Schuhmarkt

Action im Kinderschuhmarkt

Der Kinderschuhmarkt ist endgültig aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. 2006 ist das Jahr der Aktionen und Initiativen. Besonders die Hersteller nehmen Geld für Forschung, Elternarbeit und Marketing in die Hand. 07/06 Dagmar Rees

Der Kinderschuhmarkt ist im Umbruch. Deichmann bietet die ehemalige Fachhandelsmarke Elefanten an und kann WMS nutzen. Reno sorgte für Wirbel mit seiner Echtgrößen-Diskussion und heuerte vor kurzem mit Peter Lauer den ehemaligen Forschungs- und Entwicklungschef von Elefanten an. Die traditionellen Kinderschuhanbieter und mit ihnen der Fachhandel geraten preislich, aber auch in ihrer ureigenen Domäne, dem Mehrweitensystem und dem Markenvertrauen, unter Druck. Die Markenhersteller reagieren. Sie investieren in diesem Jahr erheblich in Aktionen rund um den Kinderschuh. Rund 600 000 Euro nimmt Superfit in 2006 für seine Kompetenzinitiative in die Hand. Die Aktion startete vor neun Monaten. 2 000 Ärzte in Deutschland und Österreich erhielten ein Schreiben mit dem Angebot, Kinderschuhe zu testen. 600 Ärzte antworteten. Nach Ostern sollen die Testbogen ausgewertet werden. Mit den Ergebnissen startet Superfit dann in die zweite Runde. Eine Elternbroschüre informiert über Schuhe und Fußgesundheit ebenso wie über die Meinung der Ärzte zum Superfit-Aktivpolster und neue Produkte. 1,5 Millionen Mal wird diese Broschüre gedruckt und den Zeitschriften „Eltern“ und „Eltern for Family“ beigelegt. Über die Homepage erhalten die Eltern weitere Informationen und können über einen Shop-Finder den Superfit-Händler in ihrer Nähe suchen. Sofern sie ihn nicht schon über ihren Kinderarzt gefunden haben. „Ziel der Kompetenzinitiative ist eine engere Verbindung von Fachhandel und Kinderärzten vor Ort“, beschreibt Geschäftsführer Robert Hampl seine Intentionen. Superfit hat die Adressen der für das Thema Fußgesundheit aufgeschlossenen Ärzte und stellt diese den Fachhändlern zur Verfügung, damit sich Aktionen vor Ort entwickeln können. Beraten werden sie von Professor Dr. Frank Schneider vom Institut für Kinderchirurgie und -orthopädie an der Universität in Graz. Der Fußexperte testet außerdem für Superfit das unternehmenseigene Aktivpolster, das den Kindern Bewegungsanreize bietet, und soll damit die Ergebnisse der Ärztebefragung ergänzen. Die Forschungsergebnisse sowie der Test durch Fachärzte setzen sich in eine Schulungsbroschüre um, die in einer Auflage von 20 000 gedruckt und dem Handel zur Verfügung gestellt wird. Drei Trainerinnen werden durch die Lande reisen und Schulungen anbieten. Als Anreiz für die Verkäuferin, sich weiter zu informieren, läuft noch bis Ende April ein Gewinnspiel unter www.superfit.at. Mit den Schulungen soll die Beratungskompetenz im Handel erhöht werden. Neben diesen handelsorientierten Aktionen spricht Superfit auch die Eltern direkt an. „Wir richten uns mit unseren Initiativen an die Mutter“, beschreibt Hampl die Kernzielgruppe. Der Schwerpunkt der Aktivitäten seines Unternehmens liege bei Lauflernschuhen und Schuhen für Vorschulkinder und Grundschüler.Die Mutter als Entscheiderin über den Schuhkauf will Hampl spätestens dann erreichen, wenn die Kinder sechs Monate alt sind. Die Broschüren und Anzeigen in Elternzeitschriften zählen zu den klassischen Maßnahmen, relatives Neuland betritt Hampl mit einer geplanten Kooperation mit Babynahrungsherstellern. Die Idee ist, der Babynahrung Infos, aber auch einen Gutschein über eine Geschenkbox beizulegen, der dann beim Superfit-Händler in der Nähe eingelöst werden kann. „Die Mutter soll so früh wie möglich von Superfit erfahren“, sagt Hampl und sieht dies als wichtigen Erfolgsfaktor im harten Kinderschuhmarkt. Dem dürfte Alf Netek zustimmen. Der Geschäftführer von Richter Kinderschuhe hat schon im vergangenen Jahr begonnen, die Tüten, die schwangere Frauen bei ihrem Gynäkologen bei den Voruntersuchungen oder im Krankenhaus erhalten, mit Babyschuhen und Werbematerial von Richter auszustatten, erst einmal nur in Österreich. 350 000 Euro ließ sich dies Richter kosten. Als Erstprodukt für Mütter entwikkelte der Kinderschuhhersteller neu eine Wickeltasche. Wenn die Mutter positive Erfahrungen mit der Funktionalität der Wickeltasche gemacht hat, nimmt sie dies auch für die Marke Richter ein, ist Netek überzeugt. In der ersten Saison war die Tasche dem Fachhandel vorbehalten. Da dieser nach Neteks Ansicht nur zögerlich zugriff, wird Ende März zusammen mit einem Babyausstattungsspezialisten ein Direktvertrieb starten – Startkosten 150 000 Euro. Die Idee ist, langfristig zusätzlich eine ganze Babyausstattungskollektion ohne Schuhe aufzubauen und direkt zu vertreiben. Netek verspricht sich dadurch eine frühe Markenbindung der Mutter. Die Schuhe sollen weiterhin dem Fachhandel vorbehalten bleiben. Richter- Schwerpunkthändler könnten außerdem auf das beim Direktvertrieb gesammelte Adressmaterial zurückgreifen. Weniger um Adressendaten als um Messdaten geht es Ricosta. Der Kinderschuhhersteller arbeitet seit 2001 mit der Universität Freiburg zusammen, um Schuhe kindgerecht weiterentwickeln zu können. Jetzt startete Anfang März auf der GDS eine große Fußmessrunde. Bei ihr geht es darum, zusammen mit Prof. Dr. Frank Mayer von der sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg bei 5 000 Kindern die biometrischen Daten wie Größe und Gewicht zu erheben und mit einem Fußmesscomputer aufzuzeichnen, wie sich der Fuß in Bewegung verändert. Ziel ist es, die geeignete Sohle für jedes Lebensalter und die verschiedenen Bewegungsarten entwickeln zu können. Denn „Schuhe sollen nicht stützen, sondern den Fuß sich frei bewegen lassen“, erklärte Mayer bei der Podiumsdiskussion zum Thema Kinderfüße auf der GDS. Die erste Messrunde dauert bis Ende Juni. 70 Tage lang ist das Team unterwegs, bei 38 Fachhändlern wiegen und messen sie, mit rund 150 000 Euro unterstützt Ricosta die Forschung in diesem Jahr. Eine zweite Runde soll in 2007 folgen. 07/06 Dagmar Rees

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