Schuhmarkt

Schlechte Noten

Die deutsche Modebranche hat in Europa keinen guten Ruf. Vom Design her höchstens Mittelmaß, urteilen die Fachkollegen. Auch die deutsche Zuverlässigkeit lasse zu wünschen übrig. SM 01/06

Die deutsche Modebranche hat in Europa keinen guten Ruf. Vom Design her höchstens Mittelmaß, urteilen die Fachkollegen. Auch die deutsche Zuverlässigkeit lasse zu wünschen übrig. SM 01/06 Herbe Kritik bekam Unternehmensberater Hermann Fuchslocher zu hören, als er sich aufmachte, den Ruf der deutschen Modebranche im Ausland zu ergründen. Früher war alles besser, morgen wird es noch schlechter als heute sein, lautet das wenig optimistische Resümee seiner Umfrage bei rund 700 Entscheidern in Handel und Industrie europaweit. Stand Deutschland früher für Qualität, Forschung und Entwicklung und Erfindungen, so sehen die Befragten für die Zukunft der deutschen Modebranche schwarz. Qualität und Innovationen ungenügend,Versetzung gefährdet? Der deutsche Markt ist allein wegen seiner schieren Größe für das Ausland interessant. 80 Mio. Einwohner hat kein anderes europäisches Land aufzuweisen. Doch werden ihm gleichzeitig viele negative Eigenschaften zugeschrieben. Die Deutschen hätten ein zu großes Preis- und ein zu geringes Leistungsbewusstsein. Sie seien zu sehr mit sich selbst beschäftigt, zu introvertiert, neigten zu Abschottung und Gruppenbildung. Kurz gesagt: Der deutsche Binnenmarkt reizt als Absatzmarkt, doch nur wenige können sich vorstellen, dass er innovative Konzepte gebiert. Zumal die Industrie ebenfalls keine Bestnoten erhält. Zu trendunsicher, keine effektiven Marktforschungsinstrumente, zu statisch, zu zielgruppen- statt lifestyleorientiert. Gleichzeitig seien die Kollektionen zu individuell auf Deutschland ausgerichtet, es fehle ihnen internationales Profil. Und selbst bei Distribution und Logistik sehen die europäischen Kollegen nur Mittelmaß. Von deutschem Organisationstalent keine Spur. Fuchslochers Fazit aus dieser Umfrage: Die deutsche Modebranche muss wieder innovativer werden, sich auf ihre Stärken besinnen und nach außen hin einheitlicher, mit nationaler Identität und großen Branchenmessen auftreten. Die Studie zeigt, dass Deutschland nicht nur selber jammern kann. Die europäischen Konkurrenten nehmen sich die Lage der Nation sehr zu Herzen und nutzen sie geschickt im internationalen Konkurrenzkampf. Zumal die nationale Zuordnung von Marken immer schwieriger wird. Hugo Boss, zum Valentino Fashion Konzern gehörig, wird in Italien selbstverständlich als italienisches Unternehmen bezeichnet. Und auch bei Bruno Banani, dem Modefuchs 2005, denkt keiner an eine sächsische Erfolgsgeschichte. SM 01/06 Dagmar Rees

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