WorldShoeCenter”, das unter der Trägerschaft des PFI Ausbildungszentrum und Technologieträger für die Schuhbranche sein soll, schien zuletzt ein wenig an Schwung verloren zu haben, wohl auch den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz geschuldet.

Indessen unterstrich auch der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch das anhaltende Engagement des Landes für das PFI und Pirmasens, „nicht nur mit Worten, sondern mit Taten”. Das PFI war 1956 buchstäblich als „Kellerkind” mit drei Mitarbeitern im Souterrain der Deutschen Schuhfachschule in der Lemberger Straße in Pirmasens gegründet worden. Das PFI testete Materialien wie Leder oder Klebstoffe für die Schuhindustrie. 1967 zog es in einen Neubau in der benachbarten Hans-Sachs-Straße um, erweiterte im Jahr 1989 um eine technische Abteilung und ein Technologietransferzentrum, um sich 2001 wegen der Ausweitung seiner Aufgaben auch für andere Industrien in „Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e. V.” umzubenennen. 2003 zog das PFI in ein neues Gebäude im Pirmasenser Konversionsgebiet Husterhöh um.

Das PFI betreibt drei Büros in China, darunter eines in Hongkong und in ein weiteres als Joint Venture mit sieben Mitarbeitern in Istanbul. In diesem Jahr sollen Büros in Indien und Vietnam eröffnet werden. Das PFI ist als Verein organisiert und erwirtschaftete 2004 mit rund 100 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von fünf Millionen Euro, der 2005 noch einmal um 50 Prozent gesteigert werden konnte. An den Feierlichkeiten nahmen auch die früheren Institutsleiter Dr. Wilhelm Fischer (1966 - 1989) und Dr. Gerd-Georg Kwauka (1989 - 2001) teil. Nickolaus gab die Marschrichtung des PFI für die Zukunft an: „Wir wollen stärker als bisher biomechanische Kompetenzen aufbauen und den medizinisch-orthopädischen Bereich stärken, wir wollen den Handel stärker ansprechen, und wir bauen die Biotechnologie weiter aus und wollen Unternehmensgründungen auf der Husterhöh initiieren”.

Niemand unter den anwesenden Festrednern und Gästen zog in Zweifel, dass das PFI diese anspruchsvollen Ziele wird erreichen können. „Ich hoffe auf eine tragfähige, zukunftsweisende Lösung für das Schuhkompetenzzentrum und einen baldigen Abschluss der Verhandlungen, und dass wir noch in unserem Jubiläumsjahr mit der Umsetzung beginnen können”, sagte Nickolaus. PFI-Vorsitzender Ralph Rieker (Ricosta) stritt für ein selbstbewusstes PFI: „Wir wollen keine Grundförderung, wir wollen nicht am Tropf hängen. Wir haben bewiesen dass Politik und Wirtschaft zusammenarbeiten können.” An Nickolaus und die Mitarbeiter des Institutes gerichtet sagte Rieker: „Was sie geleistet haben, das ist mit Worten fast nicht zu beschrieben. Toll, dass sie die Motivation gefunden haben, dies zu tun”.

Der Pirmasenser Oberbürgermeister DR. Bernhard Matheis sagte, das PFI habe gezeigt, „dass in neuen Konzepten der Schlüssel zum Erfolg zu finden ist. Dorthin gehen, wo die Kunden sind. Das PFI schafft ein neues Selbstbewusstsein für den Wert der Produkte und setzt den beginn für ein neues Verbraucherbewusstsein“. Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Schuhindustrie, Philipp Urban sagte abschließend: „Bleibe Sie so, wie sie sind, und verändern Sie sich etwas mehr als nötig”. 19.05.06 Fred G. Schütz

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