Schuhmarkt

Die Richtung stimmt

Die Pirmasenser Carl Semler Schuhfabrik sieht nach einem schwierigen Jahr 2006 zuversichtlicher in die Zukunft. Geschäftsführer Jürgen Becker meint, die Mitarbeiter könnten Vertrauen in ihre Arbeitsplätze haben. Fred G. Schütz 15/07

Wir brauchen unsere Mitarbeiter hier vor Ort, und die sollen auch das Vertrauen haben, dass ihre Arbeitsplätze sicher sind“, sagt Jürgen Becker Geschäftsführer der Pirmasenser Carl Semler Schuhfabrik.

Nach einem wechselvollen Jahr 2006 sieht das alteingesessene Pirmasenser Unternehmen deutlich zufriedener auf die bisherigen Ergebnisse des Geschäftsjahres 2007. „Das letzte Jahr war sehr, sehr schwierig”, sagt Becker. „Ein ewig langer Winter bis Anfang April und bis dahin kein Frühjahr/Sommer-Geschäft. Als es langsam los ging, kam die WM, die dem Schuh- und Textilhandel keine Umsätze bescherte. Anfang Juni war die Sommersaison schon gelaufen.”

Mit-Geschäftsführer Stefan Markert ergänzt: „Bei den Nachbestellungen hat dann der Handel gebremst, weil er Angst hatte, zum 31. Dezember 2006 Lagerbestände zu haben, die sich über Nacht um drei Prozent entwerten. Kein leichtes Jahr, aber wir haben es einigermaßen hingekriegt.” Dieser Situation und vor allem der Mehrwertsteuererhöhung sei auch die Entlassung von rund 20 Mitarbeitern geschuldet gewesen. Heute „stimmt die Tendenz, es besteht aber keinerlei Anlass zur Euphorie. Wir haben noch ein gutes Stück Wegs vor uns“, sagt Becker.

Heute beschäftigt Semler rund 160 Menschen in Pirmasens, davon lediglich rund 25 im ausschließlich kaufmännischen Bereich. Weitere 320 stehen beim Semler-Eigenbetrieb und Lohnfertigern in Ungarn unter Vertrag. Mit diesem Personal fertigt Semler täglich 2300 Paar Schuhe, die Hälfte davon in Pirmasens. „Wir brauchen den Lohnkostenmix unbedingt, um preislich konkurrenzfähig zu bleiben”, sagt Markert. Denn nach wie vor hat sich der Fachhandel, an den Semler nahezu ausschließlich liefert, noch nicht von den sogenannten optischen Preisen (99,99 Euro) verabschiedet. Der Preisdruck wird trotz gestiegener Energie- und Beschaffungskosten überwiegend an die Fabrikanten weitergegeben.

Semler verkauft seine modischen Bequem-Schuhe in zwei Design-Linien zu 80 Prozent auf dem deutschen Markt. Der erlebe derzeit eine Erholung, die sich in den Auftragsbüchern bei Semler positiv niederschlägt. Vor allem die „konsumige Mode” der Semler-Select-Kollektion ist für die Auftragseingänge verantwortlich. Wachstum scheint aber, wie bei den Wettbewerbern, überwiegend auf den Auslandsmärkten möglich. Semler hat aktuell seinen Vertrieb in Frankreich völlig neu aufgestellt, kooperier t mit einer Distributionsorganisation und ist nun mit fünf statt bisher einem Außendienstler im Nachbarland präsent.Wachstumschancen sieht man auch in Skandinavien.

„Die 20-Prozent-Marke im Auslandsgeschäft werden wir dieses Jahr aber sicher knacken”, ergänzt Markert. Wichtig sei es, mit den Semler-Modellen eine möglichst breite Käuferschicht anzusprechen. Entsprechend wolle man durch Schulungen das Verkaufspersonal im Fachhandel motivieren, Semler-Schuhe anzubieten. „Die Verkäuferinnen sind ein ganz entscheidender Faktor, wenn die einem Fabrikat positiv gegenüber eingestellt sind. Hier ist zweifelsohne noch Potenzial für uns vorhanden”, sagt Becker. Von der strikten Fachhandelsbindung möchte Semler allerdings nicht abgehen, eine Präsenz in einem Outlet-Center ist für das Unternehmen damit kein Thema. Einerseits deshalb, weil die vergleichsweise hochpreisigen Schuhe (in der Spitze etwa bei 125 Euro im Laden) den Fachhandel brauchen, man anderseits auch nicht das Risiko eingehen wolle, diese Partner zu verprellen. Denkbar sei eine aufwändigere Präsentation der Semler-Schuhe im Laden selbst. Fred G. Schütz 15/07

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