Schuhmarkt

Taschen Herbst 2007: Hype und kein Ende

Taschen sind zum wichtigsten Modesignal geworden. Davon profitieren derzeit alle Top-Labels, die mit gigantischer Werbung und freundlicher PR überall präsent sind. Weniger glamouröse Anbieter sehen es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 05/07 Ilona Sauerbier

 

Die Finger ihrer rechten Hand umschließen ein metallisch glänzendes Ding. Es ist vielleicht 25 Zentimeter lang, schmal, und sie hält es eng an den Körper gepresst. „Kommt mir nicht zu nah“, scheint ihr Blick zusagen, „das gehört mir.“ Die Fotografen vor dem Hotel de Rome in Berlin sind kurz verunsichert – trägt Celia von Bismarck, 35, etwa eine Waffe?

Sie erkennen nicht, was die vorbeieilenden weiblichen Partygäste längst identifiziert haben: Es handelt sich um die „Ciggy“ von Jimmy Choo – das Abendtäschchen der Stunde. Eine so genannte It-Bag, die mit vielen anderen Designernamen seit mehreren Saisons diesen unfassbaren Taschenhype ausgelöst haben. Zumindest bei den Damen mit dem dickeren Geldbeutel. Aktuelle It-Bags sind zum Beispiel die „Paddington“ von Chloé, die „Gaucho“ von Dior oder die „Speedy Miroir“ von Louis Vuitton. Taschen, die locker auch mal 2500 Euro kosten können, häufig in reduzierter Auflage in die Geschäfte kommen – und spannender sind als die Kleidung selbst.

Hinzu kommt, dass sich auch viele Modezeitungen nur noch auf diese Labels stürzen „und nur noch Taschen abbilden ab Miu Miu aufwärts“, sagt Karin Hoffmann-Kolbe, Einkäuferin für die Görtz-Taschen. Selbst in der Petra erscheinen dann Taschen, die sich einzig Unternehmegattin Regine Sixt leisten kann. Der Hype um die klangvollen Labels nutzt zwar der gesamten Branche und hat auch bei den Verbraucherinnen das Bewusstsein für schöne Taschen enorm gesteigert, „aber wir haben genauso das Problem, dass die Frauen zu uns kommen, die Paddington vor Augen haben und dann ein bezahlbares Stück bei uns suchen. „Deshalb sind wir immer auf der Suche nach guten Marken, die eine eigenständige Linie haben und nicht nur ein Aufguss der großen Brands sind.“

So verabschiedet sich Görtz auch immer mehr von No names und forciert Marken, die einen Kern und eine Linie haben. Egal in welcher Preiskategorie. „Es wird ja alles immer ähnlicher und vergleichbarer“, so die Taschenexpertin weiter. Wie eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins Stern bestätigte, besitzen in Deutschland fast ein Viertel der Damen sechs bis zehn Handtaschen. Gerade für die jüngeren Käuferinnen zwischen 14 und 29 Jahren scheint ein Zuviel nicht zu existieren. Jede dritte dieser Altersgruppe gab an, in den vergangen zwölf Monaten mindestens drei Handtaschen gekauft zu haben, jede zehnte hat fünf. Dementsprechend meldet auch der Verband der deutschen Lederwarenindustrie für die ersten zehn Monate 2006 ein Umsatzplus von 7,5 Prozent auf insgesamt 279 Millionen Euro. Ein Drittel davon machten Handtaschen aus.

Erfolgsfaktor: Die Tasche zum Schuh

Handtaschen sind zweifelsohne ein spannendes Feld für Schuhgeschäfte, und immer mehr Schuhproduzenten erweitern ihr Portfolio mit Taschen. Die derzeit zwei Läden Franco Francesco von Görtz führen inzwischen längst nicht mehr nur die Eigenmarke. „Wir haben Coccinelle, DKNY, Joop, Boss oder Abro im Sortiment“, sagt Karin Hoffmann-Kolbe. Hinzu kommen weitere Labels in den Görtz Flagships, die zu den- Schuhen passen. Sehr erfolgreich im Moment Barbara Bui oder Costume National.

