Schuhmarkt

Stimmung ist perfekt

Sommer 2007: Das ist mehr Klassik, mehr Natürlichkeit, cleane Looks. Generell wird die Schuhmode wertiger und schlichter im Design. Plateausohlen, Keilabsätze und vor allem Goldtöne sind die Highlights der Saison. Die Stimmung in der Branche ist gut. Fast besser als die Lage. 19/06 Ilona Sauerbier

Die Zeichen stehen gut. „Wir freuen uns auf die neue Sommersaison“, sagt Uwe Janzen von Marc O’Polo. Es gibt schöne verkäufliche Themen, und was vor allem positiv ist: Die Stimmung ist gut. Während in der vergangenen Zeit eher geklagt wurde, obwohl die reale Verkaufssituation gar nicht so schlecht war, verhält es sich jetzt fast umgekehrt.

Der Sommer war für viele Händler mit tüchtigen Abschriften verbunden. „Es hätte besser sein können“, zieht Heike Fuckert von Görtz in Hamburg Bilanz.Trotz angeheizter WM-Stimmung. Bis Juni lief es ganz gut, doch die heißen Juliwochen schleppten sich elend dahin. „Da haben viele Kollegen die Nerven verloren und einfach zu früh reduziert“, ergänzt Peter Werdich von Werdich in Dornstadt. Dass es vielfach gleich mit 30-Prozent-Abschriften losging, wird häufig beklagt. Dafür läuft momentan von Münster bis Regensburg das Wintergeschäft gut an. Klarer Favorit: Stiefel in Schwarz oder Braun. Bevorzugt in natürlicher Optik und in allen möglichen Sprengungen.

Die zu dieser Jahreszeit eigentlich übliche Übergangsware wird allerdings immer mehr zum Problemkind. „Die Frauen steigen von Sandalen in Stiefel“, klagt Heike Fuckert. Und umgekehrt. Zwar seien Ballerinas unerwartet gut verkauft worden, doch gibt es bei Trotteurs, Pumps und teils auch Sneakern Rückgänge. Auch Mokassins, „auf die wir stark gesetzt hatten“, so Uwe Janzen, „haben sich zugunsten der Ballerinas schlechter verkauft.“

Winter 2006: Start mit Stiefeln

Langschaftstiefel sind die momentanen Plusmacher im Handel. Das zieht sich von kommerziellen Schuhhäusern bis zu Designerboutiquen im Topgenre. „Die neuen Stiefel müssen allerdings erkennbar anders sein“, sagt Heinrich Zumnorde. Egal ob es neue Zurichtungen, neue Ledertypen, neue Details oder Optiken sind. „Es gibt im Markt zu viel vergleichbare Ware“, so Zumnorde weiter. Das findet auch Birgit Pfeiff von Emerson Rinaldi in Nürnberg: „Reiterstiefel laufen gut, aber sie sollten feiner sein. Auch Keilstiefeletten und Ballerinas – spitz, mit abgeschnittener Spitze und mit runden Leisten - werden gern gekauft, wenn sie optisch aufgepeppt sind. Brave Klassiker will keiner mehr.

Was sich ebenfalls jetzt bereits in Designerkollektionen abzeichnet und zum Sommer ganz stark gepusht wird, sind Metalltöne. „Glänzende Leder können genarbt oder im Vintage-Look sein“, sagt René Marchand von Lario. Auch metallisierte Beige- und Offwhitetöne sind neben Gold und Silber wichtige Farben für die nächste Saison. Während im letzten Jahr Dekoration ein großes Thema war, wird es jetzt merklich schlichter und abgeräumter. Die neuen Schuh-Styles sind reduziert, zu viel Dekor verschwindet. Klassisches tritt stärker in den Vordergrund.

Die Leder haben eine natürliche Optik, was vielen Naturtönen von Beige über Sand bis Mocca den Vortritt gibt. Innerhalb dieses Trendlooks gib es zwei Tendenzen: Die eine zeigt Natürlichkeit in hochwertiger, reduzierter Optik. Die zweite Tendenz interpretiert Naturlook deutlich jünger und authentischer: Vintage-Optiken, abgekratzte Leinen- und Canvas-Oberflächen, Patina-Effekte, Materialmix.

Neben den sanften Brauns gehört Weiß zum Top-Aufsteiger des Sommers. Auch Schwarz wird im Zuge der neuen Klassik stärker bewertet. „Wir haben Weiß so stark eingeteilt wie Schwarz“, sagt Birgit Pfeiff.

