Schuhmarkt

Valentino Fashion Group vor Strategiewechsel

Knapp ein Jahr nachdem der Private-Equity-Fonds Permira hundert Prozent des italienischen Luxus-Modeunternehmens Valentino Fashion Group erwarb, sprach CEO Stefano Sassi mit dem Schuhmarkt über künftige Strategien. 15.05.08 Thesy Kness-Bastaroli

Knapp ein Jahr nachdem der Private-Equity-Fonds Permira hundert Prozent des italienischen Luxus-Modeunternehmens Valentino Fashion Group erwarb, sprach CEO Stefano Sassi mit dem Schuhmarkt über künftige Strategien.

Im Visier steht der Ausbau des Einzelhandelsnetzes, der Fokus auf die Accessoiresmode und die Verjüngung des Kundenstamms. Sassi schließt auch einen Verkauf der deutschen Hugo Boss nicht aus. Hugo Boss wird mehrheitlich von Valentino Fashion Group kontrolliert.

SchuhMarkt: Wie wollen Sie Ihr ehrgeiziges Ziel, den Umsatz der Marke Valentino in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln, erreichen?

Sassi: Wir wollen die Marke Valentino einem breiteren und auch jüngeren Publikum erschließen. Künftig soll nicht nur das Luxus-Top Segment, sondern auch der Bereich „erschwinglicher Luxus" angesprochen werden. Die Lizenzen sollen ausgebaut, der Accessoiresbereich von derzeit 25% des Umsatzes auf 40% erweitert werden. Das Schwergewicht soll dabei nicht nur auf Taschen und Schuhe, sondern auch auf Brillen und Schmuck gelegt werden. Wir wollen organisch wachsen, falls sich günstige Gelegenheiten bieten, können wir auch Marken dazukaufen.

SM: Nach dem Rückzug des Unternehmensgründers Valentino Garavano hat Alessandra Facchinetti, Ex-Desigerin bei Gucci, die Kollektionen entworfen. Haben Sie davon Auswirkungen gespürt?

Sassi: Die erste Herbst-Winter Kollektion von Alessandra Facchinetti ist sowohl bei der Fachpresse wie auch bei den Einkäufern bestens angekommen. Mit der Wahl von Alessandro Facchinetti ist es uns gelungen, das „Alte" zu erhalten aber gleichzeitig auch neue Kunden dazu zu gewinnen. Wir werden wir in Zukunft die Haute Couture nicht vernachlässigen.

SM: Im Gegensatz zu den anderen Mode-Größen haben Sie relativ wenige eigene Geschäfte. Soll das Netz der Monomarkenläden in Zukunft ausgebaut werden?

Sassi: Ja, die Anzahl der Geschäfte soll von derzeit 60 in wenigen Jahren auf hundert steigen. Wir planen neue Geschäftseröffnungen in Asien aber auch in Europa. In Deutschland haben wir bereits in München und Berlin Valentino Boutiquen.

SM: Sie sind CEO von Valentino Fashion Group zu welcher auch der deutsche Hugo Boss-Konzern zählt. Wie sehen Sie die Managementkrise bei Boss?

Sassi: Der Posten des zurückgetretenen Hugo-Boss-Chefs Bruno Sälzer wird in Kürze neu besetzt werden. Sälzer sind zweifellos große Verdienste bei der Expansion von Hugo Boss zuzuschreiben. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass eine Managementänderung nach über zehn Jahren auch Vorteile hat.

SM: Hugo Boss schüttet eine Dividende von 425 Mio. Euro aus. Die Dividende streicht vor allem die Private Equity Gesellschaft Permira ein. Glauben Sie nicht, dass diese Mittel dem deutschen Konzern für dringend nötige Investitionen fehlen?

Sassi: Die Dividendenausschüttung hindert Hugo Boss keineswegs daran, sich weiter zu entwickeln und zu investieren.

SM: Hugo Boss ist eine börsennotierte Firma während Valentino im vergangenen Jahr, nach der Übernahme seitens des Investmentfonds Permira vom Börsenblatt gestrichen wurde. Ist es für einen Konzen nicht schwierig, zwei derart verschieden geführte Firmen unter ein Dach zu bringen?

Sassi: Es gibt zwischen den beiden Unternehmen kaum Synergien. Knapp ein Jahr nach der Übernahme von Valentino Group ist es noch zu früh, um über die Zukunft von Hugo Boss zu entscheiden. Ich schließe weder einen Verkauf noch eine Streichung von Hugo Boss von der deutschen Börsenliste aus.

SM: Permira hat vor knapp einem Jahr, vor der Subprime-Krise, Valentino Fashion Group übernommen. Der Preis (2,6 Mrd. Euro) war relativ hoch. Sind die Preise für Italiens Modeunternehmen inzwischen gesunken?

Sassi: Nein. Der Preis war nicht zu hoch. Um Gegenteil. Heute müsste Permira wahrscheinlich noch mehr zahlen. Beweis dafür ist das Gedränge der Private Equity Firmen um den Modemacher Roberto Cavalli. 15.05.08 Thesy Kness-Bastaroli

 

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