Schuhmarkt

Klassiker ganz Trendy

Langgezogene, schmale Leisten, Lack, Glanz und Vintage-Look. Klassische Männerschuhe in junger, stylischer Aussage liegen voll im Trend. Diese neuen City-Schuhe sind ein lukrativer Umsatzbringer mit steigender Tendenz, und immer mehr Jeansträger können sich für die New Classics begeistern. 08/08 Lisa Dartmann

Langgezogene, schmale Leisten, Lack, Glanz und Vintage-Look. Klassische Männerschuhe in junger, stylischer Aussage liegen voll im Trend. Diese neuen City-Schuhe sind ein lukrativer Umsatzbringer mit steigender Tendenz, und immer mehr Jeansträger können sich für die New Classics begeistern.

Sexy und modern. Die Männer der modernen Businessclass lieben es smart. Eine schmale Hose zum schicken, taillierten Sakko aus edlem Tuch, dazu ein dunkles Button-down-Hemd und als Krawattenersatz den seidigen Schal lässig um den Hals geschlungen. Topmodisch zu diesem angezogenen Look sind die coole, schwarze Messenger Bag und der schlanke, anthrazitfarbene Schnürschuh in Vintageoptik oder ein stylisher Lack-Stiefel.

Bloß nicht so ein doofer City-Schuh mit massiver runder Kappe oder breitem, eckigem Karree, wie sie die Spießer zum Doppelreiher tragen. Der brave Schuh von vor zwei Jahren hat ausgedient und drei bis vier Paar Sneaker für die Freizeit stehen bereits in jedem Kleiderschrank. Die Männer, zumindest die jüngeren, haben wieder Lust auf neue Schuhe. Vor allem auf schöne Klassiker mit schlanken, modernen Leisten im dezenten Used-Look und mit interessanten kleinen Details. Schuhe gehören zum Outfit dazu.

