Schuhmarkt

Editorial 23/07: Schuhe lügen nicht

Nirgends sitzt der Teufel so im Detail – nirgends sonst treten die Schwächen des Trägers deutlicher zutage als an seinen Schuhen. Die Trennung sozialer Klassen ist längst nicht mehr durch das Einkommen markiert. Auch den Hochverdiener entlarvt jenes proletarische Stigma, das ihn mit Fun-Krawatten versieht oder ihn geklebte Instant-Schuhe zum Versace-Smoking tragen lässt.

 

 

Ilona Sauerbier,

stv. Chefredakteurin

Nirgends sitzt der Teufel so im Detail – nirgends sonst treten die Schwächen des Trägers deutlicher zutage als an seinen Schuhen. Die Trennung sozialer Klassen ist längst nicht mehr durch das Einkommen markiert. Auch den Hochverdiener entlarvt jenes proletarische Stigma, das ihn mit Fun-Krawatten versieht oder ihn geklebte Instant-Schuhe zum Versace-Smoking tragen lässt.

Schuhe sind Philosophie und Lebenseinstellung. Und sie lügen nie. Der Kennerblick erkennt Plain Derbys, Halfbrogues, Alt Wiener, Blücher oder Oxfords sofort. Es gibt Männer, die lässt das Thema Schuhe völlig kalt. Sie gehören zu den Konsumenten, die laut BBE jährlich nicht mehr als 82,5 Euro für Lederschuhe ausgeben, und es gibt Männer, die lieben ihre Pferdeledernen und machen einen meditativen Kult um die richtige Schuhpflege: benutzen feinste Edelholzspanner, reiben Wachs-Nerzöl-Mischungen ein und investieren jährlich so viel Geld für ihr Schuhwerk, wie andere für ihre Alufelgen und Navigationsgeräte zusammen.

Welchen Spleen wer auch immer kultiviert, fest steht, dass sich Männerschuhe seit etwa drei Saisons gut im Handel entwickeln und Traditionsmodelle die Blaupausen geliefert haben. Nicht bei allen Händlern optimal, aber zumindest bei denen, die eine gute Sortimentsarbeit leisten und vom Standort her besser aufgestellt sind. Für gepflegte Herrenschuhe sind 200 Euro inzwischen keine Ausnahme mehr, und die Kassenbons steigen zwischen vier und zehn Prozent. Es ist die neue Lust an der Wertigkeit, die das Bedürfnis nach Tradition und Handwerk beflügelt. In Citylagen mag diese Zeitgeistströmung besser funktionieren als in ländlichen Gegenden, sonst hätte sich Görtz in Frankfurt mit der neuen Premium- Männerabteilung nicht so aus dem Fenster gelegt.

Noch eins sollte Mann wissen, dass schlechte, ungepflegte Schuhe auf einen fahrigen Charkater hinweisen, so der Psychologe, während edles, gepflegtes Schuhwerk die Karriereleiter leichter bezwingen lässt. Schuhe lügen nicht

Ilona Sauerbier

 

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