Schuhmarkt

Hoch hinaus

Die Erwartungen an die GDS waren groß. Nach schlecht besuchten Schuhmessen in Mailand, Paris und Madrid sollte Düsseldorf aus allen Nähten krachen. Dem war nicht ganz so. Die Frequenz blieb für viele Aussteller unter den Erwartungen. Dennoch war die Messe gut, die Stimmung nicht schlecht. Viele Diskussionen gab es um die neue Platzierungsstruktur. 07/08 Ilona Sauerbier

Die Erwartungen an die GDS waren groß. Nach schlecht besuchten Schuhmessen in Mailand, Paris und Madrid sollte Düsseldorf aus allen Nähten krachen. Dem war nicht ganz so. Die Frequenz blieb für viele Aussteller unter den Erwartungen. Dennoch war die Messe gut, die Stimmung nicht schlecht. Viele Diskussionen gab es um die neue Platzierungsstruktur.

Die Taxifahrer kamen zu jeder Zeit gut durch die Stadt, es gab kein Gedrängel an den Eingängen und nicht übermäßig auf den Ständen. Alle Augen richteten sich auf die GDS/GLS und die angeschlossene global shoes & accessories, die letztes Wochenende erstmals nach der Mailander Micam stattfand. Doch der erwartete Mega-Run, wie er sich am ersten Tag der letzten September-Messe deutlicher abzeichnete, blieb aus. Die Besucherströme verteilten sich unterschiedlich, und rein gefühlt hätten weniger Kunden da sein müssen. Dennoch verzeichnen die Veranstalter mit 34 000 Besuchern ein Plus von drei Prozent. Auch auf der Ausstellerseite sah man mit 13 Prozent Plus den Aufwärtstrend bestätigt.

Fest steht, dass sich die Düsseldorfer Schuhmesse wieder gut verankert hat und als Leitmesse für die Schuhbranche gesehen wird. „Wir hatten weniger Kunden als erwartet, es kamen aber die richtigen“, war häufiger von Ausstellern zu hören. „Wir mussten sogar viele Liefertermine vorziehen“, ergänzt Robert Stöckl von Lacoste. Große internationale Kontakte, von denen man sich viel verspricht, wurden bei manchen nicht übermäßig geknüpft. „Dafür sind die Chancen in Mailand größer“, sagt Klaus Schmidt von Peter Kaiser. „Auf der GDS finden wir nicht unbedingt die Kunden, die wir suchen“, ergänzt Andreas Klautzsch von Kennel & Schmenger, „aber sie ist für uns die wichtigste Arbeitsmesse geworden.K & S stellt inzwischen auch auf diversen Modemessen aus. „Dort präsentieren wir uns dann viel stylischer.“

Dass sich die Kunden noch etwas zurückhalten, hat viele Gründe. Es wird von Messemüdigkeit geredet, und dass es inzwischen zu viele davon gäbe. Ralf Butz von Paco Gil: „Ich kenne Händler, die gehen nur noch zur M.O.C nach München, weil dort alles konzentriert und selektiert vorgestellt wird.“ Es sind aber auch die schleppenden Frühjahrsumsätze und die Wechselbäder der vergangenen Wochen, die immer wieder als Orderhemmer erwähnt werden. „Das Geschäft läuft wie eine Gartenwirtschaft“, sagt Peter Herkenrath aus Köln. „Scheint die Sonne, läuft es bestens, regnet und schneit es, bewegt sich nichts.“

