Schuhmarkt

So weich so gut

Taschen sind derzeit die absoluten Stars unter den Accessoires. Bei hochgenrigen Designerlabels gibt es sogar Wartelisten um die Kundinnen zu bedienen. Auch der Schuhhandel profitiert von diesem erfreulichen Boom. 20/06 Ilona Sauerbier

Sie heißen Paddington, Kelly oder Boogie-Bag. Sie werden vom Kennerblick sofort ehrfürchtig erfasst, und sie kosten ein Vermögen: Hochbegehrte Designertaschen. Mit Wartelisten versorgen angesagte Modehäuser wie derzeit Chloe, Hermès oder Mullberry ihre Kundinnen mit hippen Taschen. Und geduldig warten die Frauen auf das Objekt ihrer Begierde. Dass Taschen derzeit die absoluten Stars unter den Accessoires sind,muss hier nicht extra erwähnt werden.

Und dieser Trend gilt nicht nur für das Topgenre. Auch bei kommerziellen jungen oder mittelmodischen Anbietern ist Aufbruchstimmung angesagt. Voraussetzung die Kollektion entspricht dem, was die Kundinnen wollen. Entsprechend positiv ist im Moment auch die Stimmung in der Branche. “Mit Taschen machen wir im Moment die besten Accessoiresumsätze”, heißt es bei Lodenfrey in München. Natürliche, wertig wirkende Lederoptiken und vor allem größere Formate kommen jetzt schon gut an. Dass Taschen Raum gewinnen und zum nächsten Sommer ruhig so groß wie möglich sein können, daran könnte ein bisschen Miuccio Prada Schuld sein. Die Stardesignerin hat die Gepäckserie. Ihres Großvaters aus dem Jahr 1913 neu aufgelegt und inspirierte damit viele in der Branche zu neuen Formen.

So sieht man in den neuen Kollektionen trendiger Taschenanbieter typische Elemente, die ein bisschen an Reisegepäck erinnern: Kompakte Henkel, Mischungen mit Canvas, schützende Kofferecken, markante Schlösser sowie Gurte und Bügel. Lars Maschmeier von Bree bestätigt diesen Trend: „Die kleine Reisetasche im Handtaschenformat ist im Moment einer unserer Bestseller.“ Doch die Formen sind schlicht, die Leder geschmeidig und unkonstruiert, die Dekors nicht mehr so überladen.Viele genarbte Leder, viele Naturoptiken, viele Lammleder. Die Mode wird ruhiger, eleganter, abgeräumter. „Die Kunden suchen jetzt ganz klar nach schlichteren Formen“, sagt Nadine Berkel-Dunkel, von Abro. Zwar dürfen markante, dekorative Dekors wie Vortaschen, Ketten oder Schnallen nicht fehlen, „aber die Taschen müssen weich und knuffig sein.“

Alles ist soft verarbeitet. Neben großräumigen Matchsäcken, sind querformatige Kurzgrifftaschen beliebte Modelle. Auch bequeme Shopper und Bügeltaschen im Look der Arztkoffer, geben den neuen Kollektionen viel Großzügigkeit. Bigger Sizes begleiten bereits den Saisonstart in den Winter. „Beutelige Formen, bevorzugt in Brauntönen, kommen bei den Frauen sehr gut an“, sagt Maschmeier. Laute Farben gehen bei Bree nicht mehr. Auch der Bereich Businesstaschen tut sich etwas schwerer. „Hier gibt es im Moment zu wenig neue Impulse. Alles wirkt ein bisschen konservativ.“

Canvas: Das neue Leder

Dass in der neuen Mode für Sommer 2007 viele frische Impulse stecken, aber auch schöne verkäufliche Themen, darüber ist sich die Branche einig. Daniela Wittigayer von Lodenfrey in München vermutet, dass die Taschenumsätze um schätzungsweise 15 % höher liegen als im Vergleich zum Vorjahr. Vor zu großen Taschen rät sie allerdings ab: „Das ist nur etwa für ganz große Frauen.“ Auch bei Lodenfrey geht generell die laute Farbe zurück. Dafür räumt man natürlichen Optiken und Mischungen mit Canvas viele Chancen ein. „Canvas ist inzwischen genauso teuer wie Leder, und die Verarbeitung der Stofftasche steht der Ledertasche in nichts nach“, sagt Gerlinde Grimm, von Medici. Mit dem Trend zu natürlichen Materialien werden zum Sommer 2007 auch natürliche Farben tonangebend sein. Ergänzt von Aqua, Jeansblau und Marine. Daneben schenken die Stilisten der Farbe Weiß große Aufmerksamkeit.

Während sich Weiß in diesem Sommer schon zeigte, wird die Trendfarbe zur nächsten Saison ganz stark heraus gearbeitet. Als Pendant dazu spielt Schwarz eine wichtige Rolle. Gold und Metallictöne werden von hochgenrigen Händlern mit Vorsicht angepackt, „weil es in diesem Jahr schon stark vertreten war“, so Wittigayer. In der kommerziellen Schiene dürfte das Thema noch eine Saison laufen. Wenn die Taschen größer und großräumiger werden, gilt dem Innenleben mehr Beachtung, denn die funktionelle, intelligente Raumaufteilungen mit praktischen Zwischenfächern und Innentaschen unterscheidet hochwertige Modelle von preiswerteren. Auch schöne Futter und eine gepflegte Innenverarbeitung werden als etwas Besonderes geschätzt.

Gute Vertriebsschiene: Schuhhandel

Dass in der Kombination mit Schuhen gute, zusätzliche Taschenumsätze zu generieren sind, darüber sind sich innovative Taschenanbieter und Schuhhändler im Klaren. So sind auch die Ambitionen, neue Vertriebskanäle in diese Richtung aufzubauen, stark verbreitet. Abro lanciert seit drei Saisons eine Schuhkollektion,die langfristig fest im Schuhhandel etabliert sein soll. Gabor hat sich längst zum Taschenspezialisten entwickelt. Auch Coccinelle wird von Taschenhändler ebenso geschätzt wie neuerdings von Modeläden, die modische Schuhe verkaufen. Für große Modeanbieter wie Marc O’Polo, Esprit oder Tom Tailor sind die Bereiche längst zusammen gewachsen. Schuhspezialist Schütte in Oldenburg macht mit Taschen seit vielen Jahren kontinuierlich gute Umsätze. “Schuhe und Taschen verkaufen sich immer gut”, sagt Klaus Schütte. Dabei spielen Preise nicht unbedingt eine wichtige Rolle. “Wir verkaufen die hochwertigen Taschen von Coccinelle ebenso gut wie die deutlich jüngeren und preiswerteren von Buffalo: Hauptsache, sie liegen im Trend.

Vier Trendthemen bestimmen die Taschenmode für Sommer 2007:

Power Lady

Excentric Woman

Chummy Fellow

Pretty Girl

20/06 Ilona Sauerbier

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