Schuhmarkt

Ruhige Messe in München

Die Münchner Moda made in Italy, normalerweise von steigenden Besucherzahlen verwöhnt, konnte diesmal nicht mit vollgestopften Gängen punkten. Das schleppende Frühjahrsgeschäft im Handel wirkte sich deutlich auf die Stimmung und die Frequenz aus. 09/08 Swantje Francke

Die Münchner Moda made in Italy, normalerweise von steigenden Besucherzahlen verwöhnt, konnte diesmal nicht mit vollgestopften Gängen punkten. Das schleppende Frühjahrsgeschäft im Handel wirkte sich deutlich auf die Stimmung und die Frequenz aus.

Die Kollektionen sind bereinigt, die Orderrunde neigt sich dem Ende. Im Münchner M,O,C setzte der Handel zum Endspurt auf Herbst 2008 an.Allerdings war die Moda made in Italy eine eher stille Messe und modische Kapriolen wagte keiner mehr. Alltagstauglich musste es sein. Die Veranstalter meldeten 560 Aussteller und 2800 Besucher – 244 weniger als bei der letzten Veranstaltung.

Nach einem gut besuchten Freitag sackten die beiden letzten Messetage deutlich ab. Der Grund: Niedrige Temperaturen, Regen und sogar Schneetreiben haben dem Fachhandel den Saisonstart Frühjahr/Sommer verhagelt. „Nach ersten Auswertungen haben wir im März ein Minus von 17 Prozent“, verdeutlicht Ralph Hanus, Geschäftsführer der Sabu Schuh und Marketing GmbH, die Lage. Flaute in den Kassen, die Lager noch gut gefüllt -– das schlechte Geschäft drückt dem Handel auf’s Gemüt und schlug sich im Orderverhalten nieder.

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09/08 Swantje Francke

. Alternative zu geöltem Leder: Velours bei Cenedella Bikerstiefel von Miss Harper MO D E 16 Schuhmarkt 8-2008 MODA MADE IN ITALY, MÜNCHEN Hatten viele Händler mit dem Beginn des Sommergeschäfts auf eine Entspannung der eigenen Finanzen gehofft, mussten einige nun mit ihren Budgets kämpfen. Sogar von Stornierungen war mancherorts die Rede. Vorsichtige Order „Wenn die Händler keine Umsätze haben, können sie kein Geld ausgeben“, bringt es Thomas Stein von Unisa auf den Punkt. „Wir können nicht mosern, aber der Zug fehlt“, bestätigte Toni Leis bei Donna Carolina. Demnach spiegelte die Moda made in Italy nur den ernüchternden Saisonverlauf der vorangegangenen Messen Micam und GDS. In den Showrooms schauten vor allem Stammkunden vorbei. Bis auf Großkunden fanden sich zur Münchner Ordermesse größtenteils Händler aus dem Süden Deutschlands ein (die sich den Weg zur GDS gespart hatten). Den schwierigen Umständen entsprechend überlegt und zielgerichtet gestaltete sich die Order. „Die Händler kommen mit perfekten Listen zu uns, ordern gezielter, aber weniger als sonst“, berichtet Suzanne Poschmann von der Handelsagentur Poschmann in Düsseldorf. Mit Highlights von eher lässiger, legerer Eleganz rundete der Handel seine Sortimente ab, wobei das modische Statement über die Oberflächen gesucht wurde: Lyralochungen, Materialkombis aus Fettnubuk und Glattleder oder Lack, weiche, antikgefinishte Leder, Echsenprägungen, Steppungen und allenfalls gedeckte Farben bestimmten das modische Gesamtbild. Romantische Dekors wichen zunehmend Nieten, dezenten Schnallen, Schnürungen und Reißverschlüssen. Ohne Stiefel geht nichts Wie für den Winter nicht anders zu erwarten, wurden Stiefel nochmals als wichtigstes Thema bestätigt. Vor allem bei hohen Schäften zückten Händler ihre Orderbücher, während kurze Schäfte mit mehr Zurückhaltung geschrieben wurden. Für die Marke Frye spricht René Loewy, Freemark Enterprises, von einem Verhältnis von etwa 70 Prozent Langschäfter zu 30 Prozent kurzen Formen. Allerdings, ist Frank Prenntzell, Brandmasters, überzeugt, brauche der Han- D Stiefel von Mjus Ohne Moos wenig los im M,O,C Schuhmarkt 9-2008 17 del mehr Stiefeletten. „Jetzt schauen viele Händler in den Computer und prüfen die Abnahme im letzten Jahr. Viele holten sich mit Stiefeletten ein blaues Auge. Die deutschen Händler sind sehr unsicher“, so Gabriele Accatino, General Manager von Accatino. Der Reiterstiefel hat sich zum Basisstiefel entwickelt. Dahinter setzen knautschige Schaftstiefel (Robin Hood) und rustikale Newcomer wie Bikerstiefel und Workerboots für Männer und auch unisex Akzente. Pumps erreichten nicht die gewünschte Nachfrage, wohl aber Übergangsware wie Trotteurs, einige Hochfrontmodelle und Halbschuhe im College-Look. Einig war sich das Messepublikum, dass der Ballerina zum Winter seinen Zenit überschritten hat. Zwar wurden zur Micam neue Karrees gut besprochen, in der Masse bevorzugte der Handel auf der Moda made in Italy aber eher verkürzte Spitzen oder runde Formen sowie Plateaus. Back to Black, down to Brown Erneut dominierte Schwarz die Order, wobei Braun ganz dicht dahinter folgt. Speziell in München überraschten die Farben Cognac und Wollweiß. „Cognac wird zum Winter die stärkste Zuwachsrate von bis zu 10 Prozent haben“, prognostiziert Claus Gese, Geschäftsführer von Belmondo. Der neue Braunton löst damit Testa di Moro ab. Grau dagegen schnitt schlechter ab als 2007. „Man sagt, der Schuh sollte immer eine Nuance dunkler sein als die Bekleidung. Deshalb geht Grau zugunsten von Schwarz in die Knie“, nahm Gese Suzanne Poschmann SUZANNE POSCHMANN, JOY HARPER „Die Händler kommen mit perfekten Listen zu uns. Sie ordern gezielter, aber diesmal eindeutig weniger als sonst.“ Toni Leis TONI LEIS, DONNA CAROLINA „Den Kleinen steht das Wasser bis zum Hals. Die Großen haben eher die Substanz, um die derzeitige Talfahrt im Schuhfachhandel durchzustehen.“ THOMAS STEIN, UNISA „Wenn die Händler keine Umsätze haben, können sie kein Geld ausgeben.“ Thomas Stein Immer noch Orderthema: Winter-Ballerinas von Unisa Stiefeletten müssen in jedes Sortiment: Accatino Junge Klassik und sportive Modelle bei Van Bommel Bezug auf die dunklen Winterfarben der Oberbekleidung. Daneben überzeugten Schlammtöne und auch ein wenig Viola. Da sich die Order vor allem durch elegante, alltagstaugliche Styles auszeichnete, waren blockige Absätze gefragt. Neben gemäßigten Höhen bis 50 Millimeter kamen auch flache Modelle zum Zug. Junge Klassiker und sportive Modelle im Sneakerstil standen für Herren in Braun auf der Einkaufsliste. Dass der Handel eine schwierige Zeit durchlebt, ging natürlich auch an den Ausstellern nicht spurlos vorbei. „Den Kleinen steht das Wasser bis zum Hals. Die Großen haben eher die Substanz, um die derzeitige Talfahrt im Schuhfachhandel durchzustehen“, erklärt Toni Leis. Doch mehr als eine Valutierung der Ware können die Marken ihren Kunden nicht anbieten. Schließlich haben auch sie bei ihren Lieferanten Rechnungen zu begleichen. Und wem der April doch noch Geld in die Kasse spült, kann je nach Anbieter nur bis Mitte Mai an Winterware kommen. Die kommende Moda made in Italy gibt sich im Freimanner M,O,C vom 10. bis 12. Oktober wieder ein Stelldichein. ba Kernig und gelebt: Workerboots von Belmondo

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