Schuhmarkt

Garant-„Eigenlösung“ soll Insolvenz beenden

Die Suche nach „dem“ Investor ist gescheitert. Eine Eigenlösung soll Garant stärker machen, als vor der Insolvenz. Eine außerordentliche Hauptversammlung muss entscheiden. 25/06 Peter Skop

Die Garant Schuh + Mode AG, Düsseldorf, hat auf ihrer Hauptversammlung am 7. November 2006 die so genannte Eigenlösung zur Beendigung der Insolvenz angekündigt. Wie Insolvenzverwalter Friedrich Wilhelm Metzeler erläuterte, soll das Eigenkapital in Höhe von 10,5 Mio. Euro um 76 Prozent auf 2,52 Mio. herabgesetzt werden.

Anschließend wird das Kapital wieder auf mindestens 14 Mio. Euro heraufgesetzt. Auf diese Weise soll der Weg für strategische Partner frei gemacht werden und die bestehenden Aktionäre, mehrheitlich Fachhändler, am Unternehmen beteiligt bleiben. Eine neu zu gründende GmbH soll das heraufgesetzte Kapital zeichnen.

Metzeler wird zunächst deren Gesellschafter sein. Eine Zwischenfinanzierung soll durch Bankenkredite erfolgen. Die GmbH stellt lediglich einen Platzhalter dar. Voraussetzung für dieses Vorgehen ist ein entsprechender Beschluss einer außerordentlichen Hauptversammlung. „Nach meiner Einschätzung ist die Garant Schuh + Mode AG nicht nur gesund und profitabel, sondern sogar expansionsfähig“, erklärte Metzeler. Bei der Suche nach einem Investor war zum Ende ein ernsthafter Interessent übriggeblieben. Von dessen Verhalten zeigte sich Metzeler jedoch enttäuscht. Dieser habe ein Spiel betrieben. Obwohl es im Juni/Juli 2006 zu einem so genannten „Letter of intend“ gekommen sei, führte eine Besprechung am 19. Juli nicht zu der erhofften Einigung. Zuletzt habe der X genannte Finanzier 96 Prozent des Kapitals gefordert, um ein „Squeeze out“-Verfahren durchzuführen.

Trotz der hohen Ansprüche habe er aber keinen Finanzierungsnachweis vorgelegt. Für die nun projektierte Eigenlösung gebe es hingegen hochinteressante strategische Investoren. „Die Garant wird nach Aufhebung des Verfahrens besser dastehen als vor der Insolvenz“, prophezeite Metzeler. Das Eigenkapital der Garant solle auch über den Sanierungsgewinn, der aus einem Teilverzicht der Gläubier resultiere, wiederhergestellt werden. Für diese sei eine Quote von rund 35 Prozent berechnet. Erhebliche Mittelzuflüsse für die Gläubiger verspricht sich Metzeler aus den Schadenersatzforderungen gegen die ehemalige Salamander-Muttergesellschaft EnBW. Der Insolvenzverwalter von Salamander, Hendrik Hefermehl, habe Ansprüche in Höhe von 84 Mio. Euro angemeldet. Um die Salamander-Gläubiger zu 100 Prozent zu befriedigen, benötige er jedoch nur 25 Prozent. Die Forderungen der Garant müssten über die Zwischenholding Gamma erfüllt werden.

Um hohe Steuerverluste zu vermeiden, habe man EnBW Gespräche angeboten, damit die Garantforderungen direkt von EnBW erfüllt würden. EnBW habe sich gesprächsbereit gezeigt. In diesen wie auch vielen anderen Fragen betrete man völliges Neuland. Dies und die schwierige Sachverhaltsaufklärung begründet nach Metzeler zudem die Dauer des Verfahrens, das von einem Aktionär kritisiert worden war. Während Vorstand Frank Schuffelen die Ergebnisse des Geschäftsjahres 2005 (1. Dezember 2004 bis 30. November 2005, siehe auch SchuhMarkt 21/06) und der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2005/2006 bekannt gab, referierte Metzeler die Kennzahlen der nun endgültig festgestellten Jahre 2002, 2003 und 2004. Die Entlastung der Gremien Vorstand und Aufsichtsrat für die vergangenen Geschäftsjahre wurde von der Versammlung auf die nächste ordentliche Hauptversammlung verschoben.

Diese Vorschläge des Vorstands, wie auch die Beschlussfassungen über eine Satzungsänderung – Garant kann bestimmte Geschäfte, die als Bankgeschäfte gelten, betreiben – und die Einziehung von 21 000 eigenen Aktien gingen mit über 90-prozentiger Mehrheiten über die Bühne. Ebenfalls mit großen Mehrheiten wurden Veit-Gunnar Schüttrumpf, Gisbert Borghoff, Hendrik Danneil, Bart Dirven, Dietlinde Neumann, Claude Steinmetz, Stefan ten Doornkaat und Dr. Angelika Mintrop-Aengevelt in den Aufsichtsrat gewählt. Wirtschaftsprüferin Mintrop-Aengevelt ist neu dabei, Thomas Tiefenbacher trat nicht zur Wahl an. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres stieg das Zentralregulierungsvolumen im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 520,5 Mio. Euro.

Die Prognose für das Gesamtjahr wurde allerdings auf 730 Mio. Euro nach unten korrigiert. „Die Zurückhaltung einiger Lieferanten aufgrund der nicht gewährten Warenkreditversicherung belastet kurzfristig das Umsatzziel“, so Schuffelen. Gleichwohl hält Garant am operativen Ergebnisziel von 5,1 Mio. Euro fest. Die Umsatzerlöse stiegen um 12,2 Prozent auf 32,4 Mio, Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) der ersten neun Monate lautet auf plus 3,9 Mio. Euro, nach 1,4 Mio. Euro im Vorjahr. „Nach Berükksichtigung des negativen Zinsergebnisses, was im Wesentlichen durch insolvenzbedingte Sondereinflüsse gekennzeichnet ist, und der sonstigen Steuern erzielt Garant noch einen Jahresfehlbetrag von 2,8 Mio. Euro“, so Schuffelen.

Anstelle eines Konzernabschlusses, auf den man verzichtet habe, erläuterte Schuffelen die Entwicklung der Garant-Töchter. Die Zurückhaltung einiger italienischer Lieferanten habe zu einem Rückgang des Zentralregulierungsvolumens der Rexor um 11,7 Prozent auf 127,5 Mio. Euro geführt. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit habe sich von minus 4,4 Mio. Euro in 2004 auf plus 0,6 Mio. Euro in 2005 verbessert. Der Zentralregulierungsumsatz der Goldkrone sank von 44,6 Mio. Euro in 2004 auf 36,2 Mio. Euro in 2005, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit verbesserte sich von minus 1,4 Mio. Euro auf plus 0,3 Mio. Euro.

Die einzige noch verbliebene Einzelhandelsgesellschaft der Garant-Gruppe, die Pasito-Fricker AG im schweizerischen Spreitenbach betreibt knapp 60 Filialen in der Schweiz. Die Gesellschaft erwirtschaftete einen Umsatz von 34,2 Mio. Euro (2004: 44,1 Mio. Euro). Hier beeinflussten Restrukturierung und Schließung unrentabler Filialen das Ergebnis. Die Garex Abrechnungs GmbH erzielte Umsatzerlöse von 7,4 Mio. Euro (Vorjahr 11,9 Mio. Euro) 25/06 Peter Skop

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