Schuhmarkt

Offene Gesellschaft

Eine Neufassung des Quick Schuh Gesellschaftsvertrags sowie der Beitrittsvoraussetzungen wurde auf der 37. Generalversammlung der Quick Schuh, die vom 6. bis 7. Mai in Köln stattfand, beschlossen. 09.05.06 Peter Skop

Eine Neufassung des Quick Schuh Gesellschaftsvertrags sowie der Beitrittsvoraussetzungen wurde auf der 37. Generalversammlung der Quick Schuh, die vom 6. bis 7. Mai in Köln stattfand, beschlossen.

Während der Gesellschaftsvertrag das Innenverhältnis der Quick Schuh Handelsgesellschaft mbH & Co. KG mit Sitz in Mainhausen regelt, werden in den Beitrittsvoraussetzungen die Bedingungen definiert, die ein Kommanditist erfüllen muss, um schließlich ein Quick Schuh Geschäft betreiben zu können. Komplementär der Handelsgesellschaft, und für die Geschäftsführung der Quick Schuh verantwortlich, ist die Quick Schuh Verwaltungsgesellschaft mbH in Mainhausen, eine hundertprozentige Tochter der ANWR eG.

Im Vorfeld der Versammlung hatten Geschäftsführung und Aufsichtsrat gemeinsam mit Rechtsanwalt Joachim Klapperich entsprechende Entwürfe erarbeitet. Diese waren in den Diskussionen der Erfa-Tagungen bereits den Wünschen der Händler angepasst worden. Die Versammlung modifizierte die Verträge nach lebhaften Diskussionen in mehreren Punkten ein weiteres Mal, verabschiedete die Vertragswerke dann jedoch überwiegend einstimmig. Das 37 Jahre alte Vertragswerk entsprach nach übereinstimmender Ansicht von Quick Schuh Geschäftsführer Jochen F. Obrecht und Aufsichtsratsvorsitzendem Götz Graf nicht mehr den heutigen Anforderungen.

EU- und Kartellrecht, UWG oder Rabattgesetz – eine Fülle von rechtlichen Voraussetzungen hat sich in dieser Zeit geändert, so Obrecht. „Das gelebte Recht hat sich verändert“, erläuterte Klapperich.

Wichtigste Neuerungen sind die Stärkung des Aufsichtsrates als Interessenvertreter der Händler. Ihn müsste eine GmbH und Co. KG allerdings nicht zwingend haben. Des Weiteren wurden Rechte und Pflichten der Vertragsparteien definiert. Die Franchisegeberin Quick Schuh wird dabei im Vergleich zum alten Vertragswerk stärker in die Pflicht genommen, Leistungen zu erbringen. Während der neue Gesellschaftsvertrag gleich nach Beendigung der Versammlung in Kraft trat, bedarf es zum Wirksamwerden der Beitrittsvoraussetzungen der Unterschrift jedes einzelnen Kommanditisten, da es sich um individualrechtliche Verträge handelt.

Obrecht zeigte sich optimistisch, dass die Franchisenehmer die Vorteile des neuen Vertrags nutzen werden. Grundlegende Entscheidungen wie die Änderung des Gesellschaftsvertrags oder die Auflösung der Gesellschaft bleiben der Gesellschafterversammlung vorbehalten. Doch im Gesellschaftsvertrag ist auch eine starke Stellung des Aufsichtsrats festgelegt. So bestimmt er die Richtlinien der Geschäftspolitik der Gesellschaft; er verabschiedet gemeinsam mit der Geschäftsführung den Etat; er ist über wichtige Vorkommnisse zu unterrichten und seine Einwilligung ist bei bestimmten Geschäften vorab einzuholen. Bei der Festsetzung der Systemgebühren oder der Werbegebühr entscheidet er gemeinsam mit der Geschäftsführung. Können sich beide Parteien nicht einigen, so ist ein so genanntes Mediationsverfahren vorgesehen. Ein Vertreter der Komplementärin und des Aufsichtsrats müssen sich dann einigen.

Die Geschäftsführung wurde auf Wunsch der Händler als stimmberechtigter Teilnehmer gestrichen. Neu eingeführt wurde eine pauschale Vergütung für die fünf Aufsichtsratsmitglieder, über deren Höhe die Gesellschafterversammlung entscheidet. Die Zahl der Stimmen, die ein Quicker maximal in der Gesellschafterversammlung vertreten darf, einschließlich der eigenen, wurde von sechs auf neun erhöht. Die Stimmenzahl ergibt sich aus der Anzahl der Geschäftsanteile und damit der Quick Schuh Geschäfte des Mitglieds. Auch die Stimmenzahl, die sich daraus ergibt wurde auf neun begrenzt.

