Schuhmarkt

Berlin kippt Ladenschluss

Berlin hat als erstes Bundesland neue gesetzliche Regelungen in punkto Ladenöffnungszeiten geschaffen. 16.11.06 Stephan Kühmayer

Berlin hat als erstes Bundesland neue gesetzliche Regelungen in punkto Ladenöffnungszeiten geschaffen.

Das Berliner Abgeordnetenhaus beschloss in seiner Sitzung am 9. November 2006 mit großer Mehrheit das so genannte Ladenöffnungsgesetz. Die Regelungen sehen im einzelnen vor, dass die Geschäfte in der Hauptstadt sowohl werktags, als auch am Sonnabend rund um die Uhr öffnen dürfen.

Darüber hinaus wird es zehn verkaufsoffene Sonntage im Jahr geben, darin enthalten sind die vier Adventssonntage. Hier darf von 13.00 bis 20.00 Uhr verkauft werden. Berlin verfügt damit über die liberalsten Bestimmungen der ganzen Republik. Das Gesetz trat übrigens unerwartet schnell bereits am 17. November 2006 in Kraft. So kann nun schon die kommende Adventszeit voll genutzt werden.

Wie der Handel mit dieser unverhofften Freizügigkeit umgehen wird, steht im Detail noch nicht fest. In vielen Chefetagen rauchen jetzt die Köpfe. Es zeichnet sich aber eine erste Tendenz ab. Man wolle, so verlautet etwa aus den Managementbüros der großen Einkaufszentren, an starken Tagen wie Donnerstag, Freitag und Sonnabend bis 22.00 Uhr öffnen. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg begrüßt uneingeschränkt die Freigabe der Ladenöffnungszeiten. „Die neuen gesetzlichen Regelungen beenden eine über 100-jährige Diskriminierung unseres Wirtschaftszweiges“, ließ HBB-Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen verlauten.

Im Gegensatz zum obersten Interessenvertreter des regionalen Einzelhandels fallen die Reaktionen bei den Händlern vor Ort deutlich gedämpfter, ja teilweise sogar kritisch aus. „Ich halte nicht viel von Sonntagsöffnungen“, erklärte beispielsweise Horst Wittstock auf Befragen des SchuhMarkt. Der Vorsitzende des Berlin-Brandenburgischen Schuheinzelhandelsverbandes rechnet auch nicht mit einer großen Kundenresonanz nach 20.00 Uhr. „Alle, die nicht in Brennpunktlagen liegen, werden verlieren“, befürchtet er gar negative Konsequenzen. Von den Kirchen und den Gewerkschaften kommt ebenfalls Kritik. Sie erwägen eine Verfassungsklage gegen die Sonntagsöffnung, die ihrer Ansicht nach dem Verfassungsgebot zum Schutz der Sonn- und Feiertage widerspricht. 16.11.06 Stephan Kühmayer

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