Schuhmarkt

Was ist Vintage?

Vintage-Look, Used-Optiken, gewaschene Leder, Patina-Effeke? In diesem Winter gibt es viele Begriffe, die die neuen Oberflächen und Zurichtungen der Leder umschreiben. Für Ihr Verkaufsgespräch haben wir für Sie ein bisschen recherchiert. 22/06 Ilona Sauerbier

Der wahre Gentleman, schrieb Oscar Wilde vor mehr als hundert Jahren, zieht niemals nagelneue Schuhe an: Er lässt sie eintragen von seinem Butler, bis die „peinliche Aura der Neuanschaffung“ ersten Anzeichen des noblen Alterns weicht.

In England, dem Ursprungsland der Snobs und Dandies, ist Understatement eine Tugend, und Leuten, die sich beste Qualitäten leisten können, galt es schon immer als besonders elegant, modisch tiefzustapeln. Nun hat, seit Ende des vergangenen Jahrhunderts, der Kult des schönen Alten und Gelebten auch uns erreicht: „Vintage“ ist angesagt. Im Englisch-Lexikon finden wir zu dem Begriff die schlichte Übersetzung: Jahrgang. Ein „vintage wine“ etwa ist ein Jahrgangs-, also besonders edler, Wein, ein „vintage car“ ein Oldtimer- Auto. „Vintage fashion“, ein Neuling als Begriff und nur in aktuellen Lexika zu finden, wird definiert als „Original-Kleidung alter Jahrgänge, insbesondere von 1930 bis 1970“.

Während die Modefreaks in London und Paris tatsächlich Jagd auf Originale machen – Kleidung, Schuhe,Taschen – bietet sich einem breiteren Publikum das „auf alt“ Gemachte an: Der Charme vergangener Zeiten kommt frisch aus der Fabrik. Die Internet-Enzyklopädie Wikipedia definiert Vintage Fashion denn auch zeitgemäß als „eine auf gebraucht gestylte Mode bis hin zu absichtlich zerfetzter Kleidung“. Siehe Jeans mit Rissen, Jacken im Used-Look, Pullis mit kunstvoll eingerissenen Löchern und Laufmaschen. Und nun auch, seit vergangenem Winter und stärker noch in der kommenden Saison: Schuhe und Stiefel im Vintage-Look.

Wo es früher nur die Auswahl gab zwischen Glattleder und Velours, gibt es im bevorstehenden Winter eine Vielzahl von lässig-kernig und robust bis tatsächlich „gelebt“ aussehenden Oberflächen. Besonders bei Stiefeln, wo die Zurichtung großflächig gezeigt werden kann, kommt Phantasie ins Spiel: Antik-Optik, Used-Look oder eben Vintage sind die Stichworte für Naturoptiken und gewaschene oder abgeratzte Leder. Oftmals sind die Basismaterialien Kalb oder Ziege bei der Herstellung Ton-in-Ton tamponiert worden, um einen Zwei- bis Dreitoneffekt zu erreichen: Solcherlei weiche Schattierungen verleihen Schuhen ein regelrecht antikes Aussehen. Andere Leder sind gewaschen und gewalkt und präsentieren sich im Crash-Look: leicht geknittert, wie hundertmal getragen und genutzt, „used“ eben, gebraucht.

Natürlich kommen all diese besonderen Arten der Zurichtung, die das Leder schon mal kräftig strapazieren, besonders gut auf hochwertigen Oberflächen zur Geltung. „Edle Materialien werden noch schöner durch Patina“, sagt Leder-Fachfrau Sonia Langer-Korsch in ihren Seminaren für den Schuhfachhandel. Und: „Gute Leder sind die Antiquitäten der Zukunft.“ Sie muß es wissen, denn sie lebt in München, und dort gehen auf Auktionen schon mal Lederhosen, wenn sie so eine richtig schöne Patina haben, „zu höheren Preisen weg als die Lederhosen im Geschäft“. 22/06 Ilona Sauerbier

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