Schuhmarkt

Editorial 10/08: Lustvolles Handeln

„Ich habe mir ein Paar knallrote Ballerinas gekauft, und immer wenn ich sie sehe, denke ich an einen tollen Nachmittag in Fulda.“ Jutta S., Marketingleiterin bei McDonald, ist eine Frau, die nicht gerade wenig in der Welt rumkommt, aber das Shoppingerlebnis in Fuldas neuem Concept-Store „Liebling“, der kürzlich zum „Shop of the year“ ausgezeichnet wurde, hat sie doch nachhaltig beeindruckt.

 

 

Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin

„Ich habe mir ein Paar knallrote Ballerinas gekauft, und immer wenn ich sie sehe, denke ich an einen tollen Nachmittag in Fulda.“ Jutta S., Marketingleiterin bei McDonald, ist eine Frau, die nicht gerade wenig in der Welt rumkommt, aber das Shoppingerlebnis in Fuldas neuem Concept-Store „Liebling“, der kürzlich zum „Shop of the year“ ausgezeichnet wurde, hat sie doch nachhaltig beeindruckt.

Bei Liebling gibt es neben roten Schuhen noch 1000 andere schöne Dinge, die vom exklusiven Parfum über echte Blumen bis hin zu Wohnaccessoires reichen. Auch Apropos in Köln oder das Schuhgeschäft Krursel in Münster setzen mit ihren mutigen Concept-Ideen auf liebevoll zusammengestellte Lifestylesortimente und gepflegte Lebensart, die das Kaufen zum Erlebnis machen sollen. Handel sei doch übersetzt „eine Veranstaltung der Sinne“, sagt Sabu-Chef Ralph Hanus, die sich individuell auf viele andere Geschäftsideen umsetzen ließe.

Lifestyle ist natürlich kein Garant für steigende Umsätze, aber es ist zumindest eine kleine Maßnahmen,dem Geschäft in Zeiten, wo sich jeder um die knappen Konsumentenbudgets bemüht, etwas mehr Emotion zu geben – jenseits von Wühltisch und Preisaktion. Accessoires sind zum Beispiel eine Möglichkeit, Lifestyle-Welten deutlicher zu machen, Kernsortimente damit zu arrondieren. „Letztlich geht es uns doch allen darum, die Frequenz im Laden zu erhöhen“, sagt Stefan Krursel. Es müssen ja nicht gleich Badeöle, Trinkschokolade und Orangenmarmeladen sein.

Als vor einiger Zeit die Farbe Apricot mächtig angesagt war, hat der Düsseldorfer Modehändler Eickhoff immer wieder Manfred Manns Ohrwurm aus den 60ern „Pretty Flamingo“ vor seinen Schaufenstern abgespielt. Die Leute gingen der Musik nach, bewunderten die flamingofarbenen Outifts in den Fenstern und summten vergnügt das Lied mit. Manche gingen ins Geschäft, andere bummelten zumindest mit positiver Wahrnehmung gut gestimmt weiter. Schaut man sich heute manches Schaufenster an, so ist die Wahrnehmung leider manchmal so aufregend wie Senioren-Singen.

 

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