Schuhmarkt

Ende einer Kategorie?

Die Anbieter komfortabler Schuhe sind mit dem Geschäft zufrieden. Doch die Kategorie Komfortschuh wird zunehmend undeutlicher. Der Verbraucher besteht auf schönen Schuhen, die selbstverständlich bequem sind. 13/06 Peter Skop

Die Anbieter komfortabler Schuhe sind mit dem Geschäft zufrieden. Doch die Kategorie Komfortschuh wird zunehmend undeutlicher. Der Verbraucher besteht auf schönen Schuhen, die selbstverständlich bequem sind.

Die Unternehmen, die zum Thema Komfortschuh von SchuhMarkt befragt wurden, äußerten durchweg eine positive Entwicklung. „Vororder Herbst/Winter 2006/07 mit zweistelligem Plus abgeschlossen“, heißt es beispielsweise bei Timberland oder Caprice. Auch für das Jahr 2007 schauen die Hersteller von bequemem Schuhwerk optimistisch in die Zukunft. Selbst die geplante Mehrwertsteuererhöhung verbreitet nicht wirklich Schrecken und hat „keine größere Rolle gespielt“, berichtet Xsensible.

Der Umgang mit dem Thema spiegelt ein breites Spektrum wider und reicht von „komplett schlucken“ bis „nötig, Preiserhöhungen durchzusetzen“. Viele sind derzeit noch in der Abstimmungsphase.

Weiterhin ein Wachstumsmarkt

Die Chancen, Preiserhöhungen durchsetzen zu können, scheinen nicht schlecht. Allgemein wird im Komfort- und Wellnessschuhbereich ein Wachstumsmarkt gesehen. Nicht zuletzt im Hinblick auf die alternde Gesellschaft. „Mit zunehmendem Alter suchen Verbraucherinnen und Verbraucher stärker nach qualitativ hochwertigem Schuhwerk, das den Anforderungen der Füße Rechnung trägt und Komfort bietet“, meint Corinna Wehlen, für die Unternehmenskommunikation bei Birkenstock zuständig.

Wichtiger als eine Altersgruppe sei jedoch die Kenntnis der Kunden im Einzugsbereich des Händlers. Gerade Birkenstock zeigt, dass eine Komfortschuhmarke zum Trendlabel (Stichwort: Heidi Klum) werden kann. „Es gibt heute in jeder Generation in gleichem Verhältnis modisch und weniger modisch eingestellte Frauen“, erklärt Caprice-Geschäftsführer Jürgen Cölsch.

Mephisto-Geschäftsführer Rolf Konrad stellt drei Hauptkategorien von Verbrauchern fest: Käufer, die sich aufgrund ihres überdurchschnittlichen Einkommens generell Qualitätsprodukte leisten, Menschen, die aufgrund ihres Berufs in gute, komfortable Schuhe investieren, und Menschen, deren Fuß-, Rücken- oder sonstige Gesundheitsprobleme das Tragen von hochwertigen Komfortschuhen notwendig machen.

Als weiteren Grund für das Tragen von Komfortschuhen wird die Einsicht der Verbraucher genannt, angesichts sinkender Krankenkassenleistungen selbst in die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden zu investieren. Nicht zuletzt werden die Käufer von Komfortschuhen immer jünger, weil auch die Schuhe immer modischer werden, zeigt sich Waldi Schuhfabrik überzeugt. Eine Meinung, der sich die Mehrheit der befragten Anbieter absolut anschließen kann.

„Eine klare Abgrenzung ist nur noch zum orthopädischen Segment hin sinnvoll“, meint Uwe Decker, Verkaufsleiter bei Josef Seibel. „Eine klare Trennung war vielleicht vor zehn Jahren noch der Fall, als Komfortschuhe noch so aussahen wie Komfortschuhe“, meint Marcel Schmidt von Ecco. „Die moderne Frau jeden Alters erwartet heute, dass sie im Fachhandel gut passende Schuhe kaufen kann, ohne dabei in die Bequemschuhecke gehen zu müssen“, verdeutlicht Cölsch die Verbrauchersicht. Die Zeiten, als die Kunden zwischen modischen oder bequemen Schuhen wählen mussten, sind längst vorbei, auch wenn Christa van den Broek, Marketing Manager bei Xsensible, die Entwicklung in Deutschland hin zu modischem Aussehen zu langsam verläuft.

Komfortmarken, die diesen Trend nicht aufgriffen, würden über kurz oder lang durch die Mainstreamer geschlukkt. Als Grund für die Langsamkeit sieht sie eine defensive Haltung der Händler sowie die Marktdominanz deutscher Marken, die den Konservatismus unterstützten. „Der Handel nimmt manche Entwicklungen der Industrie nicht an“, meint Harald Weyergans, Berater der Marke Theresia M.Teilweise noch recht „altbacken“ komme die Warenpräsentation im Fachhandel daher angesichts der sich als aktiv und lebensfroh sehenden best ager, heißt es bei Ecco.

Die Grenzen werden fließend

Sind für die einen die Grenzen zwischen modischem Schuh oder Sportschuh auf der einen Seite und Komfortschuh auf der anderen aufgehoben, sehen sie andere als lediglich fließend an. „Komfortschuhe zeichnen sich auch durch ein Mehrweitensystem aus, so dass wir zum Beispiel bis Weite M anbieten, und grenzen sich damit von modischen Schuhen erheblich ab“, so Marina Dauer. Und Stefan Yoon, Marketingleiter bei Ganter, sieht das Begriffspaar „weich und leicht“ als absolut nicht ausreichend für die Definition eines Komfortschuhs. Passform, Dämpfung, Führung und Unterstützung gehören für ihn dazu. „Nur wer sich intensiv mit der menschlichen Anatomie und Biomechanik auseinandersetzt, ist in der Lage, wirklich funktionale Komfort- und Gesundheitsschuhe zu bauen beziehungsweise ihre Entwicklung weiter zu führen“, lautet sein und Ganters Credo.

Bei echten Komfortschuhen wird immer das gesunde Gehen, Stehen und Laufen im Mittelpunkt stehen, heißt es aus dem Hause Betula. Britta Beumers, Marketing- Managerin bei Berkemann, glaubt, dass die Grenzen tatsächlich verschwimmen. „Allerdings obliegt die Aufgabe, den Bedarf des Marktes in Bezug auf bequeme Schuhe als erste zu erkennen und umzusetzen, weiterhin den Bequemschuhherstellern.“ Im Gegenzug werde das Design von den modischen Schuhherstellern aufgenommen. „Im Markt herrscht quasi ein gegenseitiges Befruchten“, so Beumers.

Weyergans sieht den Markt in drei Bereiche aufgeteilt, die auch den drei neuen Linien von Theresia M. entsprechen: City: schicke Sportivität mit Komfort, Fits: weiche sportliche Wellnessschuhe und Spezial: die optisch aktualisierte klassische Komfort-Linie. Erfreulich für den Schuhfachhandel ist das allseitige Bekenntnis der Hersteller zu eben dieser Vertriebslinie. Discounter, Grüne Wiese oder SB-Geschäfte, die ohne intensive Beratung durch geschultes Fachpersonal auskommen, sind allgemein verpönt. Verbraucher, namentlich die Generation 50+, seien wesentlich markenbereiter, erklärt Marina Dauer. „Für uns Hersteller und den Handel bedeutet das die Chance, dass man dem Kunden mit einem differenzierten, motivierenden Markenimage eine bessere Orientierung geben kann. Man sollte sich mehr auf Marken konzentrieren und diesen eine entsprechende Fläche am POS zur Verfügung stellen“, so Dauer 13/06 Peter Skop

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