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Die Trend-Detektive

Neue Kollektion, neuer Farbtrend. Doch woher beziehen die Designer ihre Informationen, um genau den Nerv des modebewussten Konsumenten zu kitzeln? Das britische Internetportal WGSN hat sich auf das Aufspüren und Analysieren von globalen Trendströmungen spezialisiert. 19/06 Swantje Balg

Neue Kollektion, neuer Farbtrend. Doch woher beziehen die Designer ihre Informationen, um genau den Nerv des modebewussten Konsumenten zu kitzeln? Das britische Internetportal WGSN hat sich auf das Aufspüren und Analysieren von globalen Trendströmungen spezialisiert.

Manche Farbtrends erscheinen für den Konsumenten förmlich aus dem Nichts, was seine Ehrfurcht vor den kreativen Köpfen hinter der Mode erklären mag. Tatsächlich sind die Spuren von Farbtrends bis in die unterschiedlichsten Lebens-, ja sogar Industriebereiche zurückverfolgbar – von Kunst und Design über Lebensmittel bis hin zur Autoindustrie. Dabei lässt sich nicht pauschal bewerten, welcher Bereich am farbinspirierendsten ist, denn die Entstehung von Farbtrends ist ein organischer und kein wissenschaftlicher Prozess, wie Rachel Jones, Farbspezialistin für Footwear und Accessoires vom Worth Global Style Network, kurz WGSN, weiß.

Um Klienten wie Giorgio Armani, Hugo Boss, Donna Karan oder Dolce & Gabbana in Sachen Farbströmungen immer auf dem Laufenden zu halten, beobachtet und analysiert ein hundertköpfiges Team rund um den Globus aufkommende Neuheiten und Stile. Hierfür unterhält WGSN neben dem Headquarter in London auch Büros in New York, Hong Kong, Seoul, Los Angeles, Melbourne und Tokyo. Inzwischen greifen 32 000 User von 1800 global agierenden Marken auf die Einschätzungen sowie Vorhersagen zu Konsumentenverhalten und kulturellen Stimmungen zu, um mit größerer Zuversicht vorauszuplanen.

 

„Am Anfang machen wir uns ein Gesamtbild von dem, was oder wer die Kunst und die Konsumkultur beeinflusst. Dabei spielt unser Bauchgefühl eine Rolle“, beschreibt Rachel Jones den Rechercheansatz der Trendscouts. Erst als letzter Schritt finden neue und wegweisende Farben ihren Weg in die Mode. Neue Farbtrends entstehen jedoch nicht über Nacht. Jones: „Es gibt keine plötzlichen Veränderungen. Grüntöne zum Beispiel können in der einen Saison einen Blaustich haben, und mit der Zeit treten Gelbschattierungen hervor, die sich auf Grün als Ganzes auswirken.“ Auch die Mode selbst diktiert Farben, wenn sie in bestimmten Kombinationen einem Look Tiefe und Schwung verleihen. Letztendlich, erklärt Jones, kann einfach alles, vom leblosen Objekt auf dem Regal bis zu der Art und Weise, wie jemand seine Kleidungsstücke kombiniert, Farbtrends inspirieren.

Was Farben so neu macht, ist das Verhältnis zwischen den Farben und in welcher Verbindung sie verwendet werden. Die Halbwertszeit von Farbmoden kann einen sehr kurzen Zeitraum umfassen. Bei den Kurzlebigen handelt es sich oft um Mode- oder herausstechende Farben wie Orange, die gewisse Stimmungen beschreiben und im Zusammenhang mit dem kürzlichen Sixties-Trend ein Revival erlebt haben. „Allerdings“, so Jones, „gibt es auch Trendfarben wie Grau, die nur sich nur langsam entwickelt und etabliert haben. Inzwischen hat es Grau zur Hauptfarbe im heutigen Kleiderschrank gebracht und tritt vermehrt den Siegeszug gegen das allgegenwärtige Schwarz an.“

Aufgrund der möglichen Kurzlebigkeit von echten Modefarben identifizieren Farbprognosen eher die Richtung, die Farben in der Zukunft einschlagen, als dass sie ganz bestimmte Farben voraussagen. Andererseits sind Prognosen kein Garant für sofortigen Erfolg. Wie die britische Farbspezialistin bestätigt, müssen angekündigte Farbtrends nicht immer prompt greifen. Manche behalten über Jahre hinweg Gültigkeit, andere sind schnell in, aber auch schnell wieder außer Mode, und wiederum andere floppen ohne nachvollziehbaren Grund. Aber Farben sind bekanntlich geduldig.

Rachel Jones erinnert sich mit gemischten Gefühlen an das erste Eighties-Revival vor wenigen Jahren, mit dem die achtziger-typischen Farben Cerise Pink, Electric Blue und Jade Green wieder kurzzeitig populär wurden. „Von nun an werden diese Farben nur noch Erinnerungen an das Revival erwecken und folglich an ein erneutes Eighties-Revival gebunden sein.“ Wer farblich auf Nummer sicher gehen will, dem rät die Expertin, sich an die als Klassiker bezeichneten Farben zu halten. Zu ihnen zählen Schwarz, Braun, Grau, Khaki und Navyblau. Was uns in den nächsten Jahren an neuen Farbtrends ins Haus steht, wird bei WGSN bereits jetzt genau beobachtet.

So attestiert Jones den Konsumenten eine zunehmende Selbstsicherheit und Farbkompetenz in der Art, wie sie Farben tragen und kombinieren, obwohl die erhältlichen Farben immer komplizierter und eigenartiger werden. Auf kurze Sicht, so prognostiziert sie, wird die Modewelt eine Zunahme an verschiedenen Gelbtönen erleben, sowie die Rückkehr von Violett. Fluoreszierende Highlights auf Kleidung und Accessoires sind ebenso zu erwarten wie Neutrals und satte, dunkle Farben für die Saison Frühjahr/ Sommer 2008. 19/06 Swantje Balg

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