Laut Obrecht habe man die Stellung der „Ausschließlich-Quicker“ stärken wollen. Wichtige Änderungen gab es auch in den Beitrittsvoraussetzungen, den eigentlichen Franchisebedingungen. Neu in die Verpflichtungen des Handels aufgenommen wurde die verbraucherfreundliche Bestimmung, dass Quicker untereinander berechtigte Kundenreklamationen anzunehmen haben. Neben den Pflichten des Franchisenehmers wurden auch die Pflichten des Franchisegebers definiert. Ein Fortschritt, denn, so Obrecht, „im alten Vertrag steht nichts, dass wir etwas für Sie tun müssen.“

Auch wurde beispielsweise die Regelung abgeschafft, dass mindestens 30 Prozent der Gesamtdispositionen über ein Orderprogramm mit Namen K-Programm zu erfolgen hätten. Nun müssen maximal 30 Prozent der Disposition aus einem M&M-Programm (Medien- und Modul-Programm) geordert werden, weitere 30 Prozent über ein Sammelauftragsprogramm wie bisher.

Von der M&M-Programm-Verpflichtung ist jedes dritte Quick Schuh Geschäft eines Kommanditisten ausgenommen. Zwecks höherer Flexibilität wurden 9er- und 15er-Sortierung in die Standardsortimente aufgenommen, nach denen geordert werden muss. Abgeschafft wurden auch die Umsatzgrößenklassen, nach denen die Zuteilungen definiert wurden. Das M&M-Programm orientiert sich an der kleinsten Klasse und umfasst in vier Stufen insgesamt 96 Sortimente.

Strittig war auf der Versammlung, was als Vertragslieferanten zu definieren sei. Geschäftsführung und Aufsichtsrat müssen hierzu mit der Warenkommission eine Liste erarbeiten, die dann die aktuelle Liste der gelisteten Lieferanten darstellt. In diesem Zusammenhang wurde Kritik an der Warenversorgung durch den ANWR-Vertrieb deutlich geäußert. ANWR eG-Vorstand Joachim Siebert und Warenvorstand Harald Neisser wandten sich energisch dagegen, dass Quick Schuh sich in Richtung eigenständige Verbundgruppe entwickeln könnte. Auch Lieferantenbeziehungen ohne Zentralregulierungsvertrag mit ANWR/DZB lehnte Neisser kategorisch ab.

Abhilfe versprach Neisser durch die Ausweitung der Lieferanten des Sammelauftragsprogramms sowie die Bereitstellung zweier Einkäufer ausschließlich zur Quickschuhbetreuung. Zudem sollen Quick-Aufsichtsrat und ANWR-Beirat enger zusammenarbeiten. Auch eine Niedrigpreisveranstaltung adäquat den ANWR-Fashion Days sei vorstellbar. Man scheue den Wettbewerb mit anderen Lieferanten nicht, so Neisser. Durch die Erarbeitung einer Liste der gelisteten Lieferanten für das Sammelauftragsprogramm und die Aufnahme dieser Tatsache in die Beitrittsvoraussetzungen hatten sich mehrere Händleranträge zur Warenversorgung vorerst erübrigt.

Bereits am Vortag der Generalversammlung berichtete Michael Bernecker vom Deutschen Institut für Marketing von Unzufriedenheit mit der Warenversorgung mit dem ANWR-Vertrieb als Hauptlieferant als einem Ergebnis einer unter Quick Schuh Händlern durchgeführten Umfrage. Schlechte Noten bekamen demnach die Verfügbarkeit der Aktionsware, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität der Ware. Aufgeholt hatte Quick Schuh im Vergleich mit einer gleichartigen Studie vor zwei Jahren im Marketingbereich. Hier liegt die Zufriedenheit der Quicker zum Teil sogar über dem Durchschnitt aller Franchisenehmer in Deutschland.

Eigenmarken, Ladenbau oder die Freundlichkeit wie auch Erreichbarkeit der Zentrale erhielten gute Noten und wurden von den Händlern besser beurteilt als vor zwei Jahren. Als verbesserungsbedürftig erwiesen sich noch der Bekanntheitsgrad und das Image bei den Verbrauchern, Kommunikation und die Stärkung des Eigenlabels. 09.05.06 Peter Skop

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