Auch bei Schuhfilialist Werdich in Dornstadt boomen die Taschen. Christine Werdich: „Seit zwei Jahren ein wachsendes Geschäft.“ Inzwischen hätten aber so viele Schuhanbieter Taschen, das man es gar nicht mehrin den Geschäften unterbringen kann. „Wir bleiben daher bei unseren Stammlieferanten für Taschen, experimentieren aber gerne mal. “ Dass im Schuhhandel noch mehr Potenzial steckt, sieht auch Taschenspezialist Picard, der jetzt ein „eigenes Taschenkonzept“ entwickelt hat. Geschäftsführer Thomas Picard ist mit den laufenden Umsätzen zufrieden. Die Stimmung ist nach vielen schlechten Jahren endlich wieder gut und neue Sommerware wird derzeit in den Läden zügig verkauft.

Auch Taschenhersteller Medici, bislang eher spezialisiert auf den Lederwarenhandel, „liefert inzwischen an interessante Schuhgeschäfte“ und zeigt sich mit dem Saisonverlauf bestens zufrieden. Doch nicht nur bei Frauen zieht das Taschengeschäft an: Junge Männer, die neuerdings Messengerbags am langen Schulterriemen mit sich tragen, liefern ihren stolzen Anteil am wachsenden Umsatzkuchen.

Winter 2007: Groß, Lack, Schwarz

Die aktuelle Sommersaison lief für Taschen gut an, heißt es auch bei Abro. Stefan Bruder: „Große Formate, viel Lack und neuerdings auch Weiß sind jetzt schon klare Favoriten.“ Auch bei Breuninger gehen Milchfarben, Metallicleder (vorrangig Silber) und viele große Beutelformen häufiger über den Ladentisch. Zum Winter 2007 wird sich das Farbbild ändern. Schwarz ist die wichtigste Farbe der Saison. Hinzu kommen Brauntöne und die neuen Minerals – neblige Nichtfarben, die sich um die Skala der Grautöne ranken.

Grau ist neu, ist allerdings auch eine schwierige Lederfarbe. Bei feinsten Ledern wirkt es sehr edel und wertig, wird es billiger, kann auch die Tasche sehr billig ausschauen. Dasselbe gilt für ganz reduziertes Design.Auch hier können sich nur hochwertige Leder diese Reduktion erlauben. Metallicglanz bleibt, wird aber dunkler, morbider. Goldbronze und Altsilber sind wichtige Farben.Warme Rottöne und etwas Grün sind die Farbspritzer und hübsche Dekos. Was die Größen betrifft, so heißt das Credo unverändert L bis XXL, wobei das goldene Maß sicher die zwar großräumige, aber dennoch komfortable Mittelgröße ist.

Je jünger oder hochwertiger die Kollektionen sind, desto größer können allerdings die Beutel sein. Neben weichen, runden Formen werden wieder mehr Hochformate besprochen. Parallel dazu entwickelt sich bei Abendtäschchen eine Richtung hin zu Mikroformaten. Hier sind alternativl zu den Jumbo-Sizes kleine Pochettes, Kuvertformen und feminine Bügeltaschen mit Knipsverschluss angesagt. Die Leder sind generell sehr weich und zeigen häufig strukturierten Oberflächen. Matte, vegetabil gegerbte Leder und glänzende Optiken sind gleichermaßen angesagt: Lack und Lackprägungen, natürliche und genarbte Leder sowie Kroko-Prägungen und Leo-Prints.Wichtig sind zudem Faltenstrukturen, Raffungen und last but not least das charakteristische – aber reduzierte – Metalldekor.

Den Artikel zum Taschentrend Schwarz & Co. finden Sie hier.

Den Artikel zum Taschentrend History finden Sie hier.

Den Artikel zum Taschentrend City Lights finden Sie hier.

Den Artikel zum Taschentrend Anglomania finden Sie hier.

Ausgewählte Modelle von Aigner bis Tom Tailor finden Sie hier.

05/07 Ilona Sauerbier

 

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