Schuhmarkt

Platzhirsch im „Veedel“

Im Kölner Stadtteil Sülz hat sich das Schuhhaus Werner mit großem Erfolg auf Kinderschuhe spezialisiert, die Mütter kaufen eher nebenbei für sich. Die Kundschaft tummelt sich auf dem Spielplatz gleich nebenan. 14/06 Ulrike Lach

Damenschuhe laufen im Schuhhaus Werner überwiegend im Zusatzverkauf. Nachdem der Nachwuchs mit neuem Schuhwerk ausgestattet wurde und zufrieden die „Belohnungsgummibärchen“ lutscht, dürfen die Mütter auch noch mal schnell einen Blick in „ihre Abteilung“ werfen.

Die spielt bei Werner im Kölner Stadtteil Sülz inzwischen allerdings nur noch eine Nebenrolle. Die Stars in dem familiengeführten Fachgeschäft sind ganz klar die Kinderschuhe. Ihnen steht mit 160 Quadratmetern über die Hälfte der Verkaufsfläche zur Verfügung. Die letzte räumliche Erweiterung gab es 2003: Damals wurde ein benachbarter Durchgang zum Hinterhof geschlossen und in die Verkaufsfläche integriert. Mit diesem Umbau wurden sozusagen die letzten Spuren der Anfangsjahre beseitigt, denn in dem Hinterhof begann Heinz Werner 1971 als Seiteneinsteiger mit dem Verkauf von Schuhen.

1980 übernahm er das jetzige Ladenlokal an der Rheinbacher Straße mit Schaufensterfront zum Auerbachplatz, einem beliebten Treffpunkt im „Veedel“. Zweimal in der Woche findet hier ein belebter Wochenmarkt statt und rund um die Uhr tummelt sich auf dem Spielplatz Werners Kundschaft. Der Stadtteil Sülz hat sich in den letzten Jahren gemausert und gehört zu den kinderreichsten und bei Familien beliebtesten Wohnvierteln in Köln.

Diese Entwicklung hat Frank Werner, der seit 1990 im elterlichen Unternehmen tätig ist, dazu bewogen, den Fokus auf Kinderschuhe zu legen: „Wir haben diese Nische für uns entdeckt und immer weiter ausgebaut. In Köln gibt es kein Fachgeschäft mit einer ähnlichen Auswahl.“ Werner bewegt sich mit seinem Sortiment bewusst ausschließlich im mittleren und niedrigen Preisbereich: „Wir führen keinen Schuh, der teurer ist als 69,90 Euro und ausschließlich Marken, die dem WMS-System angeschlossen sind.“

Italienische oder französische Designerschuhe gibt es bei Werner nicht. Dafür fast alles von Ricosta, Superfit, Richter, Der kleine Muck, Däumling und Jela. Mit dieser Markenauswahl konnte Werner auch den Verlust der Elefanten-Schuhe kompensieren, die früher eine wichtige Rolle im Sortiment gespielt haben. Um die vorhandene Fläche optimal ausnutzen zu können, hat sich der 39-Jährige eine besondere Präsentationsform ausgedacht: Die beiden Schuhe eines Paares sind nicht nebeneinander, sondern hintereinander platziert. „So können wir bei gleicher Stellfläche doppelt so viele Schuhe unterbringen. In Größe 25 haben wir zum Beispiel Platz für 120 verschiedene Modelle.“

Die große Auswahl ist aber nicht der einzige Erfolgsfaktor des Schuhhauses Werner. Durch eine knappe Kalkulation, die Ausnutzung von Mengenrabatten und eine geschickte Einkaufspolitik kann Werner seine Markenschuhe zu dauerhaft attraktiven Preisen anbieten. „Ich habe Anfang Juni noch Sandalen eingekauft und übernehme häufig Restanten sowie Lieferpakete, die nicht durchgängig größensortiert sind.“ In den Monaten Februar bis Mai gingen mehr als 8000 Paare Kinder- und Jugendschuhe im Größenspiegel 17 bis 43 über die Verkaufstheke. Seit sieben Jahren verzeichnet Werner in diesem Sortimentsbereich zweistellige Umsatzzuwächse.

Dabei profitiert er auch davon, dass die Konkurrenz immer schwächer wird. Im letzten Jahr hat der Kinderschuhfilialist „Der kleine Schuh“, der auch eine Filiale in Sülz hatte, aufgegeben, so dass im Viertel nur noch ein Mitbewerber im vergleichbaren Segment übrig geblieben ist. Außerdem reicht der Ruf längst über die Grenzen von Sülz hinaus: „Mittlerweile kommen die Kunden aus ganz Köln und sogar aus dem Umland zu uns.“ Dies verdankt der 39jährige auch seinen regelmäßigen Anzeigen mit dem Slogan „Markenschuhe zu günstigen Preisen“, die monatlich in verschiedenen regionalen Familien- und Veranstaltungsmagazinen geschaltet werden. Aber noch effektiver ist die Mundpropaganda, die unter Müttern bekanntermaßen besonders gut funktioniert. Und bestimmt auch unter den Kindern, denn die bekommen bei jedem Einkauf eine Tüte Gummibärchen sowie eine Bullyland-Figur als Give-away. Es soll Kinder in Sülz geben, die noch nie in einem anderen Schuhgeschäft waren.

Schuhhaus Werner

Gründung: 1971

Sortiment: Damenschuhe, Herrenschuhe, Kinder- und Jugendschuhe, Sportschuhe

Preislage: mittel bis niedrig

Verkaufsfläche: 300 qm, davon 160 qm für Kinder- und Jugendschuhe

Mitarbeiter: 18 Verkäuferinnen auf Teilzeitbasis

Lage: Stadtteillage, abseits der Geschäftsstraßen

Einkaufsverband: Rexor

14/06 Ulrike Lach

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