Schuhmarkt

Gute Zukunft für europäische Schuhindustrie

Europas Schuhindustrie leidet unter den Billigschuhen Asiens. Doch es gibt auch positive Zukunftssignale, ist HDS-Vorsitzender Philipp F. Urban überzeugt. 05.09.06 Peter Skop

Europas Schuhindustrie leidet unter den Billigschuhen Asiens. Doch es gibt auch positive Zukunftssignale, ist HDS-Vorsitzender Philipp F. Urban überzeugt.

Auf der traditionellen Vor-GDS-Pressekonferenz führte er als wesentliche Gründe hierfür die demographische Entwicklung – nicht nur in Europa –, die europäische Schuhkultur und die Veränderungen in den Billiglohnländern selbst an. So seien die Schuhimporte aus China im ersten Halbjahr um 4,5 Prozent zurückgegangen. Aufgrund der um 25 Prozent gestiegenen Durchschnittspreise (Lederschuhe: + 37 Prozent) sei der Einfuhrwert jedoch um 19,2 Prozent gestiegen. Ein Schuh aus China kostet im Durchschnitt nun 5,14 Euro, ein Straßenlederschuh sogar 9,74 Euro.

Andererseits habe sich ein Lederschuh aus Polen um rund 20 Prozent verbilligt und koste durchschnittlich nur noch 6,78 Euro. Es sei nicht nachvollziehbar, warum nur gegen China und Vietnam Antidumpingmaßnahmen eingeleitet würden. Die Preise chinesischer Schuhe würden voraussichtlich weiter steigen, so Urban. Verantwortlich dafür seien die steigenden Lohnkosten. So sei der durchschnittliche chinesische Monatslohn, der 2005 noch 99 US-Dollar betragen habe, im ersten Halbjahr 2006 um 30,7 Prozent gestiegen. Weitere Steigerungen seien in der nächsten Lohnrunde im September zu erwarten.

Hinzu komme die zunehmende Schwierigkeit der chinesischen Schuhindustrie, in den angestammten Produktionsgebieten ausreichend (preiswertes) Fachpersonal zu rekrutieren, so dass die Hersteller weiter ins Landesinnere ausweichen müssten. Vermehrt würden europäische Schuhfirmen, die Kooperationen in China begonnen haben oder beginnen wollten, erklären, dass sie nun darauf verzichten und sich verstärkt auf die Produktion in Europa oder an anderen Orten konzentrieren wollen. Europa, aber auch Südamerika, müssten versuchen, mit hochwertigen Produktsegmenten wie Wellness, Komfort und Kinderschuhen dem Wettbewerb mit China standzuhalten.

Der steigende Anteil älterer Menschen, nicht nur in Europa, erfordere qualitativ hochwertige, passformgenaue und modische Schuhe. Während im Jahr 2005 hochgerechnet rund 13,4 Mrd. Paar Schuhe gefertigt wurden (davon knapp 8 Mrd. in China, 59,5 % der Weltproduktion), werden im Jahr 2050 rund 21 Mrd. Paar benötigt werden – einen durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 2,2 als konstant vorausgesetzt. Diesen Bedarf werde China allein nicht decken können, zumal ein immer größerer Anteil der Produktion im Land selbst konsumiert werde.

Hinzu komme, dass bereits heute rund 130 Mio. Chinesen in der Lage sind, Preise europäischen Niveaus zu zahlen. Für die europäische sowie die nord- und mittelamerikanische Schuhindustrie hatte die asiatische Konkurrenz heftige Produktionsrückgänge zur Folge. Nach Urbans Ansicht wird die Schuhproduktion in Europa (EU 25) im Jahr 2006 rund 600 Mio. Paar und damit ihren Tiefpunkt erreichen. Ihr Anteil an der Weltproduktion hat sich seit 1998 (1147 Mio. Paar, 10,4 % der Weltproduktion) auf 678,4 Mio. Paar oder 5,2 % im Jahr 2005 glatt halbiert.

Die europäische Schuhindustrie verfüge jedoch über „exzellente Designer und Modelleure, gute ausgeweitete Kontakte und Verflechtungen sowohl mit den Lieferanten, als auch mit der Abnehmerseite und über exzellente Mitarbeiter“, ist Urban überzeugt. Die Länder Südeuropas, die sich für Antidumpingmaßnahmen gegen China und Vietnam stark machten, krankten daran, dass sie ihre Industrie nicht umstrukturierten. „Die Handwerker aus dem 18. Jahrhundert haben keine Zukunft“, so Urban. 05.09.06 Peter Skop

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