Schuhmarkt

Kleine Schätzchen

In keiner deutschen Stadt kommen so viele Kinder auf die Welt wie in Frankfurt. Im Stadtteil Sachsenhausen gibt es die meisten Neugeborenen. Davon profitiert das kleine Schuhgeschäft Tesoruccio. 26/06 Kirsten Rein

Es fing damit an, „dass wir einfach keine schönen Schuhe für unsere Tochter gefunden haben“, sagt Matthias Bormann. Grund genug, es mit eigenen Schuhen und einem eigenen Geschäft zu versuchen. Allerdings ist der 47-jährige Hesse in Sachen Schuhe kein unbeschriebenes Blatt. Das Know-how hat er quasi in die Wiege gelegt bekommen. Bormanns Eltern waren bereits Schuhmacher und führten eine Hausschuh-Fabrik in Mühlheim am Main.

Später übernahm die Schwester Cornelia die Leitung der Firma. Im September 2004 war es dann soweit. Bormann, der sonst Kinderschuhkollektionen für andere Firmen entwickelt und produziert, hatte ein Ladenlokal in Frankfurts Diesterwegstraße gefunden und eröffnete das „Tesoruccio“, was so viel wie „Schätzchen“ heißt. Bei den vielen Reisen in Italien sei ihm aufgefallen, dass sich Paare untereinander mit „Tesoro“ (Schatz) und Eltern ihre Kinder mit Tesoruccio ansprechen. Im selbst gestalteten Geschäft werden seither Schuhe aus eigener Produktion namens Tesoruccio und Schuhe von hochwertigen Marken angeboten.

Tesoruccio-Schuhe gibt es hauptsächlich im Sommer. Es sind Mokassins und Schnürer in allen Farben und unterschiedlichen Materialien. Ansonsten können die Kunden zwischen Marken wie I Pinco Pallino, Ruiz de la Prada,Tommy Hilfiger, Chipie und Elle wählen. Es gibt außerdem Schuhe und Stiefel von Time, Garvalin, mit Scotchgard ausgerüstetes von Noscratch, Romagnoli und Belstaff.

Bei der Sortimentswahl ist Bormann flexibel und fühlt sich keinem Hersteller verpflichtet. Information muss allerdings sein: „Wir gehen auf den Pitti Immagine Bimbo und fahren nach Madrid.“ Jede Saison wird neu entschieden, ob die Kollektion zum Geschäft und zu den Kunden passt. Um in den kleinen Laden – mit Lager sind es 40 Quadratmeter – immer wieder neue Ware zu bekommen, organisieren die Bormanns am Saisonende grundsätzlich einen Räumungsverkauf, zu dem alle Schuhe auf die Hälfte reduziert werden. Damit auch „tout Sachsenhausen“ weiß, dass es wieder soweit ist, werden die 10 000 Karten, die per Post an Kunden rausgehen und per Hand verteilt werden, verdoppelt. Die Idee kommt gut an: An Spitzentagen wurden locker 175 Paar Schuhe verkauft.

Da an Wochentagen immer nur eine Verkäuferin im Laden steht, gehen die Kunden auch schon mal selbst ins Lager, das in puncto Präsentation wie das Ladenlokal aufgebaut ist. Am Wochenende ist das Ehepaar Bormann in der Regel selbst im Geschäft. Nach den Schlussverkäufen schließt Tesoruccio 14 Tage und wird renoviert. So wie Matthias Bormann und seine Frau Petra, die zudem als Zahnärztin praktiziert, nicht an Lieferanten hängen und ständig auf der Suche nach Neuem sind, gestaltet sich auch das Sortiment. Zum Sommer wird es Modelle von Keds geben und von Don Ed Hardy, einem Tattoo-Künstler, der seine Werke jetzt auch auf Schuhe bannt. L

ieblingsartikel der Mädchen sind außerdem T-Shirts von Balbina, die mit Glitzerprints und Schriftzügen 22 bis 29 Euro kosten. Davon verkauft Tesoruccio rund 500 Stück im Jahr, einfach so nebenher. Weiterhin werden Fotos auf Leinwand verkauft. „Ursprünglich waren die Bilder meiner Tochter und ihrer Cousine ausschließlich als Dekoration gedacht“, sagt Matthias Bormann. Die Kunden können ihre eigenen Bilder auf CD mitbringen. Dann werden sie auf Leinwand und Holzrahmen gebracht. Die lebensfrohen, großen Kunstwerke sind vor allem als Geschenk zu Weihnachten begehrt. 26/06 Kirsten Rein

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