Schuhmarkt

EU-Maßnahmen nicht gerechtfertigt

Der Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie lehnt die beschlossenen Antidumping-Maßnahmen ab. Zölle fließen in den EU-Haushalt ein. 09.10.06 Peter Skop

„Wir halten die Maßnahmen nicht für gerechtfertigt und sie werden auch nicht halten, was sie versprechen.“ Philipp F. Urban, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Schuhindustrie (HDS), bestätigt nach dem Beschluss der EU, Strafzölle auf chinesische und vietnamesische Lederschuhe einzuführen, seine bisherige Ablehnung.

„Die Maßnahmen stellen vor allem keine Hilfe für die Schuhindustrie dar“, lautet Urbans Kritik. Durch die EU-Strafzölle würde kein einziger Schuh mehr aus Europa verkauft. Die Strafzölle wanderten in den Topf der EU. Ein Förderprogramm zur Restrukturierung sei aber damit nicht verbunden. Allein aus Deutschland würden sich die Strafzölle in den nächsten zwei Jahren auf rund 200 Mio. Euro summieren, aus allen EU-Ländern flössen etwa 1,7 bis 1,8 Mrd. Euro in den Haushalt der EU, schätzt Urban.

Vor allem die Strukturen der die Antidumping-Zölle fordernden italienischen Schuhindustrie seien nicht mehr zeitgemäß. „Im Durchschnitt haben italienische Schuhfirmen 12 bis 16 Mitarbeiter“, so Urban. Als weitere Kritik an den Strafzöllen sieht Urban, dass viele Händler die Erhöhungen nicht werden schlucken können. Er rechnet allerdings nur mit moderaten Preiserhöhungen. Diejenigen, die sich teures Schuhwerk am wenigsten leisten könnten, würden nun bestraft.

Heinrich Deichmann, Chef des Essener Filialisten, hatte erklärt, alles tun zu wollen, „um die Strafzölle nicht an unsere Kunden weiterzureichen.“ Man werde Produktion und Beschaffung zum Teil in andere Länder verlagern. Der Erfolg der billigeren chinesischen Ware hänge damit zusammen, dass wegen der Konjunktur die Verbraucher kein Geld zur Verfügung hatten, zeigt sich Urban überzeugt. Der Saisonauftakt Herbst/Winter habe aber gezeigt, dass die Kunden sehr wohl gewillt seien auch teurere Ware einzukaufen, wenn sie das Geld zur Verfügung haben.

Urban hält es für zielführender, wenn die Politik für Reziprozität sorgen würde. Das heißt, dass es als Gegenleistung für freien Zugang chinesischer Ware nach Europa europäischen Unternehmen leichter gemacht würde, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen. Eine Hoffnung, die China bereits dämpft. Das chinesische Handelsministerium hat nach der Brüsseler Entscheidung bereits angekündigt, über Gegenmaßnahmen nachzudenken. 09.10.06 Peter Skop

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