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08/08 Lisa Dartmann

SPECIAL HERREN Vor allem auf schöne Klassiker mit schlanken, modernen Leisten im dezenten Used-Look und mit interessanten kleinen Details. Schuhe gehören zum Outfit dazu. Der Schuhfachhandel macht derzeit sehr gute Geschäfte mit den neuen, frechen Klassikern. Max Schoenberg von Fifty-6 in Saarbrücken schwärmt über die Männersortimente: „Blendend, das beste Segment. Wir bauen den Anteil weiter aus und sind immer auf der Suche nach neuen Lieferanten.“ Auch bei Leiser in Berlin steigende Tendenz. „Die Männer kleiden sich modischer und wollen statt der Sneaker endlich mal schicke Ausgehschuhe haben“, berichtet Peter Schreck, Leiser Berlin. New Classic macht Märkte Je jünger die Männer, desto modischer ist ihr Anspruch. „Ein modebewusster Mann zahlt auch bis zu 400 Euro für ein Paar Schuhe mit klassischen, aber schmaleren Leisten, aber die dürfen nicht zu auffallend in den Farben sein“, ergänzt Schreck. Das Schuhhaus Werdich in Dornstadt setzt seit gut drei Saisons auf die jungen Klas- „Blendend – das junge Männersegment. Wir suchen ständig nach neuen Lieferanten.“ Max Schoenberg, Fifty6, Saarbrücken Foto. Strellson Schuhmarkt 8-2008 21 siker. „Das ist ein wachsender Markt“, bestätigt Peter Werdich. Cityschuhe boomen, „die jungen Männer greifen zielstrebig ins Regal und kaufen spontan.“ Ganz wichtig sind neue Farben wie Cognac und Brauntöne. Hinzu kommen Bi-Colors, ein Blei-Ton statt ewig nur Schwarz, Metallic- Look und gekonnte Finishings. Gut beurteilt werden im Verkauf Glanzeffekte und lang gestreckte Leisten, insgesamt spitzere Formen und feines, weiches Brushleder. Bei den Antik- und Vintage-Varianten greifen die Männer dann doch lieber zur dezenteren Alternative, so die allgemeine Tendenz. Schoenberg: „Die Schuhe müssen jung sein, klassisch, weich im Leder und super in der Verarbeitung.“ Die Haptik muss stimmen, dann bezahlen die Männer auch gerne 200 Euro für das begehrte Paar Schuhe. „ Wir leben das Produkt. Nur so lassen sich Innovationen verkaufen.“ Authentizität ist vielfach ausschlaggebend. Es geht um Ehrlichkeit und Überzeugungsarbeit im Verkauf, denn bei den neuen, klassischen Business-Schuhen geht es nicht um Bedarfskäufe, sondern sie sollen Begehrlichkeiten wecken. Zu viele rustikale Styles Die Hersteller von Boss bis Tommy Hilfiger profitieren von der Nachfrage. Viele junge Anbieter nennen ihre Schuhkollektionen deshalb auch Footwear und setzen auf Lifestyle, einfach um sich von den normalen Klassikern abzuheben. „Uns rufen sogar die Konsumenten an und fragen nach dem schwarz-weißen Spectator Schuh mit den grünen Schnürsenkeln“, erzählt Peter Stratmann von G-Star. Mit dem Klassiker landete die niederländische Marke einen Riesenerfolg. „Wir sind erstaunt über den Erfolg“, freut sich der Vertriebsmann. Dennoch sei der Schuhhandel oft noch zu zurück haltend und neige eher zu rustikalen Styles. Speziell für die jungen Klassik-- Konsumenten hat Tommy Hilfiger innerhalb der Denim-Linie klassische Modelle mit verschlankten Leisten, die vorne aufgeworfen sind. „Tendenz steigend“, freut sich Susanne Hamm-Leitel. „Schick sein ist cool, wir wollen mit dieser Mode neue Kunden ansprechen, vor allem Schuhhändler mit jungen Abteilungen“, ergänzt Marco Kroner von Ben Sherman. Ben Sherman hat Sixty Hugo Boss Orange Cinque Boss Orange Fly London Ben Sherman Hamlet SPECIAL HERREN 22 Schuhmarkt 8-2008 die aktuelle Footwear komplett neu ausgerichtet und das Design auf die Bekleidung abgestimmt. Für den formalen Look zeigt die Marke formschöne Styles in hochwertigen Lederqualitäten. Auffallend ist die moderne Außensohle mit Laser-Details und eine Innenverarbeitung in Schwarz und Orange. Aber auch Ledersohlen mit gelaserten witzigen Motiven, Leder im leichten Used-Look oder ganz progressiv weiße Schuhe und Destroyed-Looks mit einem poppigen Innenleben sind auffallend. Die neuen Styles müssen halt lifestylemäßig herübergebracht werden, so der allgemeine Tenor. Weitere modische Attribute sind Schuhe in Vintage-Leder, in matter Optik, Two- Tone-Finish-Charakter, cleane Optiken, vor allem Lackleder. Auch Kroko, Metallic und Glanz sowie Prägedruck und Veloursleder sind dabei. Neu sind geölte und gewachste Leder oder behandeltes Nubuk. Im modischen Bereich werden halbhohe Stiefel und Stiefeletten verlangt, gerne mit Glanz, kleinen Raffungen und reduziert im Design. „Know-how ist beim Finishing gefragt, das ist wie bei den Jeans“, erklärt Detlef Schilling von Hamlet die hohe Kunst des Ausrüstens. Aber es sind auch die kleinen Details, die den Schuh verändern. Das Logo unter der Schnalle, die andere Art von Prägung, Hahnentrittmuster unter der Sohle, Lyra-Lochung, die Budapester Lochung markanter oder es blitzt mal ein rotes Label hinter der Lasche hervor. Für Lloyd zählen Handwerklichkeit und neue Optiken. Maximilian Müller: „Wichtig sind nicht nur Schwarz, sondern auch farbliche Effekte, viele helle Brauntöne, dann der Used- und Vintage-Look und vor allem Phantasie.“ Details aus der Klassik werden neu interpretiert und individueller gestaltet. Müller: „Der Handel öffnet sich, neue Optiken sind unsere am stärksten verkauften Themen, New Classic haben wir in alle Themenbereiche integriert.“ Neue Sachlichkeit zieht an Gefragt ist die neue Sachlichkeit. „Business- Schuhe dürfen nicht überladen sein, wichtig ist eine neue, fashionorientierte Performance“, meint Rainer Zink von Strellson. „New Business wird bei uns zu 70 % gekauft“, so Zink, „zusammen mit den entsprechenden modernen Aktentaschen Strellson Cinque René Lezard Marc OPolo Zum smarten Outfit der freche Schuhklassiker. Foto: Marc O’Polo Detlef Stichling DETLEF STICHLING, HAMLET „Die bisherigen, steifen Klassiker gibt es in 10 Jahren nicht mehr. Die neuen Klassiker müssen bequem sein.“ Karl-Heinz Lauterbach KARL-HEINZ LAUTERBACH, MARC O’POLO Papas Schuh ist die klassiche Orientierung, aber wir müssen ihn casual interpretieren. Reynier van Bommel, VAN BOMMEL „Wir müssen in Design investieren und modische Schuhe produzieren.Das Angebot in den Läden stimmt mich oft traurig.“ Reynier van Bommel Peter Schreck Peter Schreck, Leiser „Die Männer kleiden sich modischer und wollen statt Sneaker endlich mal schicke Ausgehschuhe haben. Je jünger die Männer, desto modischer der Anspruch. PETERWERDICH, WERDICH, „Junge KLassik ist ein wachsender Markt. Cityschuhe kommen, junge Männer greifen ganz zielstrebig ins Regal und kaufen spontan.“ RAINER ZINK, STRELLSON „Wir verkaufen zu 70 % New Business. Zusammen mit den modernen Aktentaschen, die ideale Ergänzung zum smarten Office-Look.“ Schuhmarkt 8-2008 23 die ideale Ergänzung zum smarten Officelook.“ Auch Marc O´Polo profitiert vom Komplettlook. „Wir müssen Business neu definieren, Klassik ist casual, urban und Vintage“, beschreibt Thomas Bergbauer den Look. Karl-Heinz Lauterbach ergänzt: „Papas Schuh ist die klassische Orientierung, aber wir müssen ihn casual interpretieren. Bis vor zwei Saisons gab es fast nur reine klassische Schuhe.“ Lauterbach: „Wir sehen in dieser Thematik aber auch cityfeine Sneakertypen mit sportivem Boden und klassischer Optik, schließlich sollen sich die Männer in ihren Lieblingsschuhen wohlfühlen.“ Die Prognose von Detlef Stichling von Hamlet: „Die bisherigen Klassiker gibt es in zehn Jahren nicht mehr.“ Auf den ersten Blick erscheinen die Schuhe klassisch und identisch mit ihren Vorgängern. Auch er bestätigt: Klassiker müssen bequem sein. Rahmengenähte Schuhe in klassischer Budapester-Anmutung und mit Sneakerleisten eignen sich durchaus für die City. Funktionalität und ein weicher Auftritt sind auch für Camel ein wichtiges Kriterium. Dennoch setzt man hier stärker auf Urbanität. Michael Weyergans: „Die Männer wollen nicht nur in Sneakern herumlaufen. Sie sind aufgeschlossen für junge Cityschuhe im neuen und lebendigen Look, mit aufgebürsteten Materialien, Zwei-Ton-Effekten, Nieten und markanten Nähten.“ Innerhalb der Kollektion haben die modernen Klassiker einen Anteil von rund 30 %. Der niederländische Schuhdesigner Floris van Bommel, der in seinem Land wie ein Popstar gefeiert wird und keine hässlichen Schuhe mag, resümiert: „Wir Schuhhersteller müssen in Design investieren und modische Schuhe produzieren. Das Angebot in den Läden stimmt mich oft traurig. Ich hoffe nur, dass sich auch die deutschen Männer jünger und weniger klassisch kleiden.“ Für van Bommel haben die Italiener eine Vorbildfunktion. Die Männer kleiden sich, auch mit kleinen Budgets, generell sehr modisch flott und tragen immer gute Schuhe. Lisa Dartmann Peter Werdich „New Business wird bei uns zu 70 Prozent verkauft. Ein hoch erfolgreiches Thema“ Rainer Zink, Strellson Van Bommel Lloyd Strellson Tommy Hilfiger

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