Schuhmarkt

Wie ein Trend entsteht

Trends in der Mode bauen sich langsam auf und die Quellen sind vielfältig. 04/06 Sabine Maurer

Trends in der Mode bauen sich langsam auf. Die Quellen sind vielfältig. Modenschauen geben einen Überblick. Die Entwürfe großer Designer finden sich ein oder zwei Saisons später im breiten Markt wieder. Verbraucherinnen kopieren den Look der Stars. Die Modeindustrie gibt Linien vor. Die Magazine schreiben über Mode. Der Handel bestimmt, was die Kundinnen dann tatsächlich in den Geschäften vorfinden. Tamagotchis, Leggings, Neue Deutsche Welle, Miniröcke, Stulpen, Zauberwürfel ... Diese sechs Dinge habe eines gemeinsam: Sie alle lagen einmal im Trend. Es gab wohl kaum einen Teenie in den 80ern, der nicht mindestens einen Zauberwürfel sein eigen nannte und kein Fan der Musik von Nena, Markus & Co. war. Leggings, die heute höchstens heimlich in den vier Wänden getragen werden, waren damals ebenso wie Cowboystiefel topmodern, und die Mütter strickten für ihre Kinder nicht mehr nur Handschuhe und Socken, sondern auch kunterbunte Stulpen. Heute graust es manchem beim Anblick seiner alten Fotos, und es stellt sich unweigerlich die Frage: „Wie konnte ich das nur tragen?“ Kein Zweifel: Ein Trend ist mächtig, doch wie entsteht er überhaupt? Ein Trend ist eine Mischung aus vielen verschiedenen Einflüssen“, sagt dazu Helga Cevey vom Schuhinstitut in Offenbach. Viele der Trends würden von der Straße stammen und emotionale Stimmungen widerspiegeln, wie zum Beispiel die Sorge über die wirtschaftliche Entwicklung, ein Bedürfnis nach Stärke oder eine Sehnsucht zurück zur Natur. „Es ist heute in unserer demokratisierten, globalisierten und individualisierten Welt nicht mehr so, dass Mode von den Designern bestimmt wird. Im Gegenteil“, meint sie. Die Kreativen würden sehr sensibel auf die Stimmungen auf der Straße reagieren und diese in ihre Kreationen aufnehmen. „Ob ein Trend von den Konsumenten oder den Designern bestimmt wird, ist ein Henne-und-Ei-Problem“, meint dazu Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut in Kelkheim. Er stimmt Cevey jedoch zu, dass die Mode immer mehr von der Straße kommt und die Konsumenten aktiver und selbstbewusster werden. Die Kunden würden daher immer stärker in den Design-Prozess einbezogen. Wichtig sei der Blick des Designers, aber auch die Rückkoppelung zu den Kunden. Die traditionelle Marktforschung spielt dabei Wenzels Meinung nach eine immer unwichtigere Rolle. Den Trends von der Straße käme damit keiner auf die Spur. Dafür müsse man näher an die Menschen heran und diese in authentischen Momenten erwischen. Dies würden die Agenturen versuchen, indem sie zum Beispiel im Internet nach den Meinungen der Menschen „spionieren“ oder die Opinionleader von Subkulturen in den Design-Prozess einbinden. Auch Internetangebote wie www.ciao.de, in denen Kunden die Produkte bewerten, würden häufig genutzt, um nach den Wünschen der Konsumenten zu fahnden. „Bei diesem Vorgehen sind die Ergebnisse häufig völlig anders als bei der traditionellen Marktforschung“, sagt Wenzel. Bei der Entstehung eines Trends spielt seiner Meinung nach auch die Mund-zu-Mund-Propaganda eine große Rolle. „Die Mode passt sich der Gesellschaft an“, betont Cevey vom Deutschen Schuhinstitut. So hätte zum Beispiel Dior nach dem Zweiten Weltkrieg den „New Look“ kreiert, mit dem Frauen nach Jahren endlich wieder weibliche Kleidung angeboten wurde. In den 50er Jahren wurde gerne gezeigt, welcher Wohlstand wieder erreicht worden war, und das spiegelte sich auch in der schicken Kleidung wider. „Mode kann man an der Historie festmachen“, sagt Cevey. Die Designer benötigten das Gefühl, den Zeitgeist zu erspüren, und würden daraufhin Vorschläge machen. Manche Marken wie Gucci hätten geradezu den Daumen auf dem Zeitgeist. Natürlich sei auch die Schuhmode hier keine Ausnahme. „Schuhe haben mittlerweile wieder ein besonderes Bild in der Modewelt und sind in den Designprozess voll eingebunden. Hier geht nichts langsamer als in der Textilbranche“, sagt Cevey. So sei etwa die Sneaker-Welle in der Zeit des sportlichen Trends entstanden, und diese Schuhe seien damals auch zum Business-Outfit getragen worden. Dies sei mittlerweile wieder undenkbar. Dafür seien heute zum Beispiel lange Stiefel zu Röcken modern, diese Kombination hätte wiederum vor Jahren kaum jemand getragen. 04/06Sabine Maurer Magazine und Stars Was die Stars heute tragen, wird morgen zur Mode. In Hollywood, New York, London und auch Berlin unterhalten viele Hersteller spezielle Showrooms, in dem sich Prominente ihr Outfit aussuchen können. Auch das Fernsehen ist Modemacher. Wer hier die Kleiderkammern der Sendungen bestückt, hat die Chance, im TV getragen zu werden. Modemagazine beginnen zwei bis drei Monate vor Saisonbeginn mit der Aufarbeitung der Trends. Die Redaktionen beziehen sich dabei auf Modeschauen, Trendscouts und Fachzeitschriften und setzen ihre eigenen Schwerpunkte.Magazine für Frauenmode: Vogue, Elle, Instyle, Brigitte, Cosmopolitan, GlamourMagazine für Herrenmode: GQ, Max, FMFernsehen: MTV Fashion Zone, Viva Inside, 3sat Tipps & Trends Mode

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