Sohlen und Absätze sind im Sommer 2007 ein wichtiges Stilelement, um die Looks zu verändern. So bauen die Schuhstilisten bei trendigen Schuhen auch mit kräftigen Sohlen von unten an. Diese Sohlen wirken aber dennoch leicht und feminin und passen schön zu den neuen Kleidern und Rökken. Verbunden sind die sommerlichen Treter häufig mit sexy Fesselriemchen, die die Beine sinnlich und elegant wirken lassen.

Sommer 2007: Gold und Plateaus

Plateaus sind aber nicht unumstritten. „Bei uns laufen sie bestens“, sagt Thomas Bergbauer von René Lezard, „bevorzugt die leichten Formen. Die Frauen kommen gut damit zurecht, weil die Füße angenehm abgepolstert werden. “ „Hohe Plateaus sind schwierig“, ergänzt René Marchand von Lario. Und im vergangenen Sommer gab es zu viel davon. Ballerinas werden zum Sommer eine wichtige Produktgruppe bleiben: Gerundet, mit Spitze, oder mit gekappter Spitze. Die neue Damenmode mit vielen Röcken und dem Trendartikel Kleid, gibt darüber hinaus Sling- und Flamencoformen eine schöne Plattform.

Auch typische Flats im Look der 50er, teils mit Trensenspangen und vielen Applikationen, werden wichtig. Die neuen Sneaker haben jetzt ganz dünne Sohlen und wirken dadurch deutlich eleganter. Für den Saisonauftakt haben die Stilisten Sommerstiefel vorgesehen. Weich und natürlich verarbeitet, sind sie eine schöne Alternative zu weiten Röcken.

Oberflächen: Edel muss es wirken

Bei den Oberflächen geht die Tendenz zu Luxus und Wertigkeit. Vegetabil gegerbte Leder und Lederoptiken sind dabei. Schlangenleder sind ein beliebtes Material für bronzierte Leder. Lack ist wieder da. Auch handwerkliche Details wie Steppereien, Raffungen, Flechtungen, Schleifchen verfeinern die Optik. Materialmix feiert ein Comeback. Das sind im sportiven Bereich Mischungen mit Leder, Leinen, Canvas und Metallics. Die neuen Farben sind natürlich und sanft. Beginnend bei Weiß als wichtiger Trendfarbe reicht die Skala über Offwhite, Sahne, Sand bis hin zu warmen Braunnuancen. Auch warme Rottöne, Oliv und Indigo sind dabei. Gold, Silber und Bronze setzten glänzende Highlights. Gold darf im Sommer 2007 allerdings nicht nach Bling Bling aussehen. Patinierte Optiken sind angesagt. Das gilt auch für farbige Metallics in Grüntönen, die als freche Hingucker dazu kommen.

Herrenschuhe: Weiche Barfußtreter

Der heiße Sommer hat auch bei Männerschuhen zu Veränderungen in den Sortimentsbereichen geführt. Sandalen haben wie erwartet sehr gut abgeschnitten. Doch typische Barfußschuhe, also leichte handgenähte Slipper ohne Einlage, haben häufig gefehlt. Thomas Bergbauer: „Wir bieten zum Sommer 2007 mehr butterweiche Derbys und handgearbeitete Mokassins, die ohne Einlage verarbeitet sind und wunderbar an heißen Tagen getragen werden können.“ Auch bei Sioux sind weiche Modelle wie Loafer und Slipper angesagt. Manuela Queisser: „Die Modelle werden sommerlicher in Farbe und Form.“

Bei den Sport-Styles gewinnen weiche Mokassins an Bedeutung: Die Mischung aus Sneaker und Boatloafer. Die Schuhe wirken aber immer angezogen, obwohl sie weich und ungefüttert gearbeitet sind. Bei klassischen Sneakern kommen feinere Formen dazu. Klassik- und Business-Schuhe sind in schlanker, schmaler Form gearbeitet, teils verfeinert mit Lyra-Steppung und Budapester Kappen. Helle Farben, inklusive Weiß, machen auch bei Männern den Trend.

GDS: Es bröckelt ab

Der seit Jahren andauernde Zwist wischen GDS und Micam macht sich für die Düsseldorfer immer schmerzlicher bemerkbar. Dass im Top-Genre zunehmend Aussteller abwandern und sich die jungen Kultmarken besser auf der Bread & Butter aufgehoben fühlen, ist Fakt. Nun richten auch häufiger modische, kommerzielle Aussteller ihr Interesse nach Italien, da Mailand trendiger ist und vor allem mehr internationales Publikum anzieht. „Wir werden natürlich einen Messestand auf der GDS haben“, sagt Uwe Janzen von Marc O’Polo. „Wir werden aber erstmals auf der Micam vertreten sein.“ 19/06 Ilona Sauerbier

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