Schuhmarkt

Editorial 14/07: Reifeprüfung im Handel

Statt auf Geburtstagspartys mit Prinzessin Lillifee zu spielen, singen sie Songs von Sasha in das Computer-Karaokespiel SingStar oder reden über Germanys next Topmodel mit Heidi Klum. Sie suchen sich ihre Klamotten bei H&M oder Zara selbst aus und haben ganz klare Vorstellungen davon wie ihr Outfit auszusehen hat: Cool und bloß nicht niedlich.

 

 

Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin

Statt auf Geburtstagspartys mit Prinzessin Lillifee zu spielen, singen sie Songs von Sasha in das Computer-Karaokespiel SingStar oder reden über Germanys next Topmodel mit Heidi Klum. Sie suchen sich ihre Klamotten bei H&M oder Zara selbst aus und haben ganz klare Vorstellungen davon wie ihr Outfit auszusehen hat: Cool und bloß nicht niedlich.

Sie sind neun oder zehn Jahre, haben schon Schuhgröße 37 und gehören zu einer Generation von Mädchen, die nicht nur ihre Pupertät etwa drei Jahre früher kriegen als vor 50 Jahren, sondern seit wenigen Saisons ganz genau nach den modischen Looks ihrer Mütter schielen und Leggings, Layering sowie Ballerinas und Flats für sich adaptieren. Modische Lifestyleunternehmen wie Marc O’Polo, Esprit oder Tom Tailor haben diese Kinder mit Bekleidung schon längst voll im Visier. Die Schuhbranche leider noch nicht.

Knackpunkt ist nicht selten der Schuhhandel. Hier stapeln sich in den Kinderschuhgeschäften meterhoch niedliche Schuhe bis Größe 35, teils 36. Dann ist Schluss. Ab 37 haben die Girlies Pech. Zwar führen klassische Damenschuhabteilung kleinere Größen, die Passform der meisten Damenschuhmarken stimmt allerdings mit den viel zu schmalen Kinderfüßen nicht überein. Und die von Kids geliebten Klettverschlüsse finden eh nicht mehr statt. „Es ist zum heulen“, klagen viele Mütter. Kinderschuhgeschäfte verabschieden sich von Mädchen, die Plastikrutschen und Luftballons nicht mehr prickelnd finden, und die Standardabteilungen ignorieren diese Zielgruppe.

Wer da Jungs hat, die mit zehn Jahren nicht selten auf Größe 40 stehen, hat es insofern etwas einfacher, dass Sportgeschäfte und Discounter mit Adidas, Reebok, Puma & Co. die vernachlässigten Schuhkunden auffangen. Und diese Schuhe werden dann rund um die Uhr getragen. Darüber sind die Mütter allerdings auch nicht immer glücklich, denn „durch das ständige Tragen der Plastikschuhe“ hätten Drittklässler schon solche Schweißfüße, erklärt Olaf Hiort, Professor für Kindermedizin aus Lübeck, wie sie normalerweise erst bei 18jährigen Pupertisten vorkommen.

Ihre Ilona Sauerbier

 

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