Schuhmarkt

Editorial 09/05: Gelassenheit

Lässigkeit, Gelassenheit – die Schlagworte, um die Mode kreist, propagieren die neue Leichtigkeit des Seins. In Mode übersetzt bedeutet sie leichte fließende Stoffe, grazile Schuhe, fein gestaltete unterstellte Absätze. Im Ladenbau drückt sich die Schwerelosigkeit in transparenten Materialien und einem Lichtdesign aus, das die Ware scheinbar schweben läßt. Orientierung und Ruhe sollen die Läden ausstrahlen, doch keine Langeweile.

Dagmar Rees Chefredakteurin Lässigkeit, Gelassenheit – die Schlagworte, um die Mode kreist, propagieren die neue Leichtigkeit des Seins. In Mode übersetzt bedeutet sie leichte fließende Stoffe, grazile Schuhe, fein gestaltete unterstellte Absätze. Im Ladenbau drückt sich die Schwerelosigkeit in transparenten Materialien und einem Lichtdesign aus, das die Ware scheinbar schweben läßt. Orientierung und Ruhe sollen die Läden ausstrahlen, doch keine Langeweile. Wer Designern zuhört, sieht japanische Gärten vor sich, gelassene Mönche in buddhistischen Klostern. Nicht von ungefähr finden Kirschblüten, Kimonostoffe und alte asiatische Handwerkstechniken ihren Widerhall in den neuesten Kollektionen. Doch zu viel Harmonie ist nichts für westliche Seelen. Kontraste müssen her, Widersprüche: Military-Stil in der Kleidung, voluminöse Keil- und Plateausohlen und derbe Leder bei den Schuhen. Der kommende Modesommer wird widersprüchlich. Farbe wird zurückgenommen, doch die Ansprüche an die Details steigen. Positiv für den Schuhhandel ist besonders, dass mit dem Spiel der Kontraste Accessoires an Bedeutung gewinnen. In der Tendenz nimmt sich die Oberbekleidung etwas zurück, wodurch die Schuhe ins rechte Licht gerückt werden. Können die Schuhhändler jetzt etwas gelassener in die Zukunft blicken? Erstmals seit Jahren zeigten sich Schuhhändler in SchuhMarkt-Umfragen mehrheitlich optimistisch. Dabei sind die Rahmenbedingungen unverändert schwierig: flaue Konjunktur, hohe Arbeitslosigkeit, Abwanderung von Käufern in große Zentren, harte Konkurrenz von Billig-Anbietern jedweder Art. Auf der Positivseite steht, dass die Lust am – modischen – Schuh wieder im Steigen begriffen ist und sich auch in manchen Wochen in guten Umsätzen ausdrückte. Außerdem wird immer öfter davon gesprochen, dass die Kunden es müde sind, immer nur auf den Preis zu achten, getreu der schwäbischen Maxime „Was nichts kostet, ist nichts wert“. So stehen die Zeichen der Zeit vielleicht wirklich auf Gelassenheit – verstanden als Innehalten, Überprüfen der eigenen Positionen, Betonen von Stärken, Verbessern von Schwächen. Gelassenheit bedeutet hier, sich selbst treu zu bleiben, nicht alles sofort nachmachen zu müssen, was der Nachbar macht, seinen eigenen Kurs beizubehalten. Gelassenheit ist nicht Selbstzufriedenheit. Nur immer das zu machen, was sich in der Vergangenheit bewährt hat, ist kein Zukunftskonzept. Die Kunst besteht im Handel wie in der Mode darin, seinem Stil treu zu bleiben und gleichzeitig immer aktuell zu sein.

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