Schuhmarkt

Editorial 07/07: Der Rubel rollt

Seit in Österreich immer öfter Damen auf der Piste zu sehen sind, die cremefarbene Versace-Overalls mit Hermelinkragen tragen, und die passenden Herren dazu Jet-Set-Anoraks ausführen, erging der Ukas von den Skischulen an ihre Lehrer, dass als weitere Fremdsprache russisch auf dem Plan steht.

 

 

Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin

Seit in Österreich immer öfter Damen auf der Piste zu sehen sind, die cremefarbene Versace-Overalls mit Hermelinkragen tragen, und die passenden Herren dazu Jet-Set-Anoraks ausführen, erging der Ukas von den Skischulen an ihre Lehrer, dass als weitere Fremdsprache russisch auf dem Plan steht.

So bemühen sich jetzt die Tonis und Franzls um die richtige Übersetzung für Bergski und Einkehrschwung. Ein Lernvorgang, den 5-Sterne-Kellner aus Antalya bereits hinter sich haben. Doch nicht nur in den Bergen schwingt die russische Seele mit. Im Geschäftsleben sind die Russen längst präsent. „Viele Unternehmen wachsen derzeit nur noch im Ausland, und oftmals kompensiert das rasante Wachstum in Russland die Probleme auf dem einheimischen Markt“, sagt Reinhard E. Döpfer, Geschäftsführer des Exportförderungsinstituts ITMM in Stuttgart. Russland sei zurzeit dynamischer als Deutschland zwischen den 50er- und 80er-Jahren.

Mit den ersten Anzeichen einer Marktsättigung rechne man erst im Jahr 2015. Wie stark das Nachholbedürfnis der Russen an qualitativ guter deutscher Ware ist, erfreut im Moment auch viele Schuhunternehmen, die während der Düsseldorfer GDS ganze Teilbereiche ihres Messestandes russischen Einkäufern frei räumten. Dem Servicegedanken noch mehr zugetan reagieren die Italiener.

Auf der Mailänder Micam waren die Worte „krassiwie obuf“ für schöne Schuhe fast genauso oft zu hören wie „belle scarpe“. Selbst die Händler in Mailands Nobelstraßen rund um die Via Napoleone stimmten ihre Schaufenster auf russische Geschmäcker ab: Golddekors en masse an luxuriösen Taschen und waffenscheinpflichtige sexy High Heels. „Hier waren dermaßen viele überladene Schuhe und Taschen in den Schaufenstern“, schmunzelt ein deutscher Messeaussteller, „die hätten wir bei uns seit einem Jahr nicht mehr verkaufen können.“

Vom allseits prognostizierten neuen Purismus nicht die Bohne. Der russische Markt verspricht glänzende Exportzuwächse. Allein in Moskau gibt es derzeit 111 Shoppingcenter mit 4 Mio. qm Verkaufsfläche, in St. Petersburg sind es 53 mit 1,8 Mio. qm. Da kann man den Düsseldorfer Messeveranstaltern und Stadtvätern zur kommenden GDS nur wünschen: Nasdarowje!

Ihre Ilona Sauerbier

 

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