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07/08 Ilona Sauerbier

Fotos: Davideit, Messe, Francke MO D E HOCH HINAUS Schuhmarkt 7-2008 25 ie Taxifahrer kamen zu jeder Zeit gut durch die Stadt, es gab kein Gedrängel an den Eingängen und nicht übermäßig auf den Ständen.KLAUS SCHMIDT, PETER KAISER „Nach unserem ersten Shop in Saarbrücken prüfen wir, wo es noch weiße Flecken in mittleren Städten gibt. Wir werden bei der anstehenden Akquise aber immer auf Kooperationen mit unseren bestehenden Partnern setzen.“ ANDREAS KLAUTZSCH, KENNEL & SCHMENGER „Die Märkte sind ganz unterschiedlich. In Italien sind hochhackige Ankleboots angesagt, bei uns läuft immer noch der Ballerina auf Hochtouren. Velours und geölte Leder werden auf jeden Fallstärker kommen.“ Peter Herkenrath PETER HERKENRATH, HERKENRATH, KÖLN Dr. Gerhard Bachmaier DR. GERHARD BACHMAIER, HÖGL „Ich glaube, dass sich die Branche in der gehabten Form verändern wird. Marktnähe und mehr Service sind wichtig. Neue Konzepte zwischen Handel und Industrie müssen her. Antworten darauf geben sicher Markenstores, Vertikalisierungen usw.“ D Die Designerkollektionen der White Cubes Area waren diesmal in Halle 17 untergebracht. Belmondo mit neuem Messestand Stiefel sind zum Winter das Trendthema das Nr.1. 26 Schuhmarkt 7-2008 zent auf rund sechs Mrd. Euro, die Mehrwertsteuererhöhung herausgerechnet steht unter dem Strich aber ein Minus. Die Lage bei den hierzulande rund 11000 Geschäften sei angespannt. „Die Gewinnspannen sind mittlerweile so weit geschrumpft, dass es existenzgefährdend wird“, so Brigitte Wischnewski weiter. Sie rechnet mit einer Konzentrationswelle. Seit 1994 seien mehr als ein Drittel der Schuhhändler vom Markt verschwunden. Größere Preiserhöhungen wird es ihrer Meinung nach nicht geben. Man rechnet für 2008 allenfalls mit einem Anstieg der Durchschnittspeise um ein Prozent. Viele Händler seien auch nervös wegen Ostern. „Nach den Osterferien ist der Geldbeutel erst einmal leer, und dann ist es nicht mehr so weit bis zu den ersten Reduzierungen“, sagt Bernd Hummel von der Hummel-Gruppe in Pirmasens. Mehr Fläche für Designerkollektionen Während die Mittelmode um ihre Schwellenpreise kämpft, ergänzt Andreas Klautzsch von Kennel & Schmenger, „aber sie ist für uns die wichtigste Arbeitsmesse geworden.K & S stellt inzwischen auch auf diversen Modemessen aus. „Dort präsentieren wir uns dann viel stylischer.“ Die Umsätze im Handel stagnieren“, erläutert dazu Brigitte Wischnewski, Präsidentin des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels, auf der Pressekonferenz. Der BDSE spricht für 2007 zwar von einem Umsatzplus von einem Pro- Es darf auch üppig dekoriert sein wie bei Miss Sixty MO D E Designerpromis Stuart Weitzmann und Paco Gil zwischen Kirstin Deutelmoser und Hajo Gassenmeier Moonwalk-Szene auf der Trendarea Design Attack Die neuen Booties: Dockers by Gerli Die portugisische Sängerin Silvia Dios ist wie Geschäftsführer Christoph Schachner von Papillio begeistert. Schuhmarkt 7-2008 27 sind die Designerkollektionen diesbezüglich dynamischer ausgerichtet. „Wenn der Schuh gefällt, gibt es keine Diskussionen“, heißt es häufig. Die Bereiche White Cubes und Exclusivity konnten auf dieser GDS mit 43 Prozent Anstieg deutlich mehr Aussteller anziehen. Doch auch das hat seinen Preis. „Jetzt ist es schon wieder so groß, dass die Überschaubarkeit und das familiäre Gefühl verloren gegangen sind“, kritisiert Marion Griesinger von der Agentur Rolf Griesinger in München. Vielfach wurde auch die Anbindung der White Cubes zu den anderen Hallen bemängelt. „Wir sind hier wie in einem Ballon“, witzelt ein Taschendesigner. Für Fratelli Rossettis Agentur D-Tails war es eine perfekte Messe. Patrick Coppolecchia Reinartz: „Die richtigen Kunden waren da, die guten Kontakte auch. Wenn man eine gute Kollektion hat, läuft es auch.