Schuhmarkt

Aus süß wird cool

Nach einem fulminanten Start in die Verkaufssaison ist mittlerweile Ernüchterung bei Kinderschuhen eingekehrt. Hotseller sind deutlich modischere Schuhe wie Ballerinas, Chucks oder freche Sandalen. Normales will keiner mehr. 14/07 Kirsten Rein

Nach einem fulminanten Start in die Verkaufssaison ist mittlerweile Ernüchterung bei Kinderschuhen eingekehrt. Hotseller sind deutlich modischere Schuhe wie Ballerinas, Chucks oder freche Sandalen. Normales will keiner mehr.

Es kam quasi über Nacht. Die Goretex-Stiefelchen von Antonia stehen noch im Flur, sie sind kaum vier Monate alt. Damals war die Wahl auf ein mädchenhaftes Modell in Bordeauxrot mit Rosa gefallen. Doch plötzlich ist alles anders. Kurz vorm neunten Geburtstag sollten es Ballerinas sein, in Gold, Silber oder Rosametallic. „Alex, Helen und Katharina haben auch welche“, lautete das Argument. Von einem Moment auf den anderen war der praktische Schuh out, Mode musste es sein.

Die Mädchen sind Prinzessin Lilifee entwachsen und spielen stattdessen bei Übernachtungsparty „Germany’s next Topmodel“. Was zunächst etwas überspitzt anmutet, zeichnet sich als Trend ab: Mädchen wollen wie ihre Mütter ausschauen. Anders als früher, als modische Erscheinungen nur langsam und sehr reduziert auf die Kindermode übertragen wurden, sind Mädchen ihren Müttern heute dicht auf den Fersen.

Röhrenhosen, Leggings, Ballerinas, alles kam in Windeseile. Das haben auch die Verkäufe in der auslaufenden Sommersaison gezeigt. Firmen wie Ricosta, Ecco und andere bestätigen diesen Trend. „Die Hauptrolle für Mädchen spielen ganz klar Ballerinas“, so Jörg Ertl, Geschäftsführer bei Ricosta. „Sie sind ein Muss zu Röhrenhosen und Leggings.“ Der österreichische Kinderschuh- Spezialist Richter beurteilt Ballerinas als das wichtigste Thema neben Sandalen.

Schulkinder mit riesigen Füßen

Für Kinder im Vorschulalter kristallisierten sich einmal mehr Sandalen als Favoriten heraus. Sie sollten möglichst modisch aussehen.Themen wie Weiß, Metallic und Grün blieben hinter den Erwartungen zurück, dennoch gilt: innovative, modische Produkte gewinnen. Bei den Buben zählten andere Kriterien, doch auch hier ist der Wandel zu mehr Mode eindeutig zu erkennen. Sandalen sollten vorne geschlossen sein. Schuhe mit gespritzten Sohlen sind gut angekommen. Insgesamt sollten die Jungs-Schuhe nicht zu clean wirken. Kerniges Finish, Drucke in Richtung Punk (z. B.Totenkopf, kindlich umgesetzt) sind dabei.

Etwas ältere Jungs wollen das, was in der Young Fashion läuft: Stoffschuhe im Stil Converse und Vans sowie Beachsandalen. Cool sein ist die Devise. Um diesem Trend nachzukommen,hat Dockers beispielsweise eine Größenerweiterung vorgenommen und bietet in Zukunft schon Schuhe ab Größe 28 an. Ecco etabliert eine neue Produktlinie für Jungen und Mädchen in den Größen 27 bis 40. Generell wird die Optik wichtiger. Normale Basics scheinen kaum noch zu überzeugen. Funktion wird heute als Selbstverständlichkeit betrachtet. Mehr und mehr Aufmerksamkeit scheint der Verbraucher neben dem Produkt der Warenpräsentation zu widmen. Ob die Kleinen immer früher reifer werden, lässt sich diskutieren. Sicher ist allerdings, dass sie modisch immer anspruchsvoller werden.

 

Und es kommt ein anderer Aspekt dazu: Nicht selten ist heute, dass Mädchen (die Jungs sowieso) mit neun Jahren Schuhgröße 37 und mehr haben und vom Kinderschuhhandel nicht mehr erfasst werden. Sie haben aber auch in den Abteilungen der Erwachsenen noch keine Bleibe. Auch diese Kunden darf der Handel nicht aus den Augen verlieren, denn Damenschuhe passen den schmalen, jungen Füßen nicht. Wer hier gute Auswahl bietet, macht Mütter und ihre Töchter glücklich. Denn bei allem modischen Anspruch muss der Schuh für ein Grundschulkind in den höheren Klassen von der Optik und vom Leisten her zwar mädchenhaft und modern, aber nicht damenhaft sein.

Glänzende Ballerinas für Sommer 2008

Die Tendenzen für den kommenden Sommer sind eindeutig. Für die größeren Mädchen ist es der Ballerina. Silber, Gold und Farben mit Metalleffekt haben gute Chancen, zu Bestsellern zu werden. Die Sommerfarbe Weiß, die ein ganz großes Comeback feiert, wird für modebewusste Kunden interessant. Für die kleinen Mädchen gilt wie gehabt: Fruchtfarben und Pastelle, alles ein wenig pudrig und nicht mehr knallig, mit Schmetterlings- und Blumenmotiven. Bunte Applikationen aus Lack sorgen für mehr Glanz.

Für Jungs wird es Sneaker in Retro-Optik geben, Motive und Details werden noch mehr Young-Fashion-orientiert. Sandalen sind zum Sommer mehr und mehr vorne geschlossen. Nieten und Beschläge sind wie die Leder aus robustem Nubuk häufig gebürstet. Die neuen Halbschuhe zeigen sich gerne mit rustikalen, gespritzten Sohlen. Hier wird häufig mit knalligen Farbspritzern gespielt. Generell sind die Farben für die Jungs natürlich ausgerichtet. Alles dreht sich um Beige- und Brauntöne, Nougat, Anthra und Jeanstöne. Sportliche Kombinationen in Blau/Weiß/Rot und Orange findet man vor allem bei Turnschuhen. Ebenso Camouflage-Muster und farbige Prints. Das werden vor allem die kleineren Jungs cool finden.

 

Sommer 2008: Mit Spaßfaktor

News von Geox, Richter, Superfit

14/07 Kirsten Rein

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