Schuhmarkt

Carl Semler entlässt 20 Mitarbeiter

Becker: Kostensenkung wegen Mehrwertsteuererhöhung notwendig. 08.05.06 Fred G. Schütz

Die Pirmasenser Carl Semler Schuhfabrik GmbH & Co wird 20 Mitarbeiter entlassen, weil das Unternehmen sonst nicht mehr in den angepeilten Grenzpreislagen um 99 Euro anbieten könne, wenn die Mehrwertsteuer 2007 erhöht werde, sagte Semler-Geschäftsführer Jürgen Becker dem Schuhmarkt.

Die betrieblichen Kündigungen sind bereits bei der Agentur für Arbeit angezeigt worden, allerdings noch nicht ausgesprochen. Die Belegschaft war in einer Betriebsversammlung informiert worden, wie der Leiter des Bezirkes Pirmasens der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Klaus Lehmann bestätigte.

Die Argumente der Arbeitgeberseite seien von den Beschäftigten „verärgert und mit Unverständnis” aufgenommen worden. Vor allem der Wunsch der Geschäftsleitung, mehr und mehr der Produktion an den bereits bestehenden Standort in Ungarn zu verlagern, stoße bei der Semler-Belegschaft auf Widerstand.

Die Arbeitnehmerseite argumentiere, so Lehmann, dass die Ware aus Ungarn wegen Qualitätsmängeln häufig nachgearbeitet und repariert werden müsse. Zudem werde immer wieder das ungünstige Verhältnis von Gewerblichen zu Angestellten von, nach Gewerkschaftsangaben, 2:1 bei Semler in Pirmasens angesprochen. „Semler versucht mit einer Salamitaktik in Pirmasens Stellen zu Gunsten von Ungarn abzubauen”, sagte Lehmann auf Anfrage gegenüber dem Schuhmarkt. Semler hatte zuletzt im März 2004 35 Mitarbeiter entlassen, seit dem Jahr 2002 insgesamt 54. Die neuerlichen Entlassungen sind sogenannte „Anzeigepflichtige Entlassungen nach Paragraph 17 Kündigungsschutzgesetz”, weil mehr als zehn Prozent der Belegschaft gehen müssen.

Semler-Geschäftsführer Becker rechtfertigte die Entlassungen damals wie heute damit, das Unternehmen insgesamt konkurrenzfähig zu erhalten. Becker hatte im März dieses Jahres gegenüber der Tageszeitung „Die Rheinpfalz” in Pirmasens gesagt, man sei „zufrieden mit dem Anfang des Jahres”. Allerdings sei der Start in den Frühling im Schnee stecken geblieben. „Die Stimmung im Handel ist nicht gut”, wird Becker zitiert. „Außerdem versuche der Handel, noch verstärkt durch die angekündigte Mehrwertsteuererhöhung, seine Lagerbestände herunter zu fahren”, heißt es dort weiter.

Becker macht die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent im kommenden Jahr für die Entlassungen verantwortlich. Zudem sei bereits in Bologna abzusehen gewesen, dass die Lederpreise steigen werden. „Das sind zusätzliche Kosten, die wir nicht in vollem Umfang weitergeben können”, sagte Becker gegenüber dem Schuhmarkt. Entsprechend müsse auf der Kostenseite gespart werden. In Ungarn werde zu einem Fünftel der hiesigen Lohnstückkosten produziert. „Wir brauchen diese Kostenreduktion”. Deshalb sei eine weitere Produktionsverlagerung ins Ausland notwendig. Becker sagte, das Unternehmen wolle, wie auch vor zwei Jahren, freiwillig einen Sozialplan anbieten. 2004 waren überwiegend relativ frisch eingestellte Mitarbeiter entlassen worden, bei den derzeitigen Entlassungen seien auch Betriebsangehörige betroffen, „die bis zu 20 Jahren dabei sind”, sagte Becker.

Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer befinden sich derzeit in Verhandlungen und haben sich der rechtsanwaltlichen Hilfe von Arbeitsrechtsspezialisten versichert. Semler produziert rund 500 000 Paar Bequemschuhe pro Jahr zu einem VK von um die 99 Euro. Der Umsatz liegt bei rund 25 Millionen Euro jährlich. In der Fertigung in Pirmasens werde die Produktion in der Stepperei von 350 auf 250 Paar herunter gefahren, in der Montage von 1150 auf 900. Nach den Entlassungen werden in Pirmasens rund 160 Menschen beschäftigt bleiben, im Tochter-Werk in Ungarn sind es 200. darüber hinaus stehen in Rumänien und Ungarn weitere 200 bis 300 Menschen in der Lohnfertigung für Semler in Lohn und Brot. Semler wurde 1863 gegründet und ist eine der ältesten Pirmasenser Schuhfabriken. 08.05.06 Fred G. Schütz

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