“ Was unabhängig von den Genres häufig diskutiert wurde, war die künftige Messestruktur, die ab der kommenden September-GDS realisiert werden soll. „Zur nächsten GDS in eine andere Halle zu müssen ist schlecht“, heißt es bei Venice. Die Kunden hätten seit Jahren einen bestimmten Laufweg und müssten sich jetzt erst wieder neu orientieren. „Was bei allem allerdings sehr positiv ist“, so Uwe Thomsen Maximilian Müller MAXIMILIAN MÜLLER, LLOYD „Es gibt alles. Und alle Märkte sind verschieden. Russland will etwas anderes als Deutschland, Deutschland will etwas anderes als China. Selten war eine Saison trendmäßig so heterogen wie diese.“ Bernd Hummel BERND HUMMEL, KANGAROOS „Für uns war es eine prima Messe. Dem Handel fehlten gute Sneaker und kommerzielle Basics. Hier konnten wir gut punkten. Ostern macht viele Händler nervös. Nach den Ferien sind viele Geldbeutel erstmal leer, und dann ist es auch nicht mehr weit bis zu den ersten Reduzierungen.“ Eva-Maria Schaffner EVA-MARIA SCHAFFNER, SCHAFFNER, DILLENBURG „Wenn auch die Frequenz im Moment weniger ist, so kaufen doch viele Kundinnen gleich mehrere Paar Schuhe. Wir machen derzeit mit weniger Kunden höhere Bons. Im Moment fehlt uns Blau, das man in Themenbildern gut zu Weiß und Rot kombinieren kann.“ Jürgen Cölsch JÜRGEN CÖLSCH, CAPRICE „Wir hatten einen sensationellen Freitag und einen guten Samstag. Auch der Sonntag war gut. Deutlich über Vorjahr. Es kamen viele deutsche Händler, aber auch EU-Kunden und Russen. Polen ist einer der erfolgreichsten Märkte für uns.“ Absatz muss sein, je stylischer, desto höher. Was wird Trend? Ilona Sauerbier, SchuhMarkt- Chefredaktion, beim TV-Interview mit dem WDR. Booties und Chelseaboots gefallen bei Young Fashion und in der gepflegten Männerklassik. Shortcuts im Materialmix bei Comma Wichtiges Orderthema: deftige Männerboots 28 Schuhmarkt 7-2008 weiter, „ ist, dass die Messe wieder auf uns zugeht, so wie es lange nicht mehr war.“ Bedenken, wieder ins richtige Umfeld zu kommen, ziehen sich daher von Young Fashion bis zum Komfortbereich. Winter 08: Alles, was zu Hosen passt Die Trends zum kommenden Winter sind so vielfältig wie die Hosenformen. So wie hier schmale Röhren, gerade Längen und weit geschnittene Formen nebeneinander stehen, so sind in der Kombination dazu auch die Schuhe zu sehen. Kurze Spitzen, neue, asymmetrische Spitzen, Karrees und verrundete Leisten sind daher gleichermaßen angesagt. Das führe allerdings auch häufig zu Verunsicherungen der Kunden, sagt Liz Fedder von Café Noir, weil es den einen ultimativen Trend nicht gibt. Stiefel in allen Schafthöhen sind das Orderthema Nummer eins. Das reicht von knöchelhohen Booties bis zum weichen Overknee, vom Ankleboot bis zum Reiter. Die neuen und jungen Reiterstiefel sind aus Velours, schlicht und megaflach, die eleganteren haben mehr Absatz, Dekors und Oberflächenstrukturen. Gut werden auch Schlupfstiefel in Nubuk oder aus geöltem Leder bewertet. Neuer Verkaufstrend sind eindeutig knöchelhohe Booties und Hochfrontschnitte. „Bei uns wurden 60 Prozent Langschafter und 40 Prozent Stiefeletten geordert“, sagt Rainer Bachl von Gabor. „Langschafter sind doch wichtiger, als wir gedacht haben.“ Auch Ballerinas mit Sohlen und kleinen Absätzen sind aus den Kollektionen der Mitte nicht wegzudenken. Bei hochgenrigen Kollektionen zeichnet sich Velours als neues Trendmaterial ab. Besondes bei feminineren Modellen. Wird es sportiver, liegen geölte Leder vorn. „Auch Stretchvelourstiefel sind bei uns gut gelaufen“, heißt es bei Nebuloni. Der speckige Lackglanz ist rückläufig. Lack dürfte seinen Zenit erreicht haben. Neu sind gebrushte Spazzolato-Leder mit leichtem Glanz. Auch Kroko- und Reptilprägungen wur- MO D E Velours muss sein. Zum Winter 2008 ein modisches Must. Modell Unützer Mike Istel mit der neuen Kollektion Hollywood Neue Blocks und Plateause Männerschuhe unter sich: Manz Fortuna Neue Kinder braucht das Land: Die GDS Show Was habe ich jetzt alles schon gesehen...? Bestseller bei Lacoste: Sohlen aus Recyclematerial Schuhmarkt 7-2007 29 den deutlich stärker in den Orders berücksichtigt. Bei den Farben liegen Schwarz und Braun unverändert vorn. Auch neue Cognactöne wurden gut platziert. Grau, Braun, Taupe und Nutriatöne sind die Favoriten bei Pura Lopez. Ein „ganz dunkles Viola“ sehen Strenesse und Etro als das neue Schwarz an. Männerschuhe: Stiefel starten durch Bei Männerschuhen setzt die Branche unverändert auf Mode. Die neuen Formen sind nicht mehr so extrem schlank, „sie werden breiter und verrundeter“, heißt es bei Joop shoes. Deutlich ist das Signal zu mehr Deftigkeit. Stiefeltypen in Kombination mit gefetteten Ledern und Nubuk kommen sehr gut an. Aber auch bei Booties, Desertboots, Sneakern, klassischen Schnürern und Monks wurden bewegte Oberflächen bevorzugt angenommen. Auch Uniform- und leichte Bikerelemente sind beliebte Details, die für junge Sortimente gefallen. Im jungen Bereich war die Stimmung prächtig bis durchwachsen. Große Freude bei Converse, der derzeit zu den großen Stückzahlen-Machern im Handel zählt und seine Vororders zum Sommer „um 60 Prozent steigern konnte“, so Vertriebschef René Harnischmacher. „Zum Winter setzen wir ganz stark auf Ton-in-Ton-Modelle in Leder oder Nubuk.“ Auch lederne Chucks in Lila, Grün, Pflaume oder Rose werden das Sortiment ergänzen. Gute Stimmung auch bei Kangaroos. Dass dem Handel in dieser Saison Sneaker gefehlt haben, kam den Pirmasensern deutlich zugute. Auch Lacoste profitiert von den neuen, innovativen Themen. Robert Stöckl: „Recycelte Sohlen oder Schuhe aus altem, aufgearbeitetem Leinen, wo jedes Modell anders ausschaut, waren perfekte Verkaufsrenner. Auch Sneaker im Materialmix.“ Dass Mode Märkte macht, spürten zudem die Anbieter von Kinderschuhen. Viele langweilige Klassiker mit Warmfutter und viele zu kindliche Styles blieben im vergangenen Winter liegen. So hat die Branche diesmal mehr zu den Looks der Erwachsenen geschielt und entsprechende Kollektionenen dazu entwickelt. Ilona Sauerbier Buy online at: www.Florisvanbommel.de Floris likes to think he’s a rockstar: �������������������������������������������������������������� Photography: Marc Deurloo. Floris van Bommel, 9th generation shoemaker since 1734

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