Schuhmarkt

Unikattasche kommt

Wenn es nach den internationalen Designern geht, gehört die Tasche in der Herbst/Winter-Saison zum guten Ton – sogar bei Männern. Der Schuhfachhandel hält sich bei Letzteren eher zurück, setzt aber auf Businesstaschen. 07/06 Kathrin Abler

Wenn es nach den internationalen Designern geht, gehört die Tasche in der Herbst/Winter-Saison zum guten Ton – sogar bei Männern. Der Schuhfachhandel hält sich bei Letzteren eher zurück, setzt aber auf Businesstaschen.Ob Beachboy in Bermudashorts, Businessman im Nadelstreifen oder Student im Retrolook – sie alle eint ein wichtiges Accessoire: die Tasche für den Mann. Internationale Designer wie Vivienne Westwood oder Antonio Marras setzen bei der Herrenmode im Herbst/Winter 2006/07 auf die Tasche als modischer Blickfang und praktischer Begleiter, und dies ganz unabhängig vom Kleidungsstil.Wer jetzt an die Handgelenkstaschen aus den 70er/80er-Jahren denkt, liegt falsch. Die neuen Herrenbegleiter bieten richtig viel Platz und werden – egal ob langer Schulterriemen oder kurzer Henkel – lässig über die Schulter geworfen. Der Hang zur männlichen Tasche könnte für Schuhhändler interessant sein, denn es hat sich gezeigt, dass immer mehr Kunden im Schuhfachhandel nach Accessoires wie Taschen, Gürteln oder Tüchern suchen. Solche modischen Begleiter würden das Herrenschuhsortiment aufpeppen und dem Kunden so einen Mehrwert bieten, meint SchuhMarkt. Bisher jedoch hält sich der Schuhfachhandel beim handlichen Begleiter für den Mann zurück. Bei ihrer Februar-Umfrage fand die BBE Unternehmensberatung im Auftrag des SchuhMarkts heraus, dass nur fünf Prozent der befragten Händler Taschen für Herren anbieten. „Wir haben Herrentaschen im Luxusbereich probiert, dann aber wieder aufgegeben, weil die Kunden danach eher im Kaufhaus suchen“, erklärt Rebecca Fritzsch,Tascheneinkäuferin bei Leiser. Um in diesem Bereich zu punkten, müsste ein Schuhhändler ein breiteres Sortiment anbieten. Diese Meinung bestätigt auch Gabriele Schwedux, die das Produktmanagement bei Görtz leitet. Der Hamburger Schuhfilialist bietet deshalb nur ein paar sportliche Unisex- oder Aktentaschen an. Potenzial für Herrentaschen sieht sie nur bei jungen, modebewußten Männern, die seit dem Aufkommen der „Freitag“-Taschen gerne zur Kuriertasche greifen. Auf Taschen insgesamt setzen laut BBE 61 Prozent der befragten Händler, wobei nur jeder Zehnte einen Ausbau seines Taschensortiments plant. Als Gründe für ihre Zurückhaltung gaben 23 Prozent der Händler an, dass sich Taschen nicht gut verkaufen würden, 18 Prozent haben keinen Platz oder keine Nachfrage nach diesem Segment. Fast jeder achte Händler verzichtet auf Taschen, weil die Konkurrenz dafür am Ort zu groß sei. Bietet ein Schuhhändler seinen Kunden Taschen an, zahlt sich dies laut BBE-Umfrage aus. Demnach machen 59 Prozent aller Befragten mit ihrem Taschensortiment zwischen einem und vier Prozent ihres Umsatzes, bei 37 Prozent formen Taschen zwischen fünf bis zehn Prozent des Erlöses. Über zehn Prozent ihres Umsatzes bestreiten sechs Prozent der befragten Schuhfachhändler mit Taschen. Das Berliner Schuhhandelsunternehmen Leiser bietet seinen Kundinnen schon immer ein ausgewähltes Taschensortiment an und hat damit Erfolg. Präsentiert werden die Accessoires teils an separaten Plätzen, teils als Set zum Schuh. Der Hamburger Schuhfilialist Görtz stellt seine Taschen seit einiger Zeit immer öfter zum Schuh, um den Kundinnen Appetit zu machen und die Outfit-Kompetenz des Unternehmens zu unterstreichen. Obwohl der Anteil von Taschen am Gesamtumsatz bei Görtz nicht riesig sei, will das Unternehmen dieses Segments forcieren. Im Vergleich zu früher würden die Kunden heute vor allem zu preiswerten Taschen von Lizenzanbietern wie s.Oliver, Esprit oder Mexx greifen. „Im Durchschnitt zahlen sie für eine Tasche zwischen 39 und 49 Euro, manchmal 59 Euro“, sagt Schwedux und fügt hinzu: „Leider wird in der Mittelpreislage um 99 Euro von den Herstellern so gut wie nichts angeboten.“ Dabei würde diese Kategorie preislich gut zum Schuhangebot von Görtz passen. Bei der richtigen Kombination von Tasche und Schuh unterscheiden sich die Meinungen etwas. Laut Fritzsch müssten diese nicht aus identischen Materialien bestehen und gleiches Design haben. Im Gegenteil: die Unikattasche sei im Kommen. „Frauen setzen mit einer Tasche gerne einen Farbkleks. Und wer unbedingt eine Beziehung zwischen Tasche und Gesamtoutfit herstellen möchte, schafft dies über Kleinigkeiten, wie Tuch, Brosche, Gürtel oder Kette im selben Farbton“, sagt Fritzsch. Gabriele Schwedux rückt bei Görtz gerne den Set-Gedanken von Schuh und Tasche in den Fokus, was eine Harmonie der Materialien bedinge. Ein wichtiges Thema in der kommenden Herbst/Winter-Saison ist modernisierte Klassik, also schlichte Taschen, die mit kleinen Applikationen und ein bißchen Fell aufgepeppt werden. „Velours geht derzeit eher zurück, weil es sich unimprägniert bei Regen leicht verfärbt“, sagt Fritzsch. Als Beispiel einer Tasche mit Potenzial führ t sie ihr derzeitiges Lieblingsmodell an, eine große bordeaux-farbene Tasche mit breiten Schlaufen, die zum Schließen geknotet wird. Laut Schwedux werden die Kunden wieder nach sportlichen, kernigen Yachttaschen und Beuteln in used-Optik suchen. Gute Resonanz im Schuhfachhandel finden derzeit Businesstaschen. Diese müssen feminin und funktionell sein, denn Frauen möchten sich auch im Büro oder auf Geschäftsreisen modisch zeigen. Die dunkle Aktentasche hat ausgedient, darin sind sich die großen Schuhfilialisten einig; gefragt sei das Besondere und Einzigartige. Kein Wunder also, dass immer mehr Kundinnen fürs Büro zum Shopper in Kroko mit Drehverschluss greifen. 07/06 Kathrin AblerTop Five der Taschenhersteller 1. Gabor (28 %) 2. Esprit (11 %) 3. No-Name-Marken (7 %) s.Oliver (7 %) 4. Bulaggi (4 %) 5. Coccinelle (3 %) Ecco (3 %) Peter Kaiser (3 %)

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