Schuhmarkt

Rot ist die Liebe

„Put on your red shoes and dance the blues“, sang David Bowie in seinem großen Hit „Lets Dance“. Rote Schuhe wirken frisch, sexy und manchmal ein bisschen billig. Zum Sommer sind rote Accessoires ein brandheißes Thema. 01/07 Maria Schneidewind

„Put on your red shoes and dance the blues“, sang David Bowie in seinem großen Hit „Lets Dance“. Rote Schuhe wirken frisch, sexy und manchmal ein bisschen billig. Zum Sommer sind rote Accessoires ein brandheißes Thema.

Über die Farbe Rot lassen sich ganze Romane schreiben. Oder vielmehr: Ganze Generationen von Schriftstellern haben ihre Geschichten von Liebe, Lust und Leid unter das Motto Rot gestellt. „Rot und Schwarz“ heißt der berühmte Roman von Stendal, in dem Rot das Symbol für die heiße Affaire ist, und Schwarz für den Kater am Tag danach. Auch „Liebesarten“, das jüngste Buch der Erfolgsaautorin Ulla Hahn, lässt Rot für sich sprechen. Auf dem Einband: ein Paar knallrote Pumps. Sonst nichts. Ein Fetisch. Und ein Symbol, das jedermann auf Anhieb versteht: Ewig lockt das Weib.

Die Psychologen spannen den Bogen von Rot bis Liebe wie folgt: Rot ist die Farbe des Bluts, Blut ist Leben und Leben verdanken wir der Erotik. Schon sind wir mittendrin im Ursprung der Faszination, der seit jeher von der Königin aller Farben ausgeht. Die Geliebte kriegt rote Rosen. Und wer in roten Stilettos über die Straße stöckelt, sendet ein Signal an den Betrachter: Schau’ her, ich bin kein Kostverächter! Da ist es schon überaus vernünftig, wenn die „Vogue“, die rote Schuhe als heißen Trend handelt, ihre Leserinnen warnt: „Bedenken Sie, dass rote Schuhe einen extrem erotischen Touch haben - wenn Sie eher der unauffällige Typ sind, lassen Sie die Finger davon!“

Etliche der internationalen Designer in Paris, Mailand oder New York haben im Jahr 2006 ihre Models in roten Schuhen über den Laufsteg geschickt: Armani,Valentino, Oscar de la Renta, Galliano, Dolce & Gabbana oder Gucci - um nur einige zu nennen. Durch die Regenbogenpresse flanieren Stars und Sternchen rot beschuht: „Sex and the City“-Star Sarah Jessica Parker in roten Slingpumps zum Kleidchen im Marine-Stil, Schauspielerin Mary Kate Olsen in roten Sandaletten zum Goldlamé-Dress. Und nun ziehen hierzulande die Modemagazine nach. Noch sind es die Pumps und Stilettos zum Abendoutfit, die hier und da gezeigt werden. In den Schubladen der Moderedakteurinnen warten jedoch schon die fertigen Sommertrendseiten mit roten Sandalen und sportlich-flachen Tretern in Karmin-, Signal- oder Burgunderrot.

Im Handel läuft der Trend derzeit noch eher gemächlich an. Bei Strahlendorf in Hamburg hat man für die nordischdistinguierte Kundin „sowieso schon immer einiges an Rot im Sortiment“, und will jetzt erstmal abwarten, wie die Sache sich entwickelt. In der Zentrale von Görtz dagegen heißt es: „Wir glauben fest an Rot für nächsten Sommer, und zwar nicht nur für sexy Pumps, sondern auch für Ballerinas, Mokassins und Sandaletten., die dann zu den Riviera-Themen in Marine/Rot/Weiß getragen werden können“. Behringer in München hängt das Thema jetzt schon hoch, „es läuft super“, und man hat „eine ganze Serie in rotem Lack geordert“.

Rote Schuhe beflügeln die Phantasie seit jeher. Schon in Andersens Märchen sind „Die roten Schuhe“ Symbol für den Ausflug ins dralle Leben. Als das Märchen als grandioser Tanzfilm 1948 in die Kinos kam, erlebte die amerikanische Schuhindustrie eine gigantische Nachfragewelle nach roten Schuhen: Signal der Lebensbejahung grauer Nachkriegszeit. Rot war jedoch nicht immer die Farbe der Liebe. Vor zweitausend Jahren stand sie für Reichtum und Macht und unendlich kostbar. Um nur ein Gramm natürlichen Purpur-Farbstoff herzustellen, mussten rund achttausend Purpurschnecken gesammelt werden. So hatten die römischen Senatoren sich damit zu begnügen, weiße Togas mit einem roten Streifen zu verzieren, während nur die Kaiser ein allover rotes Gewand trugen. Das blieb so bis ins Mittelalter, die endgültige Demokratisierung von Rot erfolgte erst mit der Erfindung chemischer Farben.

Dass nicht nur die erotische Weiblichkeit, sondern zu feierlichem Anlass auch der Papst rote Schuhe trägt, soll übrigens laut Vatikan keine Demonstration von Macht und Reichtum sein, sondern die Erinnerung wach halten an das Blut der christlichen Märtyrer. Doch zurück zu den roten Pumps. So wie Frauen sich rote Schuhe mit Bedacht auswählen, wird auch der Handel das Thema mit Augenmaß ordern: den Blick wohlweislich auf den mehr oder weniger ausgeprägten Wagemut der Kundin gerichtet. Es soll ja nicht so enden wie bei manch langgedienter Ehefrau und Mutter, wo die nagelneuen roten Lackstilettos daheim auf dem Küchentisch bewundert werden - und vergeblich auf ihren Einsatz warten.

01/07 Maria Schneidewind

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