Schuhmarkt

Handgreiflich

Ohne Handschuhe läuft beim trendigen Winteroutfit überhaupt nichts. Jetzt hat die Mode den langen Rassigen – bevorzugt aus schwarzem Leder – wieder aus der Versenkung geholt. Annette Roeckl, Chefin von Handschuhspezialist Roeckl in München, freut sich sehr darüber. 24/07 Ilona Sauerbier

Ohne Handschuhe läuft beim trendigen Winteroutfit überhaupt nichts. Jetzt hat die Mode den langen Rassigen – bevorzugt aus schwarzem Leder – wieder aus der Versenkung geholt. Annette Roeckl, Chefin von Handschuhspezialist Roeckl in München, freut sich sehr darüber.

Die Hofgesellschaft hat sich im Löwengarten eingefunden,um sich beim Kampfspiel zu zerstreuen. Der König winkt, die wilden Tiere treten brüllend in den Zwinger. Auf der Tribüne sitzt die Dame Kunigunde: begehrenswert und gelangweilt. Ihr fehlt ein amüsantes Opfer. Unter den Gästen sitzt Ritter D., sein Herz hängt an der schönen Dame, die ihn allerdings nicht liebt. Aber sie will es wissen und testet ihn. Einfach so, aus einer Laune, lässt sie ihren Handschuh von der Brüstung in die Arena fallen.

Der Ritter zögert nicht lange, steigt in den Zwinger, nimmt den Handschuh und tut das Unerhörte: wirft ihn der Dame ins Gesicht. Und spricht für die Nachwelt den klassischen Satz: „Den Dank, Dame / Begehr ich nicht.“ Was so viel bedeutet wie das klare Beziehungs-Aus. Der Ritter in Schillers Gedicht „Der Handschuh“ wird zum Helden, die Dame ist blamiert, und wir haben eine schöne Geschichte.

Handschuhe sind seit jeher Symbol der Macht, Mittel zur Verführung und wärmendes Accessoire. Um sie ranken sich Mythen und geflügelte Worte. Manche Menschen brauchen sie dringend, die anderen, die sie nicht brauchen, machen sie zum Kultgegenstand. Seit Jahrhunderten gibt es Handschuhe, und bis zum 8. Jahrhundert blieben sie Königen und kirchlichen Würdenträgern vorbehalten. Ab dem Jahr 1000 trägt die Damenwelt Handschuhe und zieht sie sich bis heute genüsslich über.

Da gab es boomende Handschuhzeiten wie in den 50er-Jahren, als Sexgöttinnen wie Rita Hayworth oder Marilyn Monroe ganz lange Satinhandschuhe zum schulterfreien Korsagenkleid trugen. Und es gab Zeiten, wo Handschuhen etwas Madamiges anhaftete und sie von Trendsettern völlig verpönt wurden. Handschuhe überstreifen hat was. Ob es die Edelstripperin und Stil-Ikone Dita von Teese tut oder CSU-Landrätin Gabriele Pauli.

Letztere hat ihre Latexhandschuhe übrigens kürzlich per Ebay versteigern lassen, schreibt die Münchner Abendzeitung. 73 Bieter boten mit. Für 1173 Euro seien die Handschuhe schließlich verkauft worden. Der Erlös ging nicht an die Partei, sondern kam einer gemeinnnützigen Organisation in Paulis Landkreis zugute.

Schuhhändler nehmen immer öfter Handschuhe in die Sortimente auf

Handschuhe waren immer präsent, mal mehr, mal weniger. Nun werden sie von der Mode wieder aufgewärmt. „Im nächsten Winter geht überhaupt nichts ohne Handschuhe“, sagt Trendberaterin Traudel Albrecht-Fuchs. Und die Hochglanzmagazine sind jetzt schon voll davon. Gucci, Prada, Chanel, Burberry – keine Modestrecke ohne lange Handschuhe. Gefertigt werden viele der Designerstücke, aber auch Tausende anderer Handschuhe, die Celebrities vorführen oder ganz normale Leute in deutschen Fußgängerzonen tragen, von der Münchner Traditionsfirma Roeckl.

Das bereits 1839 gegründete Unternehmen wird heute in der sechsten Generation von Annette Roeckl, 40, geleitet.Vom Hoflieferanten König Ludwigs II. und Kaiserin Sissi hat sich Roeckl zum Marktführer in Europa entwickelt. Handschuhe zu produzieren ist recht kompliziert. Pro Paar werden bis zu 24 Einzelteile zugeschnitten und mit 2000 Stichen zusammengenäht. 500 000 Handschuhe werden bei Roeckl jährlich produziert. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 300 Mitarbeiter, hält sich 22 Filialgeschäfte an der Leine und bietet neben Handschuhen aller Art auch Seidentücher und modische Accessories an. ,,Zum Winter 2008 kommen wir erstmals mit einer Taschenkollektion“, sagt Annette Roeckl. Diese wird zunächst in den drei eigenen Stores sowie Partnerstores verkauft und geht später in den übrigen Fachhandel.

Doch Kernsortiment, mit 80%igem Anteil, sind Handschuhe. „Ich freue mich riesig über die derzeitige Entwicklung bei Handschuhen“, sagt Roeckl. Und gerade lange Handschuhe hätten ihre Anteile um ein Vielfaches vergrößert. Dabei muss es nicht immer uni oder schwarz sein. Annette Roeckl: „Wir verkaufen derzeit auch sehr gut Handschuhe mit Pythonoberhand für 229 Euro oder Handschuhe aus metallisiertem Leder. “

Doch nicht nur im Modehandel ist Roeckl präsent. „Wir haben bei Gabor in den Shops Handschuh-Corners, wo das Produkt schön präsentiert wird. Auch andere Schuhhändler würden zunehmend Interesse am Handschuh zeigen. Wichtig ist Annette Roeckl dabei die richtige Warenpräsentation. „Nur ein paar Teile bringt nichts.“ Wer das führende europäische Handschuhland sei, könne man schlecht sagen. Sicher seien es Russen, weil sie Luxus lieben und zeigen. „In Deutschland kaufte man bislang eher nutzenorientiert“, meint Roekkl. Doch das habe sich spürbar geändert, seit Trendsetter wie Victoria Beckham oder Karl Lagerfeld selten oder niemals ohne zu sehen sind.

Fest steht jedenfalls, dass Handschuhe das Must Have des Winters schlechthin sind. Doch eine Benimmregel gilt in Sachen Handschuh durchgängig. Egal wie modisch sie sind. Zur Begrüßung: Runter damit. Daran halten sich sogar die Queen und der Papst. Nicht immer, aber immer öfter. 24/07 Ilona Sauerbier

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