Schuhmarkt

Europas Verbraucher müssen geschützt werden

Paolo Zegna, Präsident des italienischen Modeverbandes Smi und Konzernchef der Nobelfirma Ermengildo Zegna besteht auf die Einführung der Ursprungsbezeichnung im Modebereich. 04.10.06 Thesy Kness-Bastaroli

Paolo Zegna, Präsident des italienischen Modeverbandes Smi und Konzernchef der Nobelfirma Ermengildo Zegna besteht auf die Einführung der Ursprungsbezeichnung im Modebereich und empfindet es als „allarmierendes Signal“, sollte die EU-Kommission am 6. Oktober nicht die Antidumping-Maßnahmen gegenüber China fortsetzen.

Schuhmarkt: Herr Zegna, Sie drängen weiterhin auf die obligatorische Einführung der Ursprungsbezeichnung im Modebereich. Sind Sie wirklich davon überzeigt, dass die Verbraucher gewillt sind, höhere Preise für ein Produkt „made in Italy“ zu zahlen und dass eine entsprechende EU-Maßnahme die Branche sanieren kann.

Zegna: Ich weiss nicht, ob dadurch der Verbrauch des „made in Italy“ wächst. Der Verbraucher hat aber das Recht, darüber informiert zu werden, woher die gekaufte Ware stammt. Uns geht es in erster Linie darum, die Verbraucher zu schützen. Der Konsument kann dann entscheiden, ob er mehr für ein in Europa hergestelltes Produkt ausgeben will oder nicht.

Schuhmarkt: Zahlreiche EU-Länder sind gegen die Einführung der Ursprungsbezeichnung. Auch Deutschland hat dagegen gestimmt.

Zegna: All jene Länder, wo die Lobby der Händler und Importeure besonders stark ist, sind gegen die Etiketten. Es sind nicht so sehr die asiatischen Hersteller, sondern etwa multinationale Schuhfirmen, die sich vehement gegen die obligatorische Ursprungsbezeichnung wehrten. Möglichweise bahnt sich aber eine Trendwende an.

Schuhmarkt: In Italien wurden während der Ex-Regierung Berlusconi Stimmen laut, Schutzzölle auf Waren made in China einzuführen. Sind sie für entsprechende Maßnahmen? Würden Sie den heimischen Firmen im Preiskampf gegen die Asiaten nutzen.

Zegna: Eines ist klar. Unsere Firmen sind im Preiswettbewerb gegenüber der asiatischen Konkurrenz unterlegen. Wir können nur mit Innovation und Qualität punkten. Auch ist die Zeit der Schutzzölle endgültig vorüber. Entsprechende Maßnahmen sind nicht nur gegen den Zeitgeist sondern wären auch für die heimische Industrie kaum eine Hilfe. Ich plädiere aber, dass für alle Länder die gleichen Regeln gelten. Die Regierung muss darüber wachen, dass entsprechende Regeln befolgt werden und Druck ausüben, dass tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse aufgehoben werden. Auch muss das geistige Eigentum stärker geschützt werden. Ministerpräsident Romano Prodi hat auf seiner Chinareise dieses heikle Argument angesprochen.

Schuhmarkt: Die zuständige EU-Kommission wird am 6. Oktober entscheiden, ob die gegen die chinesischen Schuhfirmen erlassenen Dumping-Maßnahmen fortgesetzt werden. Was passiert, falls die Antidumpingmaßnahmen nicht verlängert werden?

Zegna: Das würde ich als allarmierendes Signal sehen. Es ist äußerst schwer zu beweisen, wann wirkliches Dumping vorliegt und dass entsprechendes Dumping auch zum Schaden unserer Firmen reicht. So besteht etwa ein klares Dumping bei den chinesischen Lieferungen von Baumwollhosen. Da aber in Europa kaum mehr Baumwollhosen hergestellt werden, können wir nicht nachweisen, dass uns das Dumping schadet. 04.10.06 Thesy Kness-Bastaroli

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