Schuhmarkt

Chrom VI in Lederschuhen nachgewiesen

Die Untersuchung von 20 Paar Schuhen 16 verschiedener Marken zwischen 8 und 50 Euro aus 11 verschiedenen Geschäften förderte den Gefahrstoff Chrom VI zu Tage. 13.06.06 Swantje Balg

Der Beitrag “Sommerschuhe: Krankmacher am Fuß“ in der WDR-Sendung „Markt“ vom 29. Mai beschäftigt die Schuhbranche.

Darin wurde in fast jedem dritten Paar der Grenzwert für Chrom VI erreicht oder überschritten, wie das Labor Porst & Partner in Fürth feststellte. Reno reagierte als erstes auf die Testergebnisse und nahm die betroffenen Produkte aus dem Verkauf. Chromsalze sind heutzutage ein übliches Gerbmittel. Gerbende Wirkung ist allein bei der ungefährlichen Chromverbindung Chrom III zu finden. Chrom VI, auch Chromat genannt, hingegen ist ein Haut reizendes, stark sensibilisierendes und Krebs erzeugendes Gift.

Der Kontakt mit der nackten Haut, so zum Beispiel beim Tragen von sommerlichen Sandalen, kann im Einzelfall feuerrote Male hervorrufen, flächige Ekzeme, tiefe Hautrisse und sogar Krebs. Der Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) in Zusammenarbeit mit dem BTE rät seinen Mitgliedern, sowohl Einfuhrware stichprobenartig auf verbotene Schadstoffe wie Chrom VI zu testen als auch bei der Auftragsvergabe von Lieferanten ausdrücklich auf Ware im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen zu bestehen.

Hierfür haben die beiden Verbände einen viersprachigen Aufkleber entwickelt, der von Lieferanten die Gesetzmäßigkeit der Ware verlangt und sie notfalls zivilrechtlich haftbar macht. Das Produkthaftungsgesetz und die Bedarfsgegenständeverordnung für die Folgen der Verbreitung belasteter Artikel bleiben für den Händler weiterhin bestehen. Leider ist das Auftauchen von Chrom VI in Lederwaren nichts Neues für das Prüf- und Forschungsinstitut Pirmasens e. V. (PFI). Seit 15 Jahren bereits wird die Chemikalie in Leder nachgewiesen. Aus dem Gerbemittel Chrom III kann durch alles, was den PH-Wert des Leders steigert, leicht Chrom IV entstehen.

Dies kann laut Walter Haidler, stellvertretender Direktor des Lederinstituts Gerberschule Reutlingen, durch Nichteinhaltung der Prozessführung, die Auswahl minderwertiger chemischer Produkte und falscher Mittel in der Nachgerbung passieren. Sonneneinstrahlung sowie wässriger Klebstoff beim Verkleben von Deckleder reichen als Auslöser in der Produktion. Deshalb wird gewöhnlich ein bestimmter Prozentsatz Vegetabilgerbstoff als Nachgerbstoff eingesetzt, um die Chrom VI-Bildung im Leder weitestmöglich zu unterbinden. Leider ändert dies nichts daran, dass Chrom VI im Leder sowohl ungewollt entstehen als auch wieder verschwinden kann, was es zu einem ausgesprochen problematischen und schwer zu kontrollierenden Gefahrstoff macht.

Für Deutschland gilt ein Chrom-VI-Grenzwert von 3 mg/kg, in vielen anderen EU-Ländern von 10 mg/kg. Hohe Werte werden häufig in chinesischen Schweinsfutterledern nachgewiesen. In alle Welt verkauft, ist weder für den Einzelhändler noch für Verbraucher das Risiko eines durch Chrom VI belasteten Schuhs wirklich abschätzbar. 13.06.06 Swantje Balg

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