Schuhmarkt

Wieviel Stiefel wird gebraucht?

Basisgeschäft ist auf der Expo Riva Schuh in Riva del Garda angesagt. Dementsprechend dominierte schwarze und braune Ware. Ob der Damenlangschaftstiefel für die nächste Herbst-/Wintersaison seinen Zenit überschritten hat, war aber ebenso unklar wie die Anteile von Stiefeletten und Co. 03/08 Peter Skop

Basisgeschäft ist auf der Expo Riva Schuh in Riva del Garda angesagt. Dementsprechend dominierte schwarze und braune Ware. Ob der Damenlangschaftstiefel für die nächste Herbst-/Wintersaison seinen Zenit überschritten hat, war aber ebenso unklar wie die Anteile von Stiefeletten und Co.

 

Bei den Damen ist alles erlaubt, meint Walter J. Weichhard von Supremo auf die Frage nach den bevorzugten Formen des nächsten Herbstes. Rund, spitz oder Karree haben alle ihren Platz. Vielfalt war ein häufig verwendeter Begriff, den die Teilnehmer der Erfa-Runde bei der Beschreibung der Trends verwendeten. Die Gewichtung bei den Formen hängt davon ab, wie die Einkäufer ihre Kunden einschätzen. Gleiches gilt für die Festlegung der Anteile an Langschaftstiefeln, Stiefeletten oder Ankleboots. „Es ist noch sehr früh, keiner weiß, wieviel Langschaft, Ankleboot oder Dreiviertelstiefel gebraucht werden“, meinte Schuhhändler Horst Mengedoht.

„Spitz ist nicht tot“, so Hübner, der auf die kommende Damenmode verweist. Die sogenannten Marlene-Hosen sind rund 20 bis 30 Prozent breiter, sodass der Schuh auch ein wenig länger sein sollte. „Wir müssen uns mit den neuen Hosenformen auseinandersetzen“, so Erika Reinhard von Garant in besagter Erfa-Runde. Waren in der Vergangenheit häufig zu wenig Weitschäfter eingekauft worden, so besteht offensichtlich nun ein gewisser Nachholbedarf bei engeren Schaftweiten. Neue Stiefelthemen sind beim Handel sehr gut angekommen, so Martin Hübner von Marc. Dabei ist insbesondere die Sportlichkeit bei Stiefeln ein großes Thema. Neue Materialien wie gewachstes Leinen oder gewachste Veloursleder geben ihnen die sportliche Optik. Kombiniert werden diese Materialien häufig mit Glattleder. Lack und Lackeinsätze wurden im Damenbereich bei Dockers hervorgehoben.

Glanz, nicht nur Lack, sondern auch Brush, kehrt zurück, zeigte sich Ralph Hanus, Sabu-Geschäftsführer, nach dem Rundgang überzeugt. Gekrinkelte Materialien wurden ebenfalls positiv gesehen. Bronze-Metallic und Lack- Elemente spielen bei den neuen Casual- Modellen von Allrounder eine wichtige Rolle. Auffällig häufig waren auch Raffungen, Steppungen, Ziernähte und fantasievolle Drucke auf Leder zu finden, und dies nicht nur bei den Damen, sondern, besonders bei Sneakern, auch bei den Herren. Insgesamt wird die Damenschuhmode aber einen Tick feiner und femininer, mit höheren Sprengungen und arrondierten Spitzen.

Entsprechend zeigte sich Hübner auch mit der Nachfrage nach Pumps „in allen Varianten“ hoch zufrieden. Sie weisen Spangen, Schließen und andere Accessoires auf. Neben der Basisfarbe Schwarz wird auch Grau ein starkes Thema, so Weichhard. Gute Resonanz gibt es auch auf hellere Brauntöne und Cognac-Farben, bestätigt Hübner.

Branchentreff RIVA: Weiter durch Hochs und Tiefs

Zum schon traditionellen Gedankenaustausch traf sich im Rahmen der Expo Riva Schuh eine hochkarätige Runde aus der Branche inklusive der in- und ausländischen Fachpresse. Eingeladen hatten die Hermann Fuchslocher Unternehmensberatung (HFU) sowie die Riva-Messegesellschaft. Im Rückblick auf das vergangene Jahr zeigten sich die Vertreter des Schuhhandels weitgehend einig, dass 2007 recht gut begonnen, aber schwach aufgehört hat.

Ein Hoch und Tief, das sich auch 2008 fortsetzen wird, zeigte sich Giovanni Lacatena, Geschäftsführender Gesellschafter der Wortmann KG, überzeugt. Erika Reinhard, Prokuristin und Leiterin des Bereichs Internationales Warenmanagement der Garant Schuh+Mode AG, hob hervor, dass die Monatsbetrachtungen zunehmend irrelevant würden. Bemerkenswert war für sie zudem, dass sich im Durchschnitt so gut wie alle Kennziffern des Handels positiv entwickel haben – mit Ausnahme des Bruttogewinns. Dies gelte es, im Auge zu behalten.

Reno-Geschäftsführer Matthias Händle sieht für dieses Jahr ein Fortschreiten des Konzentrationsprozesses und stärkere Umbrüche auf den Schuhhandel zukommen. Insbesondere „die Kaufhäuser werden uns beschäftigen“, so Händle. Wer fit sei, werde dieses Jahr gestärkt hinter sich lassen. Fit fühlt sich auch die Leder & Schuh AG, deren Vorstand Hanspeter Mandl jedoch weltweit weiter steigende Kosten prognostizierte. Diese würden derzeit noch durch den schwachen Dollarkurs kaschiert.

Schuhhändler Horst Mengedoht verwies darauf, dass der Schuhhandel höhere Kalkulationen benötige, um den notwendigen Service – unter anderem durch gut bezahltes Personal – bieten zu können. Der Verbraucher zeige sich, besonders in den Randlagen der Städte, jedoch nicht bereit, die Preislagen der Fachgeschäfte – über 150 Euro – zu bezahlen. Allzu viel Pessimismus sollte die Runde aber denn doch nicht regieren. Immerhin haben Mode und neue Materialien im vergangenen Jahr die Kunden in die Geschäfte gezogen.

Auch der Handel habe Akzente gesetzt und werde wieder Akzente setzen, meinte Sabu-Geschäftsführer Ralph Hanus. Er sieht auch für die kleineren Händler wieder größere Chancen. „Wir haben mit dem Schuh eines der wichtigsten Bekleidungsstücke, wir müssen ihn auch wertvoll machen – dies ist in den letzten Jahren wenig gelungen“, erklärte Josef Lorenz, Vorstand der Högl Group. Ob die verpflichtende Herkunftsbezeichnung ein Mittel sein könnte, das Ansehen und den Wert der Schuhe zu steigern, wurde in der Runde eher bezweifelt.

Lacatena widersprach dem oft erweckten Eindruck „chinesisch schlecht – europäisch gut“. Die Leistungsfähigkeit Chinas sei ein Fakt. Und Händle erklärte, man habe zum Beispiel beim Thema Schadstoffe die meisten Probleme mit Italien. Der Kampf müsse an anderer Stelle als bei der „made in ...“-Auszeichnung gewonnen werden. 03/08 Peter Skop

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