Schuhmarkt

Kleiner feiner Markt

Einerseits suchen die Verbraucher nach Schnäppchen, zum anderen geben sie aber auch viel Geld für noble und individuelle Ware aus. Von dieser Entwicklung profitieren derzeit die Anbieter von Maßschuhen und -konfektion. 23/07 Sabine Maurer

Einerseits suchen die Verbraucher nach Schnäppchen, zum anderen geben sie aber auch viel Geld für noble und individuelle Ware aus. Von dieser Entwicklung profitieren derzeit die Anbieter von Maßschuhen und -konfektion.

Da hat sich in den letzten Jahren erheblich was bewegt“, sagt Peter Schulz vom Zentralverband des Deutschen Schuhmacher-Handwerks in St. Augustin. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht, dafür ist das Marktsegment zu klein. Seiner Meinung nach kommen die Kunden nicht mehr nur aus der wohlhabenden, sondern aus allen Schichten der Bevölkerung. Er schätzt, dass in Deutschland etwa 500 bis 700 Betriebe regelmäßig Maßschuhe anfertigen. Einer hiervon ist die Wiesbadener „Schuhmacherei Baumbach“ von Andreas Baumbach. Er bietet überwiegend Modelle im klassisch-britischen Stil an.

„Seit etwa zwei oder drei Jahren geht es aufwärts“, erzählt Andreas Baumbach. Die Geschäfte laufen so gut, dass er mittlerweile sogar einen Vollzeit-Angestellten beschäftigt. Etwa 40 Schuhpaare verkauft er im Jahr. Hauptsächlich an Männer. „Ich mache jährlich vielleicht drei Paar Damenschuhe.“ Die Kundinnen sind in der Regel meist über 30 Jahre alt und bevorzugen klassische Schnitte.

Nicht nur in dem Wiesbadener Geschäft ist der Maßschuh eine Männerdomäne. „Männer tragen ihre Lieblingsschuhe zehn Jahre lang, das kommt bei Frauen nur ganz selten vor“, meint Peter Schulz. Außerdem seien die Maßschuhe in der Regel klassisch designt und damit für modische Frauen kein Thema. Der Klassiker unter den Herrenmodellen ist der rahmengenähte Schuh. Er bekommt seine Form, indem der Schaft über den Leisten gezogen, mit einer Zange gespannt und mit Nägeln fixiert wird. Dann entfernt der Schuhmacher den Leisten und vernäht den Rahmen per Hand mit dem Oberleder und der Innensohle. Anschließend wird der Rahmen mit der Laufsohle vernäht.

Mindestens 20 Stunden sitzt der Schuster an einem solchen Schuh, der dann auch entsprechend teuer ist. Aus Sicht des DSI (Das Schuhinstitut) in Offenbach hätten sich immer mehr Deutsche vom „Geiz ist geil“-Trend verabschiedet und seien bereit, für gute Handarbeit auch mehr Geld auszugeben. „Der Trend geht zu hochwertigen Schuhen. Sie sind eine Sache des Prestiges und der individuellen Note“, meint Konrad Weissler vom Schuhinstitut.

Blake Best reduziert Kosten

Bei Baumbach sind die meisten Maßschuhe für „vergleichsweise wenig Geld“ zu haben. Dort werden viele Schuhe mit dem Blake-Best-Verfahren gefertigt und kosten immer noch stolze 590 Euro. Das sei in etwa ein Drittel des üblichen Maßkonfektions-Preises. Hinter Blake Best steht ein deutschlandweiter Verbund von 21 Schuhmachern, die dank ihrer geballten Einkaufsmacht bessere Konditionen bei den Herstellern bekommen. Andreas Baumbach ist der Kopf dieses Verbundes. Er hatte vor einigen Jahren einen Weg gesucht, um Maßschuhe schneller herstellen und damit günstiger anbieten zu können.

Seine Lösung: Der Rahmen wird nicht mehr per Hand, sondern mit einer Maschine vernäht. Bereits nach sieben Stunden ist ein solcher Maßschuh fertig. Für sein Geld erhält der Kunde ein edel aussehendes Produkt, das ihm bei guter Pflege einige Jahrzehnte erhalten bleiben kann. Schuhspanner und ähnliche Nebenprodukte wie Schnürsenkel, Einlagen, Poliertücher und Pflegemittel gehören nach Meinung von Peter Schulz vom Zentralverband zwingend in ein Schuhmacher-Geschäft. Auch Reparatur muss angeboten werden. „Das Herstellen von Schuhen kann nicht die wirtschaftliche Basis eines Unternehmens sein. Davon wird keiner leben können“, sagt er.

Nach seiner Beobachtung sind es vor allem die jüngeren Schuhmacher, die auf Maßanfertigung oder -konfektion setzen. Sie würden auch ihre Betriebe ganz anders als die Alteingesessenen präsentieren. Die Geschäfte seien viel heller, freundlicher eingerichtet und „manchmal auch sauberer“. „Ein entsprechendes Ambiente gehört einfach dazu, wenn man Maßschuhe anbietet“, meint er. „Der Verkaufsraum mit vergilbten Plakaten und toten Fliegen im Schaufenster ist nicht mehr angesagt.“ 23/07 Sabine